Freitag. Russisches Militär zündelt an ukrainischem Atomkraftwerk. Auch Tschernobyl hat es schon eingenommen. Warum?, da lässt sich einiges ausmalen. Schlimmste Erinnerungen an 1986 werden wach. Ist das der Kriegsgang eines Präsidenten, der nichts mehr zu verlieren hat? Zu gewinnen sowieso nichts. Leider kann ich an den Erfolg von endlosen Sanktionen und internationaler Isolation ebenso wenig glauben wie an militärische Eskalation. Die Opfer sind schon zu zahlreich, für Verhandlungen scheint es zu spät. Momentan fehlt mir die Fantasie für ein irgendwie gutes Ende.
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Donnerstag. Interview mit dem berühmten Wissenschaftsastronauten Ulf Merbold. Wunderbares Gespräch, auch abseits der Physik und Raumfahrt. Da er sich aus privaten Gründen sowieso in Tübingen aufhielt, fand das Treffen bei mir zuhause statt. In kürzester Zeit und ohne Navi fand er den Weg durch das Großbaustellenlabyrinth, das für die nächsten zwei Jahre ein Durchkommen durch unsere Stadt dramatisch verkompliziert. Aber wer in 90 Minuten um die Erde geflogen ist, lässt sich vom Tübinger Verkehrschaos nicht schrecken… Schlüsselbegriffe / Kernpunkt konnte ich schon während des Interviews ausmachen. Jetzt steht die spannende Arbeit am Text an. Danke, Danke, Danke, U.M.!
WeiterlesenKriegsbeteiligung
Mittwoch. Ich habe das Gefühl, all die vormaligen Impf- und Virologieexpert*innen haben sich über Nacht zu Waffen- und Kriegsexpert*innen gewendet. Themawechsel, sozusagen. Aus ihren bequemen Sesseln geben sie Tipps für die Verteidigungslinie und jubeln den verzweifelten jungen Männern und Frauen zu, die vor laufender Kamera Molotowcocktails bauen, Tarnnetze knüpfen und Messer und Äxte vorzeigen, mit denen sie den russischen Soldaten die Hölle heiß zu machen gedenken. Lieber tot als rot, hat mein Opa gepredigt, ich fand das schon damals fragwürdig. Vielleicht leben diese jungen Held*innen nächste Woche nicht mehr, der Gedanke ist doch absolut unerträglich. Und erinnert fatal an die
WeiterlesenBeleidigteLeberwurstDemokratie
Es gibt wohl niemanden, der Putins Angriff auf die Ukraine rechtfertigt, niemanden, der nicht mit Bangen und Solidarität bei den Ukrainer*innen ist. Das ist so selbstverständlich, dass ich es nicht jedes Mal hören bzw. lesen muss. Es geht um die Art der Berichterstattung. Es geht, wie so oft bei wertebasierten Einschätzungen, um die Auswirkungen einer BeleidigteLeberwurstDemokratie als journalistische Grundhaltung: Wer falsch denkt, wird weggeschnitten. Russland, Aufrüstung … (um nur die aktuellsten Themen zu nennen) – Differenzierung unerwünscht, es existiert genau eine Meinung bei Tausenden von Journalist*innen. Augen zu, Finger in die Ohren – sie alle wissen, was sie zu sagen
WeiterlesenAuferstehung
Dienstag, Werne. Mama hat es sich anders überlegt. Nach fünf Tagen ohne Nahrung und Trinken ist sie wieder auferstanden. Zwei Gläser Apfelsaftschorle und eine Tasse Haferflockensuppe machen den Anfang. Achterbahn der Gefühle, vierte Runde … Ich fahre wieder nach Hause. Wie oft kann man zusammenkommen, um sich zu verabschieden, die wichtigen letzten Worte sagen und sich freuen, dass es wieder aufwärts geht? Manche Momente fast komisch.
WeiterlesenErregt, empört, eskalierend
Montag, Werne. Man wacht morgens auf und hat Angst vor Krieg. Der eine droht mit dem Atomschlag, der andere pumpt 100 Milliarden Euro in die Aufrüstung (wo kommen die her? Wo fehlen die uns dann?) und noch andere liefern Waffen ins Nicht-NATO-Land Ukraine. Die G7-Außenminister*innen verkünden jetzt schon, jede Art von Statusänderung nicht anzuerkennen. Das heißt das Aus für Verhandlungen, ehe sie überhaupt angefangen haben. Alle verhalten sich rollenkonform – erregt, empört, eskalierend. Ist es in dieser brisanten Lage so klug, Putin dermaßen in die Ecke zu drängen, wie das gerade geschieht? Wieso fällt keiner/keinem einzigen Bundestagsabgeordneten eine pazifistische, zeitgemäße,
WeiterlesenMama II
Sonntag, Werne. Zweiter Tag. Mama das Stehaufmännchen. Spricht manchmal. Trinkt. Sagt ein Gedicht auf. Erkennt mich. Spricht von meiner frühkindlichen Anorexie, zum ersten Mal im Leben. Ich sage PM, dass ich dableibe. Zimmer bei Hotel Baumhove verlängert. Mama singt Pack die Badehose ein.
WeiterlesenDer Brandstifter und die Biedermänner
Steingart Morning Briefing vom 25.02.22 (leider ohne die beeindruckenden Grafiken zur Osterweiterung der NATO): Der Putin der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hieß Nikita Chruschtschow. Der Kreml-Herrscher ließ SED-Chef Walter Ulbricht gewähren, als dieser seine Kampftruppen, ausgestattet mit Stacheldraht und Tretminen, zum Mauerbau losschickte. Sozialismus statt Freiheit, war das Motto. Die Ukraine von damals hieß DDR. Der Westen war in Empörung vereint. Die Scharfmacher aller Parteien hatten ihren großen Auftritt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt aber blieb cool. Er entschied sich in dieser dramatischen Situation der Weltgeschichte anders als der Westen heute. Er deeskalierte. „Hellwach und zugleich betäubt“, so erinnerte er sich, sei er am
WeiterlesenMama
Freitag. Meine Mutter liegt im Sterben. Meine Schwester fährt heute zu ihr. Ich komme morgen. So schwer so schwer so schwer gelebt –
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