Warten

Dienstag. Gelber Wartebereich. Grüner Wartebereich. Den lieben langen Tag in der BG-Klinik verbracht. Zweite Meinung, dritte Meinung, noch eine Meinung. Scheiß Schulter. Wird nichts mehr.

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Geheimnis und Schlichtheit

Montag. Unter Wasser atmen von An Yu (dtv München, 2021) entwickelt sich von der ersten Seite an zu einem sehr speziellen Lesevergnügen. Wie viele Romane aus dem asiatischen Raum – die Autorin ist in Peking geboren – vermittelt auch Unter Wasser atmen dieses bestimmte Verhältnis zwischen Geheimnis und Schlichtheit. Vergleichbares gibt es in unserer westlichen Schreibkultur nicht. Ohne Frage handelt es sich um einen psychologischen Roman, einen Entwicklungsroman. Die Heldin Jia Jia findet ihren toten Mann, dessen Todesursache im Dunkel bleibt, in Embryohaltung in der Badewanne vor: Der orangefarbene Schal glitt Jia Jia von der Schulter und fiel ins Wasser.

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Vorwärts

Sonntag, Eisenach. Viel erledigt, viel entschieden in Sachen Hausumbau. Abends Treffen in einer Gartenhütte unterhalb der Wartburg. Neben den üblichen Verdächtigen ist da eine Filmexpertin, die ich bisher noch nicht kenne. Zwei Stichworte, und zack!, hat sie direkt Titel und Hauptakteure auf dem Plan. Neben der üblichen Vergangenheitsfolklore, die mit den üblichen Verdächtigen korreliert, kommt es zu einem intensiven Meinungsaustausch. Ich habe so meine Pläne, was Eisenach angeht, die scheinen auf Interesse zu stoßen (vorwärts immer, rückwärts nimmer!).

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Als das Wasser kam

Donnerstag. 14. Juli 2021: Um 16.20 Uhr ruft Cornelia Weigand, Bürgermeisterin von Altenahr, Landrat Jürgen Pföhler an und mahnt ihn dringend an, den Katastrophenfall auszurufen. Er brauche erst noch ein paar Daten, erwidert dieser. Was vorher geschah: Am Morgen desselben Tages kündigte, nach tagelangen heftigen Regenfällen, um 9.24 Uhr das rheinland-pfälzische Landesamt für Umwelt ein Anwachsen der Ahr auf den dreifachen Pegel an; 2,40 m prognostizierte es für die kommende Nacht. Um 12.24 Uhr erhöhte das Landesamt die Hochwasserwarnung auf 3,30 m, und der Deutsche Wetterdienst verschickte an 37 Kreise eine Unwetterwarnung wegen extrem ergiebigem Dauerregen gerade an Bächen und kleineren

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Zwei Seiten

Dienstag. Zwei Handwerker kommen, um das Dach bzw. den Schacht meiner Dunstabzugshaube zu reparieren. Ich stell Kaffee und Kekse raus, wir quatschen ein bisschen, der eine hat einen ostdeutschen Slang. Ich sage, cool, Sie kommen aus Thüringen, da ziehe ich bald hin.Ich gehe auch bald wieder zurück, sagt er. Das muss jetzt reichen mit dem Westaufbau, und die Leute hier motivieren einen ja nicht direkt zum länger Bleiben.Wir lästern ein bisschen über die schwäbische Mentalität ab, da sagt der andere: Ich komme auch nicht von hier. Ich bin eine Mischung, die eine Hälfte verrate ich, die andere verheimliche ich. Okay,

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Freunde

Samstag. Als ich heute Morgen meinen Koffer nach unten trage, steht Beret ganz zerknittert im Schlafanzug in der Tür. Bedrückender Abschied, ich laufe zur Bushaltestelle und fahre zum Kieler Hauptbahnhof. Jetzt geht es für die beiden wieder zu zweit weiter. Ich bringe ihnen ein Stück Welt ins Haus, an der sie kaum noch teilnehmen. Zeit spielt für sie keine Rolle, ein Tag ist wie der andere, vergeht mit körperlichen Schmerzen, zunehmenden Einschränkungen, Ohnmacht auf der einen und Organisation des Alltags, Kraftanstrengung, Ausgepowertsein auf der anderen Seite. Deprimiertheit auf beiden Seiten. Es gibt keine Lösung. Beret sah so traurig aus, das

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Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern

Freitag, Kiel. Als sie noch grüne Oppositionspolitikerin war, forderte Baerbock das Ende des deutschen Irak-Einsatzes. 2016, 2017 und 2020 fand sie dessen Fortführung zur Bekämpfung des sog. Islamischen Staates mit Recht „unverantwortlich“ und forderte die Evakuierung aller deutschen Truppen aus dem Irak. Jetzt, als Außenministerin, könnte sie die Mission tatsächlich beenden und die derzeit 280 deutschen Soldaten heimholen – doch stattdessen arbeitet Baerbock an der Verlängerung des Militäreinsatzes! Die Kehrtwende in Sachen Krieg und Frieden zeigt schon zu Beginn ihrer Regierungszeit: Grüne Außenpolitik ist in erster Linie Harmonie mit den NATO- Bündnispartnern und verfolgt damit die Doppelmoral einer politischen Haltung

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Begegnungen im Norden

Donnerstag, Kiel. Viel Laufen, Anlaufstellen gibt es genug. Zu meinem Bruder von Suchsdorf nach Wyk sind es 5 km, genau die richtige Strecke, ehe die Füße wehtun. Blöderweise habe ich nur Stöckelstiefeletten dabei, und seit heute liegt Schnee. Gestern ein schöner Tag in Lüneburg mit meiner alten Freundin V.: Bummeln, Pizza Essen, Quatschen über alte Zeiten. Bei ihr bzw. ihrer Familie habe ich zwei Jahre lang gelebt, nachdem ich mit 15 von zu Hause ausgezogen bin, die Fliege gemacht habe gerade noch rechtzeitig. In Essen-Werden waren wir in einer Klasse und zusammen in der Theater-AG und, ach ja, im Doppelpack

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