Pandemiestufe 3

Freitag. Die landesweite 7-Tage-lnzidenz von 35 Fällen pro 100.000 Einwohner ist erreicht: Wir haben Pandemiestufe 3. Heißt Maskenpflicht im Unterricht. Obwohl noch nie ein „Amt“ Hot Spot war. Da kommen einem solche Maßnahmen sehr unsinnig vor. Wie sich vor 30 Kindern/Jugendlichen mit Maske verständlich machen? Wie die Jugendlichen, die auch ohne Maske oft zu leise sprechen, verstehen? Das wird eine lustige Woche, und dabei sind alle froh, dass das „Amt“ überhaupt offen ist. Droht der 2. Lockdown?, wie eine dunkle Wolke hängt die Frage über einem, während man sich in digitale Unterrichtsformen einarbeitet und nebenher sein übliches Pensum abarbeitet. In meinem Fall ein volles Deputat.
Am Abend kommt PM. Bisher ist alles genauso gekommen, wie er es vorhergesehen hat. Jetzt malt er zwei Szenarien aus: Die Viruslast wird mit der Zeit geringer, weil die Leute sich an die Regeln halten und weil sich das Virus verändert. Doch im Moment steigt die Zahl der schweren Verläufe wieder, was eigentlich dagegen spricht. Das zweite Szenario will ich nicht wahrhaben, deshalb widme ich ihm hier keine Zeile.
Ich habe Kürbissuppe gekocht und feine Sachen bei Metzger Zeeb eingekauft, doch es gibt nur ein Thema, die Pandemie. Das ist ermüdend. Die Pandemie ist ermüdend. Man muss sich irre aufrüsten, um die Motivation zu halten. Man hat keine. Man fragt sich, wozu, und das ist die schlimmste Frage ever! Die darf gar nicht erst aufkommen. Wieso auch, es läuft doch gut. Gestern habe ich 30 Collagen zum Thema „Wie ich mich sehe“ entstehen sehen – Einstieg Kleider machen Leute, Lektüre ist im Lockdown-Modus optimal. Wenn 30 Jugendliche schnippeln, verschieben, kleben, sich ihre Gedanken machen und bei der Sache sind, bin ich glücklich. Wir sind miteinander im Gespräch, was gibt es Wichtigeres. Beim Thema Barock-Lyrik, beim Thema Weltbilder – immer wieder fühlen sie sich an diesem Vormