Sonntag. Da erzähle ich meinem Nachbarn von den beiden leerstehenden Zimmern, die vor der Pandemie immer an Student*innen vermietet waren, dass ich überlege, sie ukrainischen Geflüchteten zur Verfügung zu stellen. Und er sagt, da sei ich bei ihm goldrichtig. Er sei es nämlich, der für die Verteilung von Geflüchteten auf den freien Wohnraum zuständig ist (was ich nicht wusste). Allerdings seien im Kreis Tübingen bisher noch nicht so viele angekommen, wie vermutet. Er wird Ausschau halten … Schon am nächsten Tag hat sich die Lage geändert. Mein lieber T. ist für ein paar Tage eingezogen. Er befürchtet, sich bei einem
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U-Turn
Freitag. Frühlingssonne, 25 Grad, Shirts & Sandalen und Schlangen vor den Eisdielen. Trotzdem ist es anders als in anderen Jahren, die Leichtigkeit ist den Menschen abhanden gekommen. Ellenbogen statt Charme, muffige Gesichter und fiese Kommentare statt eines Lächelns. Wenigstens einen persönlichen Tagessieg will man herausschlagen, wenn sonst schon alles den Bach runtergeht – und sei es bloß, der Erste am Bäckereingang zu sein oder an der Ampel den schnellsten Start hinzulegen. Von Zeitenwende wird gerade viel geredet. Stimmt. Allerdings wird die Zeit um 70 Jahre zurückgedreht. Wieder stehen sich Ost und West als Feinde gegenüber, alle rüsten auf. Muss irgendwie
WeiterlesenKeine freie Stimme
Donnerstag. Doschd, der letzte freie Sender Russlands, hat seine Arbeit eingestellt. Die Mitarbeiter*innen, allen voran Sendergründerin Natascha Sindeewa, haben sich voneinander und von ihrem Publikum verabschiedet, es wird vermutet, dass sie Russland verlassen müssen. In der letzten Sendung hat sich der Senderchef über das Verbot, den Ukrainekrieg als Krieg zu bezeichnen, hinweggesetzt: Das nennt man Krieg!, hatte er kommentiert. Ein weiterer Sieg der sich verschärfenden russischen Diktatur: Jetzt gibt es keine freie Stimme mehr. Auch Twitter und YouTube werden in Russland zensiert und sollen, wenn die Gerüchteküche stimmt, demnächst ganz blockiert werden.
WeiterlesenWo sind die Milliarden?
Mittwoch. Seit 2014, genauer, seit der Maidan-Revolution, hat die USA die Entwicklungshilfe für die Ukraine von bisher 200 Millionen Dollar jährlich auf 320 Millionen US-Dollar pro Jahr aufgestockt. Dazu kam und kommt seit 2014 militärische Unterstützung in ungefähr der gleichen Höhe unter allen drei Präsidenten Obama, Trump und Biden. Neben Geld und Waffenleistungen bilden seit den 1990er Jahren US-Militärtrainer und andere westliche Nationen auch noch ukrainische Soldaten an den gelieferten Waffen aus. Die EU gewährt der Ukraine seit 2014 Zuschüsse und Kredite im zweistelligen Milliardenbereich (Infrastruktur wie Straßen und Energieeffizienz, Gesundheitsversorgung und andere soziale Zwecke). Zahlreiche von der EU finanzierte
WeiterlesenFrohe Ostern
Ostersonntag. Vor einer Woche hat unser OB Boris Palmer öffentlich einen Ginko-Setzling gepflanzt. Das Besondere an diesem Bäumchen ist, dass sein Samen von einem Baum stammt, der den Atombombenabwurf auf Hiroshima überlebt hat. Der widerstandsfähige Ginko Biloba war der einzige Baum, der kurz nach der atomaren Katastrophe in Hiroshima wieder austrieb. Für Japaner ist er deshalb zum Symbolbaum für die Überlebenshoffnung nach Katastrophen geworden. Auch bei uns steht die charakteristische Zweiteilung des Blattes für Versöhnung der Gegensätze, für Frieden und Ausgleich. Berühmt geworden ist der Baum, der 1000 Jahre alt werden kann, durch Goethes Gedicht Ginko Biloba (1815): Dieses Baums
Weiterlesen9 Monate danach
Weite Teile der Infrastruktur im Kreis Ahrweiler – hier Bad Neuenahr – funktionieren auch neun Monate nach der Jahrhundertflut noch nicht. Landschaft, Brücken und Gebäude sind radikal zerstört, die Menschen traumatisiert.
