Da kapieren wir im ersten Moment nicht: Geht die Sonne im Meer unter oder der Mond auf? Dicht überm Horizont hängt dieser viel zu riesige, viel zu orangene Ballon, während aufgeregte Menschen den Strand säumen, um das Himmelsdrama zu beobachten und mit ihren Smartphones zu bannen. Also eindeutig Mond: Er steigt. Von Minute zu Minute wandert er ein winziges Stück höher und wird dabei leider auch kleiner und sein Licht heller, und nach einer Stunde, wir sitzen inzwischen in einer Bar am Straßenrand, sieht er schon beinahe aus wie immer. Jetzt ist er wieder normal, sagt Anne. Wir stellen allerlei
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Gutes Signal
Mittwoch, Diano Marina. Die Pläne der EU-Kommission, Atomenergie und Gas als „nachhaltig“ einzustufen, sind im Europaparlament auf Widerstand gestoßen. Die federführenden Ausschüsse für Umwelt und Wirtschaft stimmten am Dienstag in Brüssel gegen die Aufnahme beider Energieformen in die sogenannte grüne Taxonomie. Von der Leyens Behörde hatte Anfang Februar vorgeschlagen, neben Wind oder Sonne künftig auch Atomenergie und das fossile Erdgas in eine Liste nachhaltiger Energiequellen aufzunehmen. In der Berliner Ampel-Koalition treten vor allem die Grünen gegen das Nachhaltigkeitssiegel für die Atomkraft ein (wäre auch ein Witz, wenn nicht). Die Einstufung von Gas als Übergangsenergie (in Zukunft vom guten Araber statt
WeiterlesenThemawechsel
Dienstag, Diano Marina. Durch die Wolkendecke schimmert er bruchstückhaft, zeigt sich scheibchenweise wie eine rätselhafte Diva, ehe nach einer Ewigkeit sein volles Rund vom Himmel leuchtet. Breitet dahinten auf dem Meer seinen Goldteppich aus wie eine Einladung, mit dem Champagnerglas in der Hand dem Horizont entgegenzuschreiten. Der Nachtwind tut ein Übriges, der salzige Geschmack auf den Lippen, das ferne Lachen von Kindern auf Trampolins, das rhythmische Aufschlagen der Wellen. Auf dem Tisch: Brot, Käse, Schinken, Sekt, Tomaten, frisches Pesto, Limoncello natürlich und ligurische Teilchen. Wir sitzen zu viert auf unserer Terrasse – Anne, Jacek, PM und ich –, lecken uns
WeiterlesenOleander, Bougainvillen …
Sonntag, Diano Marina. Nach dem Marsch von Diano Marina nach Cervo und dem Aufstieg über hunderte von Treppenstufen fühlen wir uns üppig belohnt: Die Chiesa di San Giobanni Battista, umrahmt von violettfarbenen Bougainvillen auf der einen und dem bleigrauen Meer auf der anderen Seite. An den Biergläsern perlt das Wasser herab, im blassen Abendlicht streicht uns der Sommerwind über die Arme, mischt sich ins Grün der Bäume und in die fuchsiaroten Oleanderblüten am Straßenrand.
