9 Monate danach

Weite Teile der Infrastruktur im Kreis Ahrweiler – hier Bad Neuenahr – funktionieren auch neun Monate nach der Jahrhundertflut noch nicht. Landschaft, Brücken und Gebäude sind radikal zerstört, die Menschen traumatisiert.

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Kriegslüstern

Donnerstag. Anton Hofreiter tritt in die Fußstapfen des satiretauglichen ukrainischen Botschafters Melnyk. Während Melnyk das Maß bei seinem Deutsche-Politiker*innen-Bashing verloren hat und nur noch pöbelt, fordert der Grüne Hofreiter gestern: „Wir müssen jetzt endlich anfangen, der Ukraine das zu liefern, was sie braucht, und das sind auch schwere Waffen.“ Seine Ansagte erfolgt unmittelbar, nachdem die Ukraine Bundespräsident Steinmeier ausgeladen und ihn zur „unerwünschten Person“ erklärt hat. Dagegen beweist Bundeskanzler Scholz durch sein einfach mal nichts Sagen das Rückgrat, den immer maßloseren Forderungen des Selenski-Circles zu widerstehen. Konkret: Der Gier nach Krieg zu widerstehen. Kein Wunder, dass eine österliche Stimmung gerade

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Bitte gendern

Übrigens gab es sehr genaue Frühwarnungen von mehreren Wetterdiensten. Diese Frühwarnungen wurden aber nicht ernstgenommen, auch von Umweltministerin Spiegel nicht. Am Nachmittag des 14. Juli 2021, vier Stunden vor der Flutkatastrophe, gab sie eine Pressemitteilung zur Veröffentlichung frei: Das Hochwasser werde nicht so dramatisch ausfallen, es sei „kein Extremhochwasser“ zu erwarten. Spiegel hat die Mitteilung selbst korrigiert und auf einer Textänderung bestanden: „Bitte noch gendern: Campingplatzbetreiber:innen. Ansonsten Freigabe.“ (Die Mitteilung enthielt Ratschläge für Betreiber von Campingplätzen u.a. ufernahe Betriebe.) Kurz darauf wurde Staatssekretär Dr. Erwin Manz vom Umweltamt informiert, dass diese Mitteilung eine eklatante Fehleinschätzung weitergegeben habe. Es drohe eben

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Abgeben

Dienstag. Was für ein Laberrhabarber wegen der zurückgetretenen bzw. zurückbugsierten Anne Spiegel da jetzt in den Medien losgeht! So von wegen die Schuldigen wären keine Einzelpersonen, sondern ganze Teams, und überhaupt sei Teilen und Delegieren von Aufgaben der zeitgemäßere Führungsstil undsoweiterundsofort. Leider war A. Spiegel nicht die einzige Einzelperson, die bei der Flut versagt hat. Es gab noch viele andere Einzelpersonen, allen voran der untergetauchte Landrat Pföhler, der mittlerweile GSD durch die sehr fähige neue Landrätin Cornelia Weigand ersetzt wurde. Das ist ja nun alles hinlänglich bekannt. Wer ein politisches Amt dieser Kategorie übernimmt, der trägt die Verantwortung. So wie

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Amtspflicht

Montag. Zwei Politikerinnen führen familiäre Pflichten an, um ihre mehrwöchige Abwesenheit während und nach der Jahrhundertflut vom 14./15. Juli 2021 zu begründen: Ministerin Ursula Heinen-Esser am 25.03.22: „Meiner minderjährigen Tochter hatte ich nach zwei Jahren Pandemie den Urlaub versprochen.“ Ministerin Anne Spiegel gestern in einer Pressekonferenz: „Die Coronapandemie war für uns mit vier kleinen Kindern eine wahnsinnige Herausforderung. […] Das hat uns als Familie über die Grenze gebracht.“ (Gemeint ist wohl: an unsere Grenzen gebracht.) Aus feministischer Perspektive empfinde ich es als sehr unglücklich, wenn gleich zwei Amtsträgerinnen – die inzwischen zurückgetretene NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) und die damalige rheinlandpfälzische

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Guten Morgen

Sonntag. PM schläft. Erschöpft von Arbeit und Verantwortung, kommt er hier an den Wochenenden zur Ruhe. Die strenge Wochenstruktur, an die ich mich inzwischen gewöhnt habe, tut mir auch gut. Gestern Abend Geburtstagsparty bei K. und H. mit Band im Wohnzimmer und Tanzen und Essen und freundlichen Menschen, die an PMs Schicksal teilnehmen und Zeit finden Fragen zu stellen. Fragen sind auf ganz unironische und unmittelbare Weise sexy. Uwe Bohm ist gestorben, der Darsteller mit den dunklen Augen im hellen Gesicht, die von abgründigen Verletzungen sprechen und nie von Fröhlichkeit, selbst wenn er lacht. 2009 habe ich ihn im Berliner

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Gewinnen

Donnerstag. Mit den Bildern von den Gräueltaten von Butscha sind die 27 Millionen durch die deutsche Wehrmacht getöteten Russen endgültig aus dem historischen Gedächtnis / Gewissen gelöscht. Ist ja auch schon verdammt lange her. Schluss mit der Zurückhaltung in der deutsch-russischen Beziehung, sie wird ab sofort als antiquiert gewertet. Entsprechende Uminterpretation erfährt das Konzept Wandel durch Annäherung, das von führenden Politikern plötzlich als fehlgeleitete Idee abgetan wird. Die völlig sinnlosen, brutalen Morde in Butscha beantwortet unsere Regierung mit noch mehr innenpolitischem Beschuss. Die meisten Deutschen befürworten das und haben ein gutes Gefühl dabei. Die neue Sehnsucht nach Aufrüstung ist auf

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Kehrseite

Montag. Der Krieg wird immer dreckiger. Grausame Bilder aus Butscha – einem Vorort von Kiew – gehen seit gestern um die Welt. Inzwischen sind 300.000 ukrainische Flüchtlinge in Deutschland angekommen. Auch im „Amt“ haben wir ab dieser Woche mehrere Kinder aus der Ukraine. Die Armen haben furchtbare Wochen hinter sich, kein Zuhause mehr, Ungewissheit über ihre im Krieg kämpfenden Väter und müssen noch dazu eine fremde Sprache lernen. Von ihren alten Schulen werden sie weiterhin im Fernunterricht beschult, wie lange noch, weiß niemand. Sie können sich sicher sein, dass hier alles für sie getan wird, damit sie und ihre Familien

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Zeitenwende interpretiert

Samstag. Mit seiner Zeitenwende-Rede hat Bundeskanzler Scholz dem alten Wort neue Bedeutung eingetrichtert: Zeitenwende heißt in seinem Kontext Aufrüstung. Pazifistische Modelle gelten als überholt in Zeiten, in denen unser Wirtschaftsminister einen tiefen Diener beim Emir von Katar hinlegt, dass man ihm an liebsten tröstend über den Kopf streicheln möchte ob dieses „realpolitisch notwendigen Schrittes“, und in denen unsere grüne Außenministerin die Lieferung von Kampfflugzeugen an eine Kriegspartei fordert. Selbige Außenministerin teilt am 18. März der staunenden deutschen Öffentlichkeit mit: Bei Fragen von Krieg und Frieden, bei Fragen von Recht und Unrecht kann kein Land, auch nicht Deutschland, neutral sein. Echt

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