Mensch Gorbi

Mittwoch. Mit 91 Jahren ist Michail Gorbatschow gestern gestorben. Machen wirs kurz: Ohne ihn hätte ich PM nicht kennengelernt. Mit Glasnost und Perestroika, Begriffe, die damals direkt vom russischen in den deutschen Spachgebrauch eingingen, setzte er nicht nur den Demokratisierungsprozess in der SU in Gang, sondern auch die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland. Wir mochten ihn alle, und alle liebten wir die schöne Raissa und überhaupt die beiden zusammen als Couple in love. 1990 bekam Gorbatschow für seine Leistungen den Friedensnobelpreis. Den das Komitee  damit begründete, dass „die Konfrontation der Blöcke durch Verhandlungen ersetzt“ wurde, dass „alte europäische Nationalstaaten ihre Freiheit wiedergewonnen“ hätten und

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Passt!

Samstag, Eisnach. Flohmarkt in Eisenach heißt Leute kennenlernen. Also das Gegenteil von Flohmarkt in Tübingen. Ich winke jetzt mal sämtliche Vorurteile ungebremst auf die Bühne – sind ja gar keine Vorurteile, sondern Urteile, die ich mir nach jahrzehntelangem Leben und Arbeiten im Schwabenland (und als gebürtige NRW-lerin mit Vergleichspotenzial) erlauben kann. Zusammengefasst: Wo es sich für den Schwabenmenschen kulturell / psychologisch / ökonomisch bewährt haben mag, als geschlossenes System durch die Gegend zu laufen und das lebenslänglich, da ist der Thüringen-Mensch neugierig, offen und erstmal freundlich. Auch er fragt zuallererst: Wo kommste denn her?, um dann zu nicken. Was soviel

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Schillers Kabinettchen

Donnerstag, Eisenach. Ich war schon einmal in Weimar. Das war 2005. Seltsam, wie anders man die Umgebung wahrnimmt, wenn ein anderer Mensch dabei ist (und atmosphärische Störungen auch das Hinsehen & Hinhören stören). Diesmal ist der richtige Mensch dabei, und Weimar ist friedlich und bunt. Die Leute regen sich nicht auf, wenn ihnen jemand im Weg steht oder wenn Radfahrer sich auf dem Gehweg durchschlängeln. Es gibt viel zu wenig Fahrradwege im Osten, eigentlich fast gar keine, aber das nur nebenbei. Auch diesmal möchte ich ins Schillerhaus. Wie damals erfreue ich mich an des Dichters Leidenschaft für modische Tapeten und

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Freunde

Mittwoch, Eisenach. Und zwischen Handwerkern und Baumarkt beinahe täglich Treffen mit Freunden: Das Montagsbier in Tovs Garten unter Sternenhimmel und hohen Bäumen; bei R. & Ch. in Gotha, die ihr Schicksal tragen und sich ihm – wie auch immer – widersetzen; mit T. & A. an unserem wackeligen Tischchen im Hof oder mit Markus & Ursel im Restaurant. Für zwei Tage sind sie extra aus Ahrweiler hergekommen und haben zwei Schränke mitgebracht. Die Nachbarn verfolgen das Treiben ihrer neuen Mitbewohner und denken sich ihren Teil: Wenn Tov mit original DDR-Schwalbe samt Seitenwagen die Auffahrt hochknattert und einen Tag später R.

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Luthers Blick

Samstag, Eisenach. Seit zwei Wochen schaue ich auf die Wartburg. Ich öffne die Terrassentür und mein Blick fällt direkt drauf. Heute Morgen leuchtet das berühmte türkisgrüne Dach tapfer durch die diesige Wolkendecke, die sich aber höchstwahrscheinlich in wenigen Stunden verziehen wird. Es regnet ja nicht mehr. Seit Wochen sind Flüsse und  Bäche ausgetrocknet und Seen (und die Meere) kippen um vor lauter Hitze. In manchen Regionen gibt es Regulierungen zur Wassernutzung, Wasser wird zum knappen Gut. Aber solange unsere Oberhäuptlinge sich darüber in den Haaren liegen, aus welchem Land aktuell noch Gas bezogen werden darf, ohne sich die Hände schmutzig

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Bullet Train

Dienstag. Dass das ein entspannter Abend wird, zeichnet sich schon beim gemeinsamen Durchchecken der Trailer am heimischen Esstisch als die unwahrscheinlichste Option ab. Ja, juble ich angesichts der gefühlt hundertsten Folge von Monsieur Claude, weil Vorhersehbarkeit einfach einfacher ist (und hat PM bei der zweiten Folge etwa nicht kurz mal geschmunzelt?). Doch sein Gesichtsausdruck verheißt wenig Zustimmung. Hier!, rufe ich also mit gleichbleibender Begeisterung aus: Gugelhupfgschwader! Garantiert das Gespann Bezzel/Schwarz/Potthoff doch erfahrungsgemäß ein wohliges Versöhntsein mit sich und der Welt, ein Zustand, der uns gerade mehr oder weniger abhanden gekommen ist – was will man mehr von Kino erwarten? PMs

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Gute Besserung, Salman Rushdie

Sonntag. Jetzt ist es doch passiert! Das Attentat auf Salman Rushdie ist einfach nur schrecklich. Er hat sich stets als Verbindung zwischen Ost und West gesehen – Einem war diese Verbindung offenbar ein Dorn im Auge. 33 Jahre ist die durch Ayatollah Khomeini ausgerufene Fatwa her, der Attentäter ist erst 24 Jahre alt. Ob er jemals die Satanischen Verse gelesen hat? In denen Rushdie sich auf eine alte islamische Tradition über das Leben Mohammeds beruft? Denken verboten! Während andere muslimisch geprägte Staaten sich längst davon distanziert haben, hat die iranische Regierung den Mordaufruf bis heute nicht zurückgenommen, über den Tod

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Real Humans

Freitag. Die schwedische Serie Real Humans setzt fiktional um, was der Transhumanismus an Theorie liefert. Ich finde die Serie sehr gut und gar nicht übertrieben: Sogenannte Hubots, technikbasierte Menschen, fangen die kommunikativen und sozialen Defizite der Menschen auf und machen sich auf die Weise unentbehrlich – sei es in ihrer Funktion als devote Liebhaber*innen, als ergebene Arbeitssklaven, als nimmermüde Altenpflegerinnen oder als Kumpel im Dauer-Einverständnis-Modus. Ein biobasierter Mensch erschießt sich und löst damit das Uploading seines Gehirns, seiner Gedanken und Emotionen auf die Festplatte eines Hubots mit exakt seiner Physiognomie aus – der ewige Mensch, wie TH-Vordenker Ray Kurzweil ihn

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Liveticker

Donnerstag. Ich kann nachts oder tagsüber einen Beitrag schreiben, ich kann essen oder nicht essen oder mir morgens um halb fünf ein Spiegelei braten, ich kann schlafen oder nicht schlafen. Ich bin frei! Ab nächste Woche (fast) nur noch angenehme Termine. Zeit. Der Hauch von Unendlichkeit …

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Pinboard

Mittwoch. Die Hanutas und Prinzenrollenkekse, die ich für die Kids besorgt habe, um die letzten Tage im „Amt“ zu überstehen, schmecken mir selbst nicht mehr. Sehr strange.  War doch immer ganz heiß darauf. Zuckerentwöhnt? Alterserscheinung? Veränderungen im Kleinen, um die großen zu kaschieren? Der Merbold-Text ist soweit fertig. Feinschliff erfolgt später, sobald die fraglichen Stellen mit ihm abgeklärt sind. Olenska Selena, die Ehefrau von Selenski, posiert in der aktuellen dt. Vogue neben Soldaten vor zerbombtem Flugzeug. Krieg als Fake? … von Annie Leibovitz dekorativ ins Bild gesetzt. Mir fehlen die Worte … Gestern Abend in der Lernstub jüdische Auslegungen des Johannes-Prologs

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