Unabhängiger Palmer

Sonntag. Unser OB Boris Palmer stellt sich der Wahl zum Tübinger Oberbürgermeister in 3. Amtszeit. So werden es die Medien morgen melden. Als Parteiloser, ohne die Unterstützung der Grünen, denen er aus Überzeugung seit 25 Jahren angehört, dafür mit Unterstützung von über 800 Wahlberechtigten, die den Aufruf einer privat organisierten Wahlinitiative unterzeichnet haben. Im Vorfeld hatte Palmer auf eigene Kosten eine repräsentative Umfrage beim renommierten Forsa-Institut in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: 68% der befragten Tübingerinnen und Tübinger sind mit seiner Arbeit als Oberbürgermeister zufrieden. Die höchste Zufriedenheit bekunden die Wähler*innen der Grünen Partei mit 86%. Ist dieser Partei noch zu

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Samstag Morgen

Samstag. M. hilft mir beim VG-Wort-Antrag. Sehr komplizierte Maske, danke, M.! Power to the people – das war einmal. Jetzt ist power to the maschines, und wer’s nicht blickt oder keinen Bock drauf hat, ist raus (es gibt dann eben keine Kohle, kein Meeting, keinen Folgevertrag …). Anstatt massenhaft auf die Straße zu gehen … Behörden zu stürmen … kaputt zu machen, was dich kaputt macht, machen wir bei der Abschaffung des Menschen alle brav mit (Die TH-Brigade von der Singularity University / Google reibt sich schon scheppernd die upgegradeten Exoskelett-Hände.) Das Konzept ´Maschine ersetzt Leben` in seiner blödesten Ausformung

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Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Todesfuge (1948) Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts wir trinken und trinken wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz Schwarze Milch der

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Holocaust Gedenktag

Donnerstag. Inge Auerbacher hat heute vor dem Bundestag gesprochen. Gestern Abend war sie bei Markus Lanz. Sie ist frei von Allüren, beeindruckt durch ihre Ungezwungenheit. Sehr bewegend. Vieles von dem, was sie mir vor bald einem Jahr in unseren langen Zoom-Gesprächen erzählt hat, habe ich wiedererkannt. Abgesehen davon, dass ich mich freue, sie für mein neues Buchprojekt gewonnen zu haben, hoffe ich so sehr, dass ihre Worte dort aufgehen, wo der Antisemitismus wieder Wurzeln schlägt: „Menschenhass ist etwas Schreckliches. Wir sind alle als Brüder und Schwestern geboren. Mein innigster Wunsch ist die Versöhnung aller Menschen. […] Zusammen wollen wir beten

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Corona, alter Papst, neue Landrätin, neue Küche

Mittwoch. Meine liebe L. hat Corona und leidet unter Fieber, Stimmverlust und Quarantäne. Habe ihr gestern ein umfangreiches Fresspaket geschickt. Mitleiden aus der Entfernung ist doof. Der emeritierte Pabst Benedikt XVI. hat gelogen. Die Lüge eines in Glaubens- und Sittenfragen Unfehlbaren? Witziges Oxymoron. Unter medialem Druck hat er die „Falschaussage“ – klingt besser als Lüge – zugegeben, allerdings doch auch nicht wirklich: Ihm sei ein „Versehen bei der redaktionellen Bearbeitung“ seiner Stellungnahme für die Gutachter „unterlaufen“. Und so geht es weiter und weiter – never ending Missbrauchs- und Vertuschungsskandale. Systemfehler: Nach katholischer Ideologie geht Lehre vor Moral. Kinder seien weniger

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Woke Wattebettchen

Sonntag. Bizarre Zwänge, mit denen sogenannte Woke sich selbst und die Gesellschaft belegen. So bereichernd ihre Anstöße in der Rassismusdebatte sind, so horizontverengend nehmen sich ihre Ausschließlichkeit beanspruchenden Einlassungen in anderen kulturpolitischen Fragen aus. Politische Bewusstwerdung heißt für mich, unabhängig zu sein: Unabhängig von jeglichen Autoritäten mit ihren Vorschriften und Regelwerken, unabhängig von gesellschaftlichen und ökonomischen Machtstrukturen. Und auf der anderen Seite emanzipiert, sprich stark/eigenständig/widerstandsfähig genug, um auf das, was einem an Abhängigkeit, Repression und Gewalt zwangsläufig begegnet, mit selbst-bewusster Frauenpower zu reagieren – ein lebenslanger Prozess. Letzteres scheint gerade irgendwie kein Thema mehr zu sein. Man/frau zeigt lieber mit

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Meinungsfreiheit

Samstag. Der Marine-Chef Kay Achim Schönbach muss gehen. Was hat er getan? Gesagt was er denkt, das hat er getan. In einer inoffiziellen Stellungnahme, die jedoch gehört wurde, und das waren Schönbachs Worte: „Was er [Putin] wirklich will, ist Respekt auf Augenhöhe. Und – mein Gott – jemandem Respekt entgegenzubringen, kostet fast nichts, kostet nichts. Also würde man mich fragen: Es ist leicht, ihm den Respekt zu geben, den er fordert – und den er vermutlich auch verdient.“ Und es sei „Nonsens“, dass sich Russland ukrainisches Territorium aneignen wolle, das hat Schönbach auch noch gesagt. Die Meinungsfreiheit ist ein Menschenrecht

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Danke für nichts!

Donnerstag. Das hat der Landesvorstand der Grünen ja toll hingekriegt: Das Parteiausschlussverfahren gegen Palmer so lange rausgezögert, bis es nun nicht mehr rechtzeitig vor der Bürgermeisterwahl im Sommer beendet werden kann. Als OB-Kandidat einer Partei könne er jedoch nicht beides sein: nominiert und ausgeschlossen, so Palmer. Und zieht die Konsequenzen. Unterstützung hatte er durch einen Aufruf von Initiatoren aus dem Tübinger Kreisverband erhalten: 500 Parteimitgliedern vor allem aus dem Südwesten hatten sich darin hinter Palmer gestellt. Unglaublich, aber von Palmer bestätigt: Der Landesvorstand hat auf die Aktion nicht einmal reagiert. Tübingen in Zukunft ohne Palmer? Danke Grüne! Danke für nichts!

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