Corona, alter Papst, neue Landrätin, neue Küche

Mittwoch. Meine liebe L. hat Corona und leidet unter Fieber, Stimmverlust und Quarantäne. Habe ihr gestern ein umfangreiches Fresspaket geschickt. Mitleiden aus der Entfernung ist doof. Der emeritierte Pabst Benedikt XVI. hat gelogen. Die Lüge eines in Glaubens- und Sittenfragen Unfehlbaren? Witziges Oxymoron. Unter medialem Druck hat er die „Falschaussage“ – klingt besser als Lüge – zugegeben, allerdings doch auch nicht wirklich: Ihm sei ein „Versehen bei der redaktionellen Bearbeitung“ seiner Stellungnahme für die Gutachter „unterlaufen“. Und so geht es weiter und weiter – never ending Missbrauchs- und Vertuschungsskandale. Systemfehler: Nach katholischer Ideologie geht Lehre vor Moral. Kinder seien weniger

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Woke Wattebettchen

Sonntag. Bizarre Zwänge, mit denen sogenannte Woke sich selbst und die Gesellschaft belegen. So bereichernd ihre Anstöße in der Rassismusdebatte sind, so horizontverengend nehmen sich ihre Ausschließlichkeit beanspruchenden Einlassungen in anderen kulturpolitischen Fragen aus. Politische Bewusstwerdung heißt für mich, unabhängig zu sein: Unabhängig von jeglichen Autoritäten mit ihren Vorschriften und Regelwerken, unabhängig von gesellschaftlichen und ökonomischen Machtstrukturen. Und auf der anderen Seite emanzipiert, sprich stark/eigenständig/widerstandsfähig genug, um auf das, was einem an Abhängigkeit, Repression und Gewalt zwangsläufig begegnet, mit selbst-bewusster Frauenpower zu reagieren – ein lebenslanger Prozess. Letzteres scheint gerade irgendwie kein Thema mehr zu sein. Man/frau zeigt lieber mit

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Meinungsfreiheit

Samstag. Der Marine-Chef Kay Achim Schönbach muss gehen. Was hat er getan? Gesagt was er denkt, das hat er getan. In einer inoffiziellen Stellungnahme, die jedoch gehört wurde, und das waren Schönbachs Worte: „Was er [Putin] wirklich will, ist Respekt auf Augenhöhe. Und – mein Gott – jemandem Respekt entgegenzubringen, kostet fast nichts, kostet nichts. Also würde man mich fragen: Es ist leicht, ihm den Respekt zu geben, den er fordert – und den er vermutlich auch verdient.“ Und es sei „Nonsens“, dass sich Russland ukrainisches Territorium aneignen wolle, das hat Schönbach auch noch gesagt. Die Meinungsfreiheit ist ein Menschenrecht

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Danke für nichts!

Donnerstag. Das hat der Landesvorstand der Grünen ja toll hingekriegt: Das Parteiausschlussverfahren gegen Palmer so lange rausgezögert, bis es nun nicht mehr rechtzeitig vor der Bürgermeisterwahl im Sommer beendet werden kann. Als OB-Kandidat einer Partei könne er jedoch nicht beides sein: nominiert und ausgeschlossen, so Palmer. Und zieht die Konsequenzen. Unterstützung hatte er durch einen Aufruf von Initiatoren aus dem Tübinger Kreisverband erhalten: 500 Parteimitgliedern vor allem aus dem Südwesten hatten sich darin hinter Palmer gestellt. Unglaublich, aber von Palmer bestätigt: Der Landesvorstand hat auf die Aktion nicht einmal reagiert. Tübingen in Zukunft ohne Palmer? Danke Grüne! Danke für nichts!

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Warten

Dienstag. Gelber Wartebereich. Grüner Wartebereich. Den lieben langen Tag in der BG-Klinik verbracht. Zweite Meinung, dritte Meinung, noch eine Meinung. Scheiß Schulter. Wird nichts mehr.

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Geheimnis und Schlichtheit

Montag. Unter Wasser atmen von An Yu (dtv München, 2021) entwickelt sich von der ersten Seite an zu einem sehr speziellen Lesevergnügen. Wie viele Romane aus dem asiatischen Raum – die Autorin ist in Peking geboren – vermittelt auch Unter Wasser atmen dieses bestimmte Verhältnis zwischen Geheimnis und Schlichtheit. Vergleichbares gibt es in unserer westlichen Schreibkultur nicht. Ohne Frage handelt es sich um einen psychologischen Roman, einen Entwicklungsroman. Die Heldin Jia Jia findet ihren toten Mann, dessen Todesursache im Dunkel bleibt, in Embryohaltung in der Badewanne vor: Der orangefarbene Schal glitt Jia Jia von der Schulter und fiel ins Wasser.

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Vorwärts

Sonntag, Eisenach. Viel erledigt, viel entschieden in Sachen Hausumbau. Abends Treffen in einer Gartenhütte unterhalb der Wartburg. Neben den üblichen Verdächtigen ist da eine Filmexpertin, die ich bisher noch nicht kenne. Zwei Stichworte, und zack!, hat sie direkt Titel und Hauptakteure auf dem Plan. Neben der üblichen Vergangenheitsfolklore, die mit den üblichen Verdächtigen korreliert, kommt es zu einem intensiven Meinungsaustausch. Ich habe so meine Pläne, was Eisenach angeht, die scheinen auf Interesse zu stoßen (vorwärts immer, rückwärts nimmer!).

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Als das Wasser kam

Donnerstag. 14. Juli 2021: Um 16.20 Uhr ruft Cornelia Weigand, Bürgermeisterin von Altenahr, Landrat Jürgen Pföhler an und mahnt ihn dringend an, den Katastrophenfall auszurufen. Er brauche erst noch ein paar Daten, erwidert dieser. Was vorher geschah: Am Morgen desselben Tages kündigte, nach tagelangen heftigen Regenfällen, um 9.24 Uhr das rheinland-pfälzische Landesamt für Umwelt ein Anwachsen der Ahr auf den dreifachen Pegel an; 2,40 m prognostizierte es für die kommende Nacht. Um 12.24 Uhr erhöhte das Landesamt die Hochwasserwarnung auf 3,30 m, und der Deutsche Wetterdienst verschickte an 37 Kreise eine Unwetterwarnung wegen extrem ergiebigem Dauerregen gerade an Bächen und kleineren

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