WeiterlesenGlück ist …
… zu wissen, was dich am Abend erwartet und dass es dasselbe ist wie am Abend davor. Der penatenblaue Himmel, die sattgrünen Blätter des Gummibaums, das Rauschen der Wellen, das Weiß der ausgebreiteten Möwenflügel … unverändert, wie vor vier fünf, sieben Jahren in einer veränderten Welt. Amrita von Banana Yoshimoto auf dem Liegestuhl – und wenn ich runterschaue, sitzt da PM mit seinem Buch und später, wenn ich wieder runterschaue, sitzt er immer noch da (Freitag, Diano Marina)
WeiterlesenAmokroutine
Donnerstag. Er sei „tief betroffen“, sagt Bundeskanzler Scholz: Von der „grausamen Amoktat“ in Berlin. X-mal gehörte Satzbausteine. Wir haben ja mittlerweile Routine in Sachen Amokfahrt / -lauf: Diesmal also eine Reisegruppe. Eine Lehrerin wurde getötet, 29 Personen, hauptsächlich ihre SchülerInnen sowie ihr Kollege, wurden schwer verletzt. Die aktuelle Gruppe befand sich auf Klassenfahrt in die Bundeshauptstadt, wie es Hunderte von Schulklassen gerade machen, seit das Reisen wieder erlaubt ist. Scholz auf Twitter: „Wir denken an die Angehörigen der Toten und an die Verletzten, darunter viele Kinder. Ihnen allen wünsche ich eine schnelle Genesung.“ Schnelle Genesung? Diese SchülerInnen – wie sämtliche
WeiterlesenBlickwinkel
[…] Die Ereignisse und Entwicklungen der letzten 100 Tage, die quälenden und widersprüchlichen, teilweise schier inflationären Medienberichte, Talkshows und propagandistischen Elaborate der Kriegsparteien und deren Gefolgschaften tragen bedauerlicherweise dazu bei, dass eigene Befindlichkeiten und Stimmungen eine wirkliche und bleibende Orientierung nur schwer zulassen. Es wirkt streckenweise wie eine Zerreißprobe, die alles, was sich in den letzten 30 Jahren zu entwickeln schien, nicht nur infrage stellt, sondern komplett auf den Kopf stellt. Die hin und her wogenden Diskussionen, wer an der Apokalypse des Krieges welche Schuldanteile trägt, wird für mich streckenweise unerträglich und absurd. In dem Wirrwarr aus Fakten und Pseudo-Fakten
WeiterlesenHurra, wir haben ein Feindbild
Dienstag. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, hat gesprochen: „Was wir brauchen – das mag martialisch klingen – Sie brauchen, um aus Sicht der Bundeswehr zu agieren, ein Feindbild“, verkündete die FDP-Politikerin heute dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die auf Verhandlung ausgerichtete Ostpolitik der letzten Jahre münzt sie mal eben in „Appeasement-Politik“ um, weshalb Russland nicht mehr als Feind empfunden worden sei (so wie in guten alten Zeiten). Es mag martialisch klingen? In was für einer beschissenen Zeit leben wir gerade? Und was für beschissene Leute haben gerade das Sagen? Die Tabus fallen im Stundenrhythmus, rasant erhebt sich mit der
WeiterlesenRevolverhelden
Montag. Für Fälle wie den jüngsten Amoklauf in Texas, bei dem 19 Schüler*innen und eine Lehrerin von einem 18-jährigen erschossen wurden, hat Trump die Lösung: Bewaffnet die Lehrer! Weil Lehrer sind ja die Guten nach Revolverhelden-Logik. Wenn ich mir vorstelle, ich stehe mit Knarre vor meiner Klasse – funny … creepy … oder ganz einfach gruselig.
WeiterlesenBaerbock beklagt „Kriegsmüdigkeit“
Sonntag. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat vor einer „Kriegsmüdigkeit“ in den westlichen Staaten gewarnt. „Wir haben einen Moment der Fatigue erreicht“, sagte Baerbock in Kristiansand nach einem Außenministertreffen des Ostseerates. Dennoch müssten die Sanktionen gegen Russland und die Hilfen für die Ukraine aufrechterhalten bleiben. Die wachsende Skepsis in der Bevölkerung hänge auch daran, dass der russische Angriffskrieg zu höheren Preisen bei Energie und Nahrungsmitteln führe. Dies sei aber genau die Taktik von Russlands Präsident Wladimir Putin. Daher sei es so wichtig, an der Unterstützung der Ukraine festzuhalten … Oh mein Gott! Verstehe noch einer die Argumentation der ehem. Friedenspartei „Die Grünen“
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