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Auf unsicheren Füßen
Samstag, Eisenach. Die verschneiten Häuserdächer von Eisenach, der urgemütliche, kitsch- und krawallfreie Weihnachtsmarkt mit dem weißen Riesenrad auf dem Marktplatz und den duftenden Buden versöhnen mich so ganz allmählich mit der zweiten, mit der neuen Heimat. In unserem bis auf den alten Bücherschrank unmöblierten Wohnzimmer bullert der Kamin, PM sitzt auf einem Klappstuhl davor und schält Rosenkohl, während ich an einem etwas schwierigen Interviewtext feile. PMs Arbeitszimmer ist fertig, die Küche und Bäder auch. Für das untere Bad haben wir heute einen lustigen, mintgrünen Spindschrank aus Metall ausgesucht. Wir nehmen uns viel Zeit. Nichts drängt uns in unser neues Leben.
WeiterlesenViele Fragen, eine Antwort
Sonntag, 1. Advent. Stehen mehr als zwei Leute zusammen, geht es sofort los: ob du Fußball-WM guckst oder nicht? ob du als bekennender Nicht-Gucker moralisch besser dastehst als die Heimlich-Gucker? ob Selenski zuerst Klitschko kaltstellt oder die Krim zurückerobert? ob DFB-Kapitän Neuer feige ist, weil er die von der FIFA untersagte One-Love-Binde nicht trotzdem trägt? ob Innenministerin Nancy Faeser eine Heldin ist, weil ihren Arm die vieldiskutierte Binde ziert, während sie beim Deutschland-Japan-Spiel neben FIFA-Präsident Infantino sitzt? ob die Pandemie jetzt endgültig vorbei ist? ob die Maskenpflicht jetzt auch für den ÖPV kippt, und ob die Infektionszahlen dann wieder ansteigen?
WeiterlesenWin win
Samstag. Alle drei mal 24 Päckchen fertig. Bei PM ist es am einfachsten – in der Flut alles verloren, braucht er alles neu und ich kann sozusagen wieder von vorne anfangen. T. und E. freuen sich jedes Jahr wie die Kinder. Meine ziemlich großen Kinder … während meine liebe L. keinen Schnickschnack mag. Sie freut sich über Praktisches – hoffe ich. Die Freude des ganzjährigen Sammelns und des Verpackens liegt bei mir, und wenn sich alle freuen, ist das ja direkt so ein prima Win-Win-Ding.
WeiterlesenWLAN
Freitag. Klappe den Laptop auf. Bin bester Laune. Das Material passt perfekt zu meinen Unterrichtszielen, dafür habe ich mir gestern Abend extra mal so richtig Zeit genommen. Die Links sind gespeichert, nichts kann schiefgehen: Ein Spielfilm mit ukrainischen Untertiteln, die ins Ukrainische übersetzte Zusammenfassung und als Abschluss ein Fragebogen zum Film in sehr einfacher deutscher Sprache. Ich freue mich auf eine ergiebige Stunde, irgendwie klappt das Einloggen nicht, ich versuche es nochmal: Kein WLAN! Kein WLAN? Und jetzt? Ich flitze vom vierten in den zwei Stock zur „Amts“-Leitung: Schulterzucken, bedauernder Blick, schuldbewusstes Antippen der Tastatur vor schwarzem Bildschirm. Mach was
WeiterlesenSchöne Begegnungen
Samstag. Eine Stimmung wie warmer Schokoladenkuchen – trotz des schwierigen Themas. So war das bei meiner Lesung aus Lass uns über den Tod reden gestern Abend im Frankfurter Salon, und das lag an den tollen Leuten, die gekommen waren. Einer sprach es aus: „Ich fühle mich in der Runde hier richtig wohl.“ „Danke“, konnte ich bestätigen, „mir geht es genauso, ich fühle mich auch wohl mit Euch.“ Über den Tod reden – das funktioniert nur in einer Atmosphäre, in der man sich gegenseitig zuhört und Anteil nimmt. Immer kommen auch Menschen zur Lesung, die erst kürzlich jemanden verloren haben und
WeiterlesenFake News – Merz kichert ein anderes Mal
Donnerstag. DDR 2.0, sagt PM immer wieder und immer öfter und ist als Bürger der ehemaligen DDR darüber ziemlich frustriert. Jetzt sagen es auch andere, z.B. die FAZ, leider hinter der Bezahlschranke versteckt. Was war der Anlass? Die ARD-Sendung Bericht aus Berlin hatte Bilder von Friedrich Merz in seinem Privatjet und Merz kichernderweise mit seinem Nebensitzer Thorsten Frei im Bundestag gezeigt. Das Empörende daran: Merz kichert ausgerechnet während der sehr emotionalen Anklage-Rede der Grünen Britta Haßelmann, die gerade für die Einführung des umstrittenen Bürgergeldes plädiert: „Wie soll jemand, der in einer ganz anderen Lebenswirklichkeit lebt, und sich vielleicht überlegen muss,
WeiterlesenCoca Cola & und der Klimagipfel
„Die Gipfel sind völlige Zeitverschwendung. Der Hauptsponsor dieses Gipfels heißt Coca Cola, das ist der größte Plastikvermüller der Welt. Die größte Teilnehmergruppe auf diesem Gipfel sind Öllobbyisten, das sind über 650 Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie und alle russischen Energieoligarchen.“ (Hannes Jaenicke, Maischberger 16.11.22)
WeiterlesenEntscheidung
Freitag. Ich kann mich über nichts beschweren oder wenn ich es täte, wäre das Gejammer auf sehr hohem Niveau. Und doch fällt es mir unendlich schwer mich zu entscheiden, wobei mir, während ich darüber nachdenke, im selben Moment klar ist, dass allein die Option, sich entscheiden zu dürfen, einer luxuriösen Situation gleichkommt. Was bliebe mir zu sagen, wenn ich vor keiner Wahl stünde, die Würfel längst gefallen und die nächsten Monate und Jahre meines Lebens bereits in Stein gemeißelt wären? Ja, dann könnte ich jammern … Der menschenleere Eisenacher Marktplatz döst noch in der matten Morgensonne. Die Schläge meine Stiefelabsätze
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