Schweigen

Mittwoch. Ulrike Guérot erzählt in einem Video: Jedes Mal, wenn sie einen neuen Beitrag raushaut, läuft ihr Instagram-Account über vor shitstormigen Anwürfen gegen sie. Ihr E-Mail-Account dagegen wird im gleichen Moment von zustimmenden Mails geflutet. Ähnliches erzählte mir kürzlich eine Ladeninhaberin aus Tübingen: Täglich kommen Leute rein und lassen hinter vorgehaltener Hand ihren Frust raus über politische Weichstellungen, über die Medien etc.pp., was eben die Leute gerade so anpisst. Sag nicht mir das, fordert sie auf: Sag es öffentlich! Und dann schweigen die, die gerade noch so viel zu sagen wussten, und verlassen den Laden.

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Wem nützt es?

Dienstag. Vor ein paar Tagen also die Nachricht, dass vier Löcher in den Nord-Stream-Pipelines sind; dass unvorstellbar große Mengen an Gas ausgetreten sind. In fast allen Medien steht der Schuldige dieser unfassbaren Tat rasch fest: Russland. Cui bono? Wem nützt es / Wer hat was davon? Diese Frage stellt fast niemand. Besser als Arno Luik kann man es nicht auf den Punkt bringen.

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Lieblingsstelle

Montag. Heute ist ein schöner Feiertag. Ohne ihn, ohne die deutsche Wiedervereinigung würde es PM und mich nicht geben. * Meine Lieblingsstelle aus dem Interview mit dem Juniorunternehmer Maximilian Hillmann, das ich gerade endredigiere: „Ich bin mit Sicherheit keine Vorbildperson, ganz bestimmt nicht. Aber ich wundere mich oft, wie viele Menschen so unglaublich viel Zeit auf sozialen Netzwerken wie Instagram, TikTok und so verbringen, um die Fotos und Videos von anderen Personen zu konsumieren. Diese Menschen leben meiner Meinung nach das Leben von jemand anderem. Das ist schön, und vielleicht löst es psychologisch gesehen sogar ähnliche Glückshormone aus, eine andere

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Samstagmorgen

Während sie auf den Tag anstoßen und nach dem Zug Ausschau halten, wickeln sie ihre Steppjacken und Wollmäntel eng um die nigelnagelneuen Dirndlkleider vom chinesischen Online-Anbieter. Ihre Füße stecken in vernünftigen Stiefeln, in Sneakers mit weißen Nike-Baumwollsocken oder einfach mal in schwarzen Gummistiefeln. Aus ihren Flechtfrisuren tropft Regenwasser, die tiefgeschnittenen Dekolletés und rosa Handtäschchen reißen das natürlich wieder raus. Die Jungs tragen kurze Trachtenhosen und komische Federhüte und auch Sneakers. Manche betonen ihre Waden mit handgestrickten Stulpen. Wenn sie sich dann noch bei Opas Haferlschuhen bedient haben, sieht das plötzlich nicht mehr nach Karneval, sondern nach Griesnockerlaffäre aus. Sie halten

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Lesungen im Herbst – Frankfurter Salon

Lass und über den Tod reden Lesung und Diskussion – Freitag, 18.11.2022, 19.30 Uhr Frankfurter Salon Braubachstraße 32 60311 Frankfurt a.M. Reservierung: 069 247577756 info@frankfurtersalon.de *** Einfach schreiben! – C. Juliane Vieregge lädt Sie ein: Schnupperkurs Kreatives Schreiben – Dienstag, 22.11.2022, 17.00 Uhr Frankfurter Salon Braubachstraße 32 60311 Frankfurt a.M. Reservierung: 069 247577756 info@frankfurtersalon.de

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Zu viel

Freitag. Ich merke, dass dieser Krieg viel zu viel Raum einnimmt in meinem Schreiben und Denken. Die Sorge um meine Kinder, die noch viele, viele Jahre unter den Folgen leiden werden, raubt mir den Schlaf. Die Sorge um unsere Umwelt raubt mir den Schlaf. Klimapolitisch waren wir einmal auf einem guten Weg, jetzt sind die Ziele wieder zweitrangig geworden. Und wohl auch gar nicht mehr finanzierbar. Wie kann denn die Gesundheit unseres Planeten, unseres Lebensraums, zweitrangig werden? Müsste sie nicht das Hauptziel bleiben? Wieso findet Krieg in unserer technikbasierten, durchdigitalisierten Welt überhaupt noch Mann gegen Mann statt? Internationale Konflikte im

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Vorbei veröffentlicht

Donnerstag. Einfach mal an der vierten Gewalt vorbei veröffentlicht: Die vierte Gewalt, von Richard David Precht und Harald Welzer (S. Fischer Verlag, 28. Sept. 2022). Beide Autoren gehörten zu den Unterzeichner*innen des EMMA-Aufrufs an Bundeskanzler Scholz zur Besonnenheit in Sachen Waffenlieferungen an die Kriegspartei Ukraine. Die Medien toben, die Empörung bei FAZ, Spiegel etc.pp. erwartungsgemäß gigantisch! Kein Wunder – getroffene Hunde bellen. Ein direktes Argument für Prechts und Welzers These lieferte schon 2014 Frank-Walter Steinmeier höchstpersönlich: Bei der Verleihung des Medienpreises LeadAwards beklagte er (damals noch als Vizekanzler) explizit einen “engen Meinungskorridor” in der Berichterstattung. Wörtlich zitierte die FAZ (!)

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Freude …

… auf ein neues Interview; diesmal mit dem Psychoanalytiker und Kapitalismuskritiker Dr. Wolfgang Schmidbauer. Viele tolle Bücher hat er geschrieben, die seine These von der Unvereinbarkeit von Wachstum und Umweltschutz, aber auch von Wachstum und Glück psychoanalytisch und umweltpolitisch argumentativ untermauern.

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