Viel Schaum vorm Mund

Donnerstag. Gabriele Krone-Schmalz, ehemalige Moskau-Korrespondentin der ARD und Professorin für Fernsehen und Journalistik an der Europäischen Universität Iserlohn, hält in Reutlingen einen Vortrag über den Krieg in der Ukraine, und die Medienwelt kriegt sich nicht mehr ein vor gespielter oder echter (?) Entrüstung. Ich meinerseits bin froh über jede(n), die / der eigenständig denkt und damit an die Öffentlichkeit geht. Danke, Frau Professor Krone-Schmalz! Ich bin auch froh über jede(n), die / der eigenständig Denkenden eine Plattform bietet, dass die Gedanken in die Welt gelangen statt im heimischen Arbeitszimmer zu verpuffen. Danke, Herr Ulrich Bausch – Geschäftsführer der Reutlinger VHS!

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Denken heißt überschreiten

Freitag, Eisenach. Zufällig in Leipzig entdeckt – einer unserer Helden (1977 in Tübingen gestorben). Was für ein Ansatz, und so weit entfernt von der Realität! Das Prinzip Hoffnung als Diskussionsgrundlage … mit dem Florett der Argumente statt dem Vorschlaghammer der Beleidigungen. Denkend Grenzen überschreiten … Er war es, der 1967 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt … kein Schreihals, sondern ein Utopist.

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Einfach sagen

Donnerstag, Eisenach. Wunderbar! Tom Buhrow, seines Zeichens WDR-Intendant, thematisiert die Reputationsschäden des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufgrund fehlender Staatsferne! „Denn ich werde etwas tun, was in der medienpolitischen Debatte absolut unüblich ist: Ich werde einfach sagen, was ich denke.“ Schon der zweite Satz seiner bemerkenswerten Rede killt ein Tabu. Was sich bisher als verschwörungstheoretisch verdächtig gemacht hat unter der Schutzplane einer gesellschaftlich und journalistisch weitverbreiteten Schubladendenkeritis, ist ENDLICH in der medialen Chefetage angekommen: „Wir brauchen einen gedanklichen Neuanfang. Ohne die typischen Selbstverteidigungsreflexe. Ohne Denkverbote!“ Einer spricht es aus, der über hinreichend Power und Potenzial verfügen würde, die Weichen umzulegen. Wenn da nur

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Leipzig – Arbeit und Impression

Dienstag, Eisenach. Was ist Leipzig für eine coole Stadt! Holy shit, solche Städte machen Hoffnung. Voller Kultur, voller Musik.  Klarinette und Blues vom Feinsten als Straßenmusik! An jeder Ecke bunte, alternative Läden, Büchergeschäfte, Galerien, die Stimmung ist relaxed und unaggressiv. Viele junge Leute, die entspannt durch die – meist radweglosen – Straßen und Parks radeln auf dem Weg zur Uni oder zum Job oder zum Kindergarten. Lastenräder mit Kindern und Kisten und manchmal sogar Instrumenten im Gepäck. Und überall swingt und jazzt es. Die Hochschule für Musik und Theater ein gewaltiges, altehrwürdiges Gebäude aus riesigen Steinquadern mit riesig hohen Fenstern

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Werkbericht

Mittwoch. Vorbereitung auf meinen nächsten Interviewpartner. Eigentlich sollte er am Samstag hier in Tübingen einen Auftritt haben, zu dem ich eingeladen war. Fällt leider aus, die Pandemie ist immer noch wirkmächtig.  Am kommenden Dienstag ist unser Termin – in Leipzig!  Freu mich und bin gespannt …

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Hate Speech preiswürdig

Der Stiftungsrat des Deutschen Buchhandels hat entschieden: Der Friedenspreis 2022 geht an Serhij Zhadan. „Brennt in der Hölle, ihr Schweine!“, lässt der ukrainische Schriftsteller und Musiker seinem ausgemachten Völkerhass auf alles, was russisch ist, freien Lauf. Indem die Wochenzeitung Die Zeit diese Entscheidung als „mutig“ bezeichnet, outet sie sich selbst als desorientierte Sprecherin eines desorientierten Zeitgeistes. Ein Autor, egal welcher Nation, sollte in der Lage sein, zwischen Bevölkerung und einem durchgedrehten Präsidenten zu differenzieren. Und nicht das hier: „Tolstoi und Dostojewski haben eine vernichtende Niederlage erlitten. Ebenso wie das russische Ballett, die russische Avantgarde (die sowieso zum Großteil gar nicht

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Statement

Die humanitäre Hilfe, die Deutschland für die Ukraine leistet, ist doch deutlich sinnvoller als das Unterfangen, die Kriegspartei Ukraine mit Waffen deutscher Hersteller vollzupumpen. Ich selbst bin Teil dieser humanitären Hilfe, indem ich ukrainische Schüler*innen in Deutsch unterrichte. Wer mich aufgrund meiner pazifistischen Einstellung meint in die rechte Ecke stellen zu dürfen, ist ein(e) unerwünschte(r) Leser*in und mache sich hier bitte vom Acker! Pazifismus als „rechts“ zu determinieren, ist außerdem historisch dermaßen daneben, dass es mir schlichtweg zu dumm ist, mich mit solchen „Argumenten“ auseinanderzusetzen. Ich liebe es nicht fremdbestimmt zu werden. Wo ich politisch stehe, bestimme ich immer noch

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Lernen

Dienstag. Was für ein furchtbares Signal an die ukrainischen Geflüchteten. Vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Deutschland geflohen, wird in Deutschland, genauer in Wismar, vor drei Tagen eine Unterkunft mit 14 Ukrainer*innen angezündet und komplett zerstört. Wenigstens sind die Menschen, darunter ein 1-jähriges Kind, unverletzt geblieben. Die Botschaft dahinter ist trotzdem kaum wiedergutzumachen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. In diese Richtung ermittelt auch die Staatsanwaltschaft. Seit ich die Arbeit im “Amt” drastisch reduziert habe, unterrichte ich eine ukrainische Vorbereitungsklasse in Deutsch. Was diesen Kindern und Jugendlichen zugemutet wird, lässt sich kaum in Worte fassen. Und ich rede nur

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Unabhängig zur absoluten Mehrheit

Montag. Mit der absoluten Mehrheit – 52,4 % der Wählerstimmen – verpasst Palmer den Grünen eine Lektion. Während er seine dritte Amtszeit als Tübingens OB antritt, will die grüne Partei ihn ausschließen. Als Unabhängiger ist er wiedergewählt worden, seine Parteimitgliedschaft bei den Grünen ruht bis auf Weiteres. Was diese als zu nonkonformistisch ablehnen, kommt bei den Bürger*innen offenbar gut an bzw. gereicht ihm jedenfalls nicht zum Nachteil. Palmer überzeugt mit Inhalten. Die Tübinger*innen wissen, wen sie wählen. Herzlichen Glückwunsch, Boris!

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