WeiterlesenKriegslüstern
Donnerstag. Anton Hofreiter tritt in die Fußstapfen des satiretauglichen ukrainischen Botschafters Melnyk. Während Melnyk das Maß bei seinem Deutsche-Politiker*innen-Bashing verloren hat und nur noch pöbelt, fordert der Grüne Hofreiter gestern: „Wir müssen jetzt endlich anfangen, der Ukraine das zu liefern, was sie braucht, und das sind auch schwere Waffen.“ Seine Ansagte erfolgt unmittelbar, nachdem die Ukraine Bundespräsident Steinmeier ausgeladen und ihn zur „unerwünschten Person“ erklärt hat. Dagegen beweist Bundeskanzler Scholz durch sein einfach mal nichts Sagen das Rückgrat, den immer maßloseren Forderungen des Selenski-Circles zu widerstehen. Konkret: Der Gier nach Krieg zu widerstehen. Kein Wunder, dass eine österliche Stimmung gerade
WeiterlesenBitte gendern
Übrigens gab es sehr genaue Frühwarnungen von mehreren Wetterdiensten. Diese Frühwarnungen wurden aber nicht ernstgenommen, auch von Umweltministerin Spiegel nicht. Am Nachmittag des 14. Juli 2021, vier Stunden vor der Flutkatastrophe, gab sie eine Pressemitteilung zur Veröffentlichung frei: Das Hochwasser werde nicht so dramatisch ausfallen, es sei „kein Extremhochwasser“ zu erwarten. Spiegel hat die Mitteilung selbst korrigiert und auf einer Textänderung bestanden: „Bitte noch gendern: Campingplatzbetreiber:innen. Ansonsten Freigabe.“ (Die Mitteilung enthielt Ratschläge für Betreiber von Campingplätzen u.a. ufernahe Betriebe.) Kurz darauf wurde Staatssekretär Dr. Erwin Manz vom Umweltamt informiert, dass diese Mitteilung eine eklatante Fehleinschätzung weitergegeben habe. Es drohe eben
WeiterlesenAbgeben
Dienstag. Was für ein Laberrhabarber wegen der zurückgetretenen bzw. zurückbugsierten Anne Spiegel da jetzt in den Medien losgeht! So von wegen die Schuldigen wären keine Einzelpersonen, sondern ganze Teams, und überhaupt sei Teilen und Delegieren von Aufgaben der zeitgemäßere Führungsstil undsoweiterundsofort. Leider war A. Spiegel nicht die einzige Einzelperson, die bei der Flut versagt hat. Es gab noch viele andere Einzelpersonen, allen voran der untergetauchte Landrat Pföhler, der mittlerweile GSD durch die sehr fähige neue Landrätin Cornelia Weigand ersetzt wurde. Das ist ja nun alles hinlänglich bekannt. Wer ein politisches Amt dieser Kategorie übernimmt, der trägt die Verantwortung. So wie
WeiterlesenAmtspflicht
Montag. Zwei Politikerinnen führen familiäre Pflichten an, um ihre mehrwöchige Abwesenheit während und nach der Jahrhundertflut vom 14./15. Juli 2021 zu begründen: Ministerin Ursula Heinen-Esser am 25.03.22: „Meiner minderjährigen Tochter hatte ich nach zwei Jahren Pandemie den Urlaub versprochen.“ Ministerin Anne Spiegel gestern in einer Pressekonferenz: „Die Coronapandemie war für uns mit vier kleinen Kindern eine wahnsinnige Herausforderung. […] Das hat uns als Familie über die Grenze gebracht.“ (Gemeint ist wohl: an unsere Grenzen gebracht.) Aus feministischer Perspektive empfinde ich es als sehr unglücklich, wenn gleich zwei Amtsträgerinnen – die inzwischen zurückgetretene NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) und die damalige rheinlandpfälzische
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