Montag. Wenn man an einen Interviewpartner kommen will, den man nicht einschätzen kann, dann bucht man eine Stadtführung durch Freiburg bei ihm. Bei ihr: Drag-Queen Betty BBQ. Macht im Schwarzwaldkostüm an nicht unbedingt touristisch, aber funmäßig relevanten Plätzen in der Freiburger Altstadt Halt und kommentiert diese aus ihrer eigenen „Tunten“-Sichtweise (O-Ton). Da wird schon mal hart vom Leder gezogen gegen Coroanapolitik, Berufsverbot im Lockdown und gegen Stadträte, denen die Pandemie grad recht kam, um das Freiburger Nachtleben ganz legal auszutrocknen. Mit Erfolg, wie am Kneipensterben ablesbar. Mit dabei meine Schulfreundin U., die Betty kennt und am Ende der Show den
WeiterlesenLetzte Beiträge
Harry has gone!
Mittwoch. Eine der schönsten Stimmen der Welt von einem der schönsten Sänger der Welt ist verstummt. Danke für so viele tolle Lieder, lieber Harry Belafonte, mit denen meine Kinder abends eingeschlafen sind. Gute Reise!
WeiterlesenArbeit am WE
Montag. Langes WE in Eisenach. Unser Häuschen wird langsam gemütlich. Viel aus- und aufgeräumt und geputzt und poliert und ringsrum freigeschnitten. Die Bäder sind fertig, die Küche auch. Wohnzimmer so halb, mein Zimmer steht noch leer. Bis August läuft mein persönlich gesetzter Count Down.
WeiterlesenSaft und Schokolade
Freitag. Einen wundervollen Abend durfte ich gestern gemeinsam mit meinen zehn hochmotivierten Kursteilnehmer*innen verbringen. Entspannt bei Saft und Schokolade (ganz wichtig!) ging es direkt am 1. Abend an zwei Schreibaufgaben, die einige Erhellung und Erleuchtung brachten. Lustig: mein allererster Tübinger Zahnarzt war auch dabei. Es existiert eine Kurzgeschichte über ihn und meinen damaligen Friseur (der leider später auf Lebensberater umsattelte), das stecke ich ihm aber erst, wenn der Kurs vorbei ist. Ich denke, die beiden Folgeabende werden genauso gut. Und vielleicht gehts danach ja weiter. So wäre mein Plan, mit Schreibkursen in eine minikleine Selbständigkeit.
WeiterlesenOhne Optis
Donnerstag. Heute Abend unterrichte ich zum ersten Mal Kreatives Schreiben für Erwachsene in Tübingen. Seit zwei Stunden habe ich Migräne zum Verrücktwerden. Was ist los mit mir? Will ich unbewusst kneifen? Habe ich Angst? Früher hätte ich längst eine Optalidon eingeworfen. Die plötzlich vom Markt verschwunden waren. Aus gutem Grund. Ungezählte Optis, wie ich sie ganz liebevoll nannte, haben über die Jahre meine Niere ruiniert. Daran darf ich gar nicht denken. Funktionieren müssen. Na klar, auch jetzt. Nur ohne Tabletten.
WeiterlesenVerschlüsselt
Mittwoch. In NRW ist das schriftliche Abitur ausgefallen. Das heute bundesweit stattfindet. Maximal peinlich: der Download hat nicht funktioniert. Vor lauter Geheimhaltung und Verschlüsselunggedöns sind die Schulen nicht an die Aufgaben rangekommen. Hochlebe die Digitalisierung!
WeiterlesenWochenanfang
Montag. Die zwei Kapitel sind fertig und abgeschickt. Heute Morgen Termin mit Baugutachter wg. der nassen Außenmauer. Der Sturm vor drei Wochen hat den Putz großflächig von der Wand gefegt, darunter kommt jetzt die Misere hervor. Für ihn ist die Sache schnell klar: Das Dach ist undicht, leise rieselt das Regenwasser. Als er gerade gehen will, begrüßen uns zwei Tauben im Treppenhaus. Was für eine Scheiße! Wie kriege ich die jetzt wieder raus? Der Baugutachter – wir haben zuvor bei einer Tasse Kaffee unsere Lebensgeschichten ausgetauscht – ist so freundlich, sich die Tauben eine nach der anderen unter den Arm
WeiterlesenZu wenig
Sonntag. Sie war wieder da. Handy klingelt, ich blockiere ihre Nummer. Nicht mit mir, mag sie sich gedacht haben, denn zwei Minuten später klingelt es auf dem Festnetz. Beim fünften oder sechsten Mal, es ist Sonntag und ich muss immer noch arbeiten, nehme ich ab. Sie beschimpft mich wegen dem Blockieren. Sie will vorbeikommen, mir Putzmittel bringen. Was für Putzmittel? Ich brauche keine Putzmittel. Habe ich aber extra gekauft für dich! Oh Gott! Ich lasse mich breitschlagen, warte auf sie, kann nicht arbeiten, solange ich warte. Als sie endlich klingelt, laufe ich nach unten, damit sie nicht hochkommt. Ich öffne
WeiterlesenArbeit
Samstag. Ich habe eine neue Putzhilfe. Sie redet ohne Punkt und Komma, wie man so sagt. Daran muss ich mich erst gewöhnen. Ich muss arbeiten. Abgabe des neuen Kapitels bis Montag. Ich sage: Ich mach jetzt die Tür zu. Das ist für meine Begriffe ziemlich unhöflich. Sie sagt: Ja ja, mach Tür zu, und redet weiter. Mit wem? Mit mir? Mit sich? Ich sitze am Schreibtisch und höre sie reden. Daran muss mich erst gewöhnen, wenn ich sie behalten will. Sie will, dass ich sie behalte, sie hat schon die nächsten drei Termine ausgemacht. Oh Gott, soweit kann ich gar
WeiterlesenDame Mary
Donnerstag. Mary Quant ist tot. Kaum jemand hat meinen Modegeschmack so sehr geprägt wie sie. Verboten kurze Röcke und Hotpants zum schwarzen Shirt oder Rippenpulli, dunkle, wild gemusterte Strumpfhosen, Knautschlackstiefel und PVC-Regenmäntel, die nicht länger als der Minirock sein durften, Pullunder zur Schlaghose und im Winter Pelzmützen wie Astronautenhelme zum Dufflecoat, der natürlich mit Flowerpowerblumen bestickt war. Nicht zu vergessen die Quant’sche Schminktechnik: Dramatisch überzogener Lidstrich und brauner Lidschatten, lila Lippenstift – den grünen mixte ich mir selbst und verkaufte ihn in den Migränepillendosen meiner Eltern (Sinfrontal) für zwei Mark das Stück an meine Schulfreundinnen. Kein Wunder, dass es kaum
Weiterlesen