Amokroutine

Donnerstag. Er sei „tief betroffen“, sagt Bundeskanzler Scholz: Von der „grausamen Amoktat“ in Berlin. X-mal gehörte Satzbausteine. Wir haben ja mittlerweile Routine in Sachen Amokfahrt / -lauf: Diesmal also eine Reisegruppe. Eine Lehrerin wurde getötet, 29 Personen, hauptsächlich ihre SchülerInnen sowie ihr Kollege, wurden schwer verletzt. Die aktuelle Gruppe befand sich auf Klassenfahrt in die Bundeshauptstadt, wie es Hunderte von Schulklassen gerade machen, seit das Reisen wieder erlaubt ist. Scholz auf Twitter: „Wir denken an die Angehörigen der Toten und an die Verletzten, darunter viele Kinder. Ihnen allen wünsche ich eine schnelle Genesung.“ Schnelle Genesung? Diese SchülerInnen – wie sämtliche

Weiterlesen

Blickwinkel

[…] Die Ereignisse und Entwicklungen der letzten 100 Tage, die quälenden und widersprüchlichen, teilweise schier inflationären Medienberichte, Talkshows und propagandistischen Elaborate der Kriegsparteien und deren Gefolgschaften tragen bedauerlicherweise dazu bei, dass eigene Befindlichkeiten und Stimmungen eine wirkliche und bleibende Orientierung nur schwer zulassen. Es wirkt streckenweise wie eine Zerreißprobe, die alles, was sich in den letzten 30 Jahren zu entwickeln schien, nicht nur infrage stellt, sondern komplett auf den Kopf stellt. Die hin und her wogenden Diskussionen, wer an der Apokalypse des Krieges welche Schuldanteile trägt, wird für mich streckenweise unerträglich und absurd. In dem Wirrwarr aus Fakten und Pseudo-Fakten

Weiterlesen

Hurra, wir haben ein Feindbild

Dienstag. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, hat gesprochen: „Was wir brauchen – das mag martialisch klingen – Sie brauchen, um aus Sicht der Bundeswehr zu agieren, ein Feindbild“, verkündete die FDP-Politikerin heute dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die auf Verhandlung ausgerichtete Ostpolitik der letzten Jahre münzt sie mal eben in „Appeasement-Politik“ um, weshalb Russland nicht mehr als Feind empfunden worden sei (so wie in guten alten Zeiten). Es mag martialisch klingen? In was für einer beschissenen Zeit leben wir gerade? Und was für beschissene Leute haben gerade das Sagen? Die Tabus fallen im Stundenrhythmus, rasant erhebt sich mit der

Weiterlesen

Revolverhelden

Montag. Für Fälle wie den jüngsten Amoklauf in Texas, bei dem 19 Schüler*innen und eine Lehrerin von einem 18-jährigen erschossen wurden, hat Trump die Lösung: Bewaffnet die Lehrer! Weil Lehrer sind ja die Guten nach Revolverhelden-Logik. Wenn ich mir vorstelle, ich stehe mit Knarre vor meiner Klasse – funny …  creepy … oder ganz einfach gruselig.

Weiterlesen

Baerbock beklagt „Kriegsmüdigkeit“

Sonntag. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat vor einer „Kriegsmüdigkeit“ in den westlichen Staaten gewarnt. „Wir haben einen Moment der Fatigue erreicht“, sagte Baerbock in Kristiansand nach einem Außenministertreffen des Ostseerates. Dennoch müssten die Sanktionen gegen Russland und die Hilfen für die Ukraine aufrechterhalten bleiben. Die wachsende Skepsis in der Bevölkerung hänge auch daran, dass der russische Angriffskrieg zu höheren Preisen bei Energie und Nahrungsmitteln führe. Dies sei aber genau die Taktik von Russlands Präsident Wladimir Putin. Daher sei es so wichtig, an der Unterstützung der Ukraine festzuhalten … Oh mein Gott! Verstehe noch einer die Argumentation der  ehem. Friedenspartei „Die Grünen“

Weiterlesen

Leeres Enzephalon

Donnerstag. Direkt der erste Satz von grandioser Fehlerhaftigkeit. Die wenigsten von denen, die demnächst die Reifebescheinigung in der Tasche haben, schaffen auch nur einen einzigen fehlerfreien Satz. Orthographie, Syntax, Wortschatz, da geht gar nichts. Es sind die Digital Natives, die in der Sache dauerhaft benachteiligt sind, Sprache lässt sich nur schwer nachsozialisieren, das Leben ist eben kein Ponyhof. Vielleicht aber doch. Vielleicht mache ich mir was vor. Wie wichtig sind die Primärkompetenzen Sprechen und Schreiben noch?, darüber gehen die Meinungen auch im Kollegium auseinander. Ersetzt digitales Knowhow nicht längst die Abrufbarkeit von Wissen?, fragt Herr Klaaßen verwundert. Was heißt einbalsamieren?

Weiterlesen

Grüne Neun

Montag. Ich sage, mach die Balkontür zu, die Pollen fliegen rein, und PM sagt: Ach du grüne Neue! Ich sage, bin k.o., hab bis vier Uhr morgens gearbeitet, und PM sagt: Ach du grüne Neue. Ich sage, Melania Trump kann sich vorstellen, wieder ins Weiße Haus einzuziehen, und PM sagt: Ach du grüne Neune, und dann ist alles irgendwie nicht mehr so schlimm …  

Weiterlesen

Selenskij will mehr und Sascha will das auch

Montag. Während deutsche Politiker*innen sich in der Ukraine die Klinke in die Hand geben, um ihren Diener / Knicks vor Selenskij zu machen – und  während ein in die Enge getriebener Kanzler per Fernsehansprache seine Strategie erklärt (Schaden vom Volk abwenden, keine deutschen Alleingänge, die deutsche Verteidigungsfähigkeit verbessern, die NATO darf nicht Kriegspartei werden) -, verlangt es den König von Kiew nach viel mehr: Reue, Buße und Lossagung will er aus den Mündern der deutschen Politiker*innen-Riege hören: Hundertfaches Sühne-Bekenntnis, hundertfache Bitte um Vergebung für 50 Jahre erfolgreiche Entspannungspolitik. Als da wären: Internationale Rüstungskontrolle, Stärkung der Menschenrechte, deutsch-deutsche Wiedervereinigung. Und das

Weiterlesen

Muttertag at it’s best

Sonntag. Meinen Kindern habe ich beigebracht, dass Muttertag eine US-Erfindung ist, die 1933 von den Nationalsozialisten aufgegriffen wurde, um die Ehrung der Mutter mit dem Wahn der „Herrenrasse“ zu verknüpfen. Und dass im Nazi-Reich der Muttertag als gesetzlicher Feiertag etabliert wurde. Da hab ich mir wohl ein Eigentor geschossen – sie gratulieren mir einfach nicht. Könnte sein, dass ich etwas übereifrig war … Zerknirscht. Und dann das hier:  Danke, PM!

Weiterlesen

Nachmittagssonne

Freitag. Von B. höre ich wieder so eine Trennungsgeschichte …  Meine Erfahrung: Wie einer geht, so hat er auch geliebt. Wer nur Kleinholz von der gemeinsamen Geschichte hinterlässt, der hat auch in der Liebe rücksichtslos und egoistisch um sich geschlagen. Der andere hat es nur nicht gesehen. Soviel zum beiderseitigen Beitrag jahrelanger Leidenswege. B. ist raus aus der Sache, ich auch. Schon lange. Die bösen Geister haben wir vertrieben. Es geht uns gut. Wir staunen und feiern das beim Business Lunch und anschließenden Cappuccino auf der Sonnenterrasse vom Ludwigs. B. und ich, wir haben uns das verdient.

Weiterlesen