Mein kleiner Bruder und Professor Mojib Latif

Sonntag, Kiel. Ich öffne das Fenster einen Spalt breit und höre Möwen schreien und Spatzen zwitschern. Ich bin in Kiel bei meinem Bruder. Mein kleiner Bruder und meine große Schwester. Geblieben ist mir mein kleiner Bruder. Wir reden viel miteinander. Wir sind sehr unterschiedlich. Manchmal hapert es noch mit der Akzeptanz, doch wir lernen beständig dazu. Weil wir uns wichtig sind. Ich bewundere das perfekte Haus. Die perfekte Sauna mit LED-Lämpchen und -Strahlern an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Ich bewundere die goldene Designerlampe und den Riemenboden aus Eiche. Den Fernseher mit dem perfekten Sound, geboostert von einem perfekten Lautsprecher.

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„Taurus für die Ukraine – Zusammen bis zum Sieg“

… wenn allerdings Navalnys Tod jetzt als Argument für Flak-Zimmermann herhalten muss, Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern, dann ist das einfach nur geschmacklos. Einen logischen Zusammenhang gibt es nicht, Hauptsache WAFFENNNNNN! Mehr hat die Dame nicht im Hirn. Die Oberkriegstreiberin der Nation zeigt sich heute auf Twitter beim Posen mit einer ukrainischen Abgeordneten in superpeinlichem, gelb-blauen T-Shirt: Auf ihrer Kriegerbrust ein Taurusbulle. Ein Sprüchlein darf natürlich auch nicht fehlen, wie das bei Sprüche-Shirts so üblich ist: „Taurus für die Ukraine – Zusammen bis zum Sieg“ Genau mein Humor. Für den Rücken schlage ich vor: „Wollt ihr den totalen Krieg?“

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Nawalny ist tot …

… kaltschnäuzig vor den Augen der ganzen Welt ermordet. Diese Hemmungslosigkeit ist wirklich erschreckend: Es scheint egal zu sein, ob die Öffentlichkeit es weiß oder nicht. Wahrscheinlich soll sie es sogar wissen, so in dem Sinne: Seht her, so geht es allen politischen Gegnern, die es mit uns aufnehmen wollen Warum ist Nawalny Anfang 2021 freiwillig nach Russland zurückgekehrt? Nachdem er nur knapp einen Giftgasanschlag überlebt hatte, weshalb er zur ärztlichen Notversorgung nach Deutschland ausgeflogen worden war? Hielt er sich für unantastbar? Die Erfahrung des Anschlags mit dem Nervengift Nowitschok schließt diese Vermutung eher aus. Oder wollte er ein Zeichen

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Happy

Freitag, Tübingen. Ein Geburtstag, wie er mir gefällt: mit lieben Menschen. PM lernt meine Schreibgruppe kennen. Meine Schreibgruppe überrascht mich mit süßen Ideen und süßen Geschenken. PMs Strauß so groß, dass ich keine Vase finde. PM schenkt mir Regale für mein Arbeitszimmer in Eisenach und baut sie für mich ein. Damit hat er letzte Woche schon angefangen, zum Glück ist er in handwerklichen Dingen supergeschickt. Mein lieber T. kommt vorbei, und morgen kommen Lieblingskolleg*innen vom alten „Amt“. Glückwünsche auch vom neuen „Amt“ in E., über die ich mich genauso freue. Zu viel Kuchen bestellt und zu viel eingekauft. Wie immer

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Lasst es bleiben!

Dienstag. Maischberger & Co, die Presse, unsere Spitzenpolitiker*innen – sie allesamt können es offenbar kaum abwarten, endlich Krieg zu machen. „Den Krieg nach Russland tragen …“ ist das neueste verschwiemelte Narrativ von Oberkriegstreiber Roderich Kiesewetter! Yeah!, gegen die Russen! Was vor 80 Jahren nicht geklappt hat, soll jetzt endlich hinhauen? Die Bitte der unwissenden, aber interessierten Bürgerin: Lasst es bleiben, Putin-Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen, nur um Stimmung zu machen, lasst es bleiben, euch an der Kriegshetze zu beteiligen, arbeitet journalistisch sauber, stellt die Sache dar und nicht eure Meinung. Ist Aufrüstung der neue Pazifismus? Ihr seid an vorderster

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Rüstungsunternehmen im Aufschwung

Dienstag. Rheinmetall -Chef Armin Papperger hat den Spatenstich für eine neue Munitionsfabrik in Unterlüß in Niedersachsen gesetzt – juhuu! Rüstungsunternehmer sind wieder wer, ihre Zeit in der Schmuddelecke isch over. Den Spatenstich verfolgten live Boris Pistorius, Kanzler Olaf Scholz und die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen – mehr Ehre geht kaum. Papperger, ganz der selbstlose, sich seiner Verantwortung bewusste Unternehmer, will zur „Verteidigungsfähigkeit unseres Landes und unserer NATO-Partner“ beitragen. Die Bundesregierung hat dem neuen Werk eine Abnahmegarantie ausgestellt, die Finanzierung steht! Und schon flirtet Katarina Barley, SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl, mit der Idee von einem europäischen Atomwaffenprogramm. Während die Grünen noch überlegen,

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Vom Suchen und Finden

Montag. Seit zwei Wochen klafft im Schaufenster des Antiquitätenhändlers ein Loch. Nämlich seit ich den Tisch und die drei Stühle bei ihm gekauft habe. Sehr schöne Stühle und ein sehr schöner Tisch, Art Deco, (kl)eine Entschädigung für das in der Ahrflut zertrümmerte Biedermeier-Esszimmer von meinen Eltern. Jeden Tag komme ich an dem Schaufenster vorbei und schaue nach. Irgendwann muss er doch irgendwas wieder reinstellen, in das Loch, das wirklich nicht gut aussieht. Bevor der Tisch und die drei Stühle zu uns kamen, hat das Schaufenster des Antiquitätenhändlers sich niemals verändert. Genau genommen seit zwei Jahren, seit ich in Eisenach zugange

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Panik auf der Titanic

Sonntag. Weiß nicht, diese Panikmache, das Gerede vom 3. Weltkrieg und dass Putin vor den Toren Berlins steht – ist da irgendein Sinn dahinter? Die unwissende, aber interessierte Bürgerin erkennt nämlich keinen, ihr Panikbedarf ist längst gedeckt.

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Samstag. Wenn Elisa* keinen Bock hat, guck sie über die Schulter und sagt: Nö. Elisa hat ziemlich oft kein Bock (Akkusativ ist out) und sagt ziemlich oft Nö. Ich brauche eine Inhaltsangabe von ihr. Die Kurzgeschichte haben wir letzte Woche gelesen, jetzt gilt es, den Kern in Worte zu fassen. Ich brauche auch dringend eine Note von Elisa. Wenn es keine Noten gibt, fangen sie gar nicht erst an, und Elisa fängt nicht mal an, wenn es um Noten geht. Schlechte und ganz schlechte Bewertungen steckt sie weg wie nichts, das ist eine Sache der Ehre. Elisa, sage ich, Sechsen

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