Montag. Corona* (1952) Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde. Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn: die Zeit kehrt zurück in die Schale. * Im Spiegel ist Sonntag, im Traum wird geschlafen, der Mund redet wahr. * Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten: wir sehen uns an, wir sagen uns Dunkles, wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis, wir schlafen wie Wein in den Muscheln, wie das Meer im Blutstrahl des Mondes. * Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der Straße: es ist
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Grüne AKW’s
Sonntag. Die EU-Kommission stuft Investitionen in neue Gas- und Atomkraftwerke im Rahmen ihrer Taxonomie-Verordnung als nachhaltig ein. Damit stellt sie sich gegen die deutsche Regierung, die diese Kategorisierung von Atomenergie als nachhaltig ablehnt. „Kompromiss ist nicht der Abschied von den eigenen Idealen“, beschwört Habeck seine Grünen-Partei: „Kompromisse sind die Kunst von Politik.“ Die EU Taxonomie soll Bürger und Anleger dazu bringen, in klimafreundliche Technologie zu investieren, um die Klimaziele der EU zu erreichen. Aus der Doppelmoral wird nicht einmal ein Geheimnis gemacht. Das finde ich furchtbar!
WeiterlesenNeue Lebenswelt
Samstag, Eisenach. Blick von unserer Terrasse: Die wunderschöne Wartburg
WeiterlesenApparatschiks
Donnerstag. Meine Freundin S. hängt ihren Job an den Nagel. Aufhebung des Arbeitsvertrags; die vorgeschriebene Kündigungszeit kann sie nicht mehr einhalten. Innere Widerstände, zu einem unüberwindbaren Berg angehäuft, machen ihr einen Strich durch die Lebensplanung. Sie hat eine Alternative gefunden, da sind ihre Talente gefragt und sie kann sie frei entfalten. Dabei hat sie ihre Arbeit immer geliebt. Doch was sich in concreto im „Amt“ und grosso modo im Bildungssystem tut, ist eine Entwicklung zum Negativen, ohne dass sich eine Kehrtwendung abzeichnen würde. Die Corona-Krise befördert seit nunmehr zwei Jahren die schon vorhandenen Defizite noch klarer zu Tage: Pädagogische Erwägungen
WeiterlesenEinmal ist ein Mal
Dienstag. Die Zahl der Patient*innen, die aufgrund von Cannabis-Konsum eine Psychose bekommen, hat sich in den vergangenen zehn Jahren verachtfacht. An jedem Bahnhof, in jedem Stadtpark kann man Gras und Shit kaufen. Es gibt aber Leute, die drehen davon durch, die vertragen kein THC, ohne es zu wissen. Zwei solche Fälle kenne ich, lebende Zombies mit inzwischen von Medikamenten zerfressenen Gehirnen – bei dem einen hat es gleich nach dem ersten Mal geknallt. Er war einmal ein Lyriker. Genau diese Fälle sollten es sein, die den Ausschlag bei der Entscheidung in der Legalisierungsdebatte geben.
WeiterlesenUnabhängiger Palmer
Sonntag. Unser OB Boris Palmer stellt sich der Wahl zum Tübinger Oberbürgermeister in 3. Amtszeit. So werden es die Medien morgen melden. Als Parteiloser, ohne die Unterstützung der Grünen, denen er aus Überzeugung seit 25 Jahren angehört, dafür mit Unterstützung von über 800 Wahlberechtigten, die den Aufruf einer privat organisierten Wahlinitiative unterzeichnet haben. Im Vorfeld hatte Palmer auf eigene Kosten eine repräsentative Umfrage beim renommierten Forsa-Institut in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: 68% der befragten Tübingerinnen und Tübinger sind mit seiner Arbeit als Oberbürgermeister zufrieden. Die höchste Zufriedenheit bekunden die Wähler*innen der Grünen Partei mit 86%. Ist dieser Partei noch zu
WeiterlesenMarina Abramovic in Tübingen
Videoinstallationen – Spiel mit Stillstand und Bewegung
WeiterlesenSamstag Morgen
Samstag. M. hilft mir beim VG-Wort-Antrag. Sehr komplizierte Maske, danke, M.! Power to the people – das war einmal. Jetzt ist power to the maschines, und wer’s nicht blickt oder keinen Bock drauf hat, ist raus (es gibt dann eben keine Kohle, kein Meeting, keinen Folgevertrag …). Anstatt massenhaft auf die Straße zu gehen … Behörden zu stürmen … kaputt zu machen, was dich kaputt macht, machen wir bei der Abschaffung des Menschen alle brav mit (Die TH-Brigade von der Singularity University / Google reibt sich schon scheppernd die upgegradeten Exoskelett-Hände.) Das Konzept ´Maschine ersetzt Leben` in seiner blödesten Ausformung
WeiterlesenDer Tod ist ein Meister aus Deutschland
Todesfuge (1948) Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts wir trinken und trinken wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz Schwarze Milch der
WeiterlesenHolocaust Gedenktag
Donnerstag. Inge Auerbacher hat heute vor dem Bundestag gesprochen. Gestern Abend war sie bei Markus Lanz. Sie ist frei von Allüren, beeindruckt durch ihre Ungezwungenheit. Sehr bewegend. Vieles von dem, was sie mir vor bald einem Jahr in unseren langen Zoom-Gesprächen erzählt hat, habe ich wiedererkannt. Abgesehen davon, dass ich mich freue, sie für mein neues Buchprojekt gewonnen zu haben, hoffe ich so sehr, dass ihre Worte dort aufgehen, wo der Antisemitismus wieder Wurzeln schlägt: „Menschenhass ist etwas Schreckliches. Wir sind alle als Brüder und Schwestern geboren. Mein innigster Wunsch ist die Versöhnung aller Menschen. […] Zusammen wollen wir beten
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