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Dienstag. Wenn das Wasser auch noch knapp wird, dann gibt’s Mord und Todschlag.“ Sagt Petra, die ich in der Stadt treffe. Die Luft wabert in den Straßenschluchten, wir bewegen uns wie Zombies. Tritt man ins Freie, ist das ein Gefühl, als fiele man gegen eine heiße Wand. Unbeschreibliche 39,5 Grad in Deutschland, in vielen Teilen Europas. Die Themen in den Medien oder auf der Straße changieren zwischen Gasstopp (wenn Putin nicht liefert …, große, heuchlerische Entrüstung), Ölkrise, Inflation, Hitzewarnung, Wassermangel und Waffen für die Ukraine. Warm duschen nur noch drei Minuten!, mahnt Wirtschaftsminister Habeck unseren privathaushaltlichen Beitrag für die Ukraine

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Real

Samstag. Als die Grünen noch dafür warben, nicht mehr nur Autos, sondern auch Menschenrechte und Umweltstandards zu exportieren … Als Joe Biden nach dem brutalen Auftragsmord an dem Journalisten Jamal Kashoggi (2. Oktober 2018) ankündigte: „Die Saudis werden einen Preis dafür zahlen“ … „Ich werde sie als die Paria behandeln, die sie sind“ … … Alles vergessen! Mit seinem tiefem Diener vor dem telefonierenden Scheich in Katar – welch ikonisches Bild! – und seinem Aushandeln von Flüssiggaslieferungen für Deutschland hat der grüngewaschene und grünwaschende Wirtschaftsminister Habeck das bisher gültige grüne Ethos über Bord geworfen. Sofern das durch den neugrünen Militarismus

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Mind Changing

Donnerstag. Heute ist Jahrestag der Ahrflutkatastrophe. Es war ein Mittwoch, genauer: die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Diese Nacht ist allen Betroffenen in die Seele gestempelt. PM hadert sehr, die Erinnerungen werden jetzt zum Einjährigen auch durch die vermehrten Berichterstattungen wachgerüttelt. Erstaunlich: Die Stimmen der Dokus werden immer deutlicher. Alles, was bisher nur hinter vorgehaltener Hand weitergeflüstert wurde, wird jetzt offen und vor allem öffentlich ausgesprochen – zum Beispiel, dass Landrat Pföhler zuerst mal seinen Porsche in Sicherheit brachte, anstatt in der Kreisverwaltung zu erscheinen. Zum Beispiel, dass er dann zwar doch dort erschien, aber nur für das Pressefoto zusammen

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Klare Worte

Mittwoch. „Nicht wer Kriegsverbrechen aufdeckt, gehört ins Gefängnis, sondern der, der sie begeht oder befiehlt.“ (Sevim Dagdelen über den Journalist Julian Assange, der die US-Kriegsverbrechen im Irak und die der NATO-Verbündeten in Afghanistan aufdeckte und publik machte).

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Wenn sich der Jahrestag nähert …

Montag. Ernsthaft? Niemand weiß, wer in der Flutnacht im Ahrtal – viel, viel, viel zu spät – den Katastrophenalarm ausgelöst hat? Landrat Pföhler, der in der Flutnacht nicht mehr gesehen ward, war am Telefon auffallend fahrig und sprach nur von seinem Haus, das in der Nähe der Ahr steht? Erich Seul von der Ahrweiler Kreisverwaltung hat um drei Uhr morgens in der Flutnacht Mitarbeiter aufgefordert, in die Kreisverwaltung zu kommen??? Zu einem Zeitpunkt, als Ahrweiler seit vier Stunden 5,09 m unter Wasser stand und die Kreisverwaltung, wenn überhaupt, allenfalls mit dem Hubschrauber zu erreichen gewesen wäre??? Fazit: Mein Name ist

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Lieber sterben

Samstag. Die EU-Kommission und ihre Präsidentin wollen der Ukraine möglichst schon gestern den Kandidatenstatus für die Europäische Union verpassen. Von der Leyen fährt schweres Geschütz auf: “Die Ukrainer sind bereit, für diese europäische Perspektive zu sterben”, scheut sie sich nicht, in Brüssel vor zwei Wochen der verblüfften Öffentlichkeit zu verkünden. Jawoll!, lieber tot als rot, hat schon mein Opa gepredigt. Aber lieber tot als nicht in die EU … da müsste man doch direkt mal die Ukrainer*innen fragen … für mich klingt das nach Blut-und-Boden-Gesumms à la 1933 … habe die ganze Zeit bei diesem Kriegsgeschrei Nazi-Assoziationen … übel ist

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Yoshimoto, Aoyama, Berg

Samstag. Ich lese (fast) nur noch japanische Autorinnen. Warum? Durch Zufall stieß ich auf Kitchen von Banana Yoshimoto, das ist schon ein paar Jahre her – und war fasziniert von der Leichtigkeit, Uneitelkeit, Genauigkeit ihres Erzählens. Die Gegenwart erscheint immer irgendwie durchlässig, und dahinter leuchten Optionen auf, von denen die Protagonist*innen (und Leser*innen) nur ahnen. Vergleichbare Literatur gibt es bei uns nicht. Das macht auch nichts – offenbar unterscheidet sich die moderne japanische Gesellschaft viel weniger von unserer, als ich vermutet hätte. Die Frauen sind emanzipiert, gehen ihren eigenen Weg und spinnen ihre eigenen Gedanken und Pläne. Mit dem Kultbuch

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Kein Einzelfall

Donnerstag. Nachdem die Türkei ihre Blockade gegen den NATO-Beitritt von Finnland und Schweden aufgegeben hat, startet der Nordatlantikpakt offiziell das Verfahren zur Aufnahme der beiden skandinavischen Länder. Die ist teuer erkauft: Zuerst mussten Schweden und Finnland sich den türkischen Bedürfnissen beugen, indem sie sich verpflichteten, die kurdische Befreiungspartei PKK sowie die Gülen-Bewegung nachhaltig zu verfolgen. Heißt im Klartext: Kurdische Widerstandskämpfer*innen an die Türkei auszuliefern – voller Punktsieg also für Erdogan. Das nordatlantische Verteidigungsbündnis macht auf einem Nebenschauplatz mobil gegen die politische Vision von einem autonomen, demokratischen Kurdenstaat. Es sei angemerkt, dass die Vereinten Nationen, China, Russland, Indien und Ägypten die

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