Erregt, empört, eskalierend

Montag, Werne. Man wacht morgens auf und hat Angst vor Krieg. Der eine droht mit dem Atomschlag, der andere pumpt 100 Milliarden Euro in die Aufrüstung (wo kommen die her? Wo fehlen die uns dann?) und noch andere liefern Waffen ins Nicht-NATO-Land Ukraine. Die G7-Außenminister*innen verkünden jetzt schon, jede Art von Statusänderung nicht anzuerkennen. Das heißt das Aus für Verhandlungen, ehe sie überhaupt angefangen haben. Alle verhalten sich rollenkonform – erregt, empört, eskalierend. Ist es in dieser brisanten Lage so klug, Putin dermaßen in die Ecke zu drängen, wie das gerade geschieht? Wieso fällt keiner/keinem einzigen Bundestagsabgeordneten eine pazifistische, zeitgemäße,

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Mama II

Sonntag, Werne. Zweiter Tag. Mama das Stehaufmännchen. Spricht manchmal. Trinkt. Sagt ein Gedicht auf. Erkennt mich. Spricht von meiner frühkindlichen Anorexie, zum ersten Mal im Leben. Ich sage PM, dass ich dableibe. Zimmer bei Hotel Baumhove verlängert. Mama singt Pack die Badehose ein.

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Der Brandstifter und die Biedermänner

Steingart Morning Briefing vom 25.02.22 (leider ohne die beeindruckenden Grafiken zur Osterweiterung der NATO): Der Putin der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hieß Nikita Chruschtschow. Der Kreml-Herrscher ließ SED-Chef Walter Ulbricht gewähren, als dieser seine Kampftruppen, ausgestattet mit Stacheldraht und Tretminen, zum Mauerbau losschickte. Sozialismus statt Freiheit, war das Motto. Die Ukraine von damals hieß DDR. Der Westen war in Empörung vereint. Die Scharfmacher aller Parteien hatten ihren großen Auftritt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt aber blieb cool. Er entschied sich in dieser dramatischen Situation der Weltgeschichte anders als der Westen heute. Er deeskalierte. „Hellwach und zugleich betäubt“, so erinnerte er sich, sei er am

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Kein gemeinsames europäisches Haus

Donnerstag. Nun also doch – heute Nacht hat Putin eine militärische Operation gegen die Ukraine eingeleitet. Ziel sei es, die Ukraine zu „entmilitarisieren und zu entnazifizieren“. Was heißt das nun? Hoffentlich fällt den NATO-Verbündeten Besseres ein als weitere Truppen-Stationierungen und Aufrüstung und militärische Expansion und noch mehr wirtschaftliche Sanktionen, um damit nichts zu erreichen außer die Eskalation der Gewaltspirale voranzutreiben und letztlich auch den sanktionierenden Staaten zu schaden. Zur Erinnerung: Als Wladimir Putin am 25. September des Jahres 2001 im Deutschen Bundestag eine Vereinigung mit weiten Teilen Europas anbot, hat man seine ausgestreckte Hand ausgeschlagen. Damit war die Chance eines

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Eine Spur blasser

Mittwoch. Der fantastische Gary Brooker, Gründer, Mann am Klavier und Sänger von Procol Harum, ist am Wochenende seinem Krebsleiden erlegen. Im Tübinger Sudhaus habe ich den Schöpfer von so wunderbaren Stücken wie A Whiter Shade of Pale erlebt, absolut souverän und faszinierend. Wie unendlich schade, dass er schon gehen musste.

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Faber ohne Bönisch

Montag. Das gibts nicht – lassen die einfach Kommissarin Bönisch erschießen. Und Bönisch steht auch gar nicht mehr auf und blinzelt mit keinem Auge, weder mit dem rechten noch mit dem linken, das heißt, tot ist tatsächlich tot. Hat Anna Schudt etwa genug von der Rolle? Und wie gehts dann weiter mit dem Dortmunder Tatort? Der mir als Kamenerin (aber jeden Mittwoch Klavierstunde am Dortmunder Konservatorium mit anschließender Shopping Tour, leider meistens ohne Shoppen) natürlich der liebste ist. Wie kommen der verrückte Faber und sein Ermittlerteam jetzt ohne die Kollegin klar? Jedenfalls: Chapeau für zehn tolle Jahre und alles Gute

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Mittendrin

Sonntag. Warmumsherz. Nämlich bei intensiv nachholendem Austausch, Torte von Café Lieb und Thüringer Spezialitäten – Nachfeier mit meinen Lieblingskolleginnen. Ich kanns mir noch gar nicht vorstellen, sagt K., wie das ist, wenn du weg bist. OMG! – ich auch nicht (… aber Eisenach ruft!). Heute Morgen: Komm ich die Treppe hoch, riecht es nach Schokolade und Hyazinthen. Und gleich auch noch nach Kaffee. Und auf dem Klavier, zwischen Blumensträußen, lauter schöne Sachen in glänzendem, knisterndem Papier (ich bin leicht zu beschenken, freue mich grundsätzlich und freue mich über die Gedanken der / des Anderen). PM schläft, ist erschöpft von jetzt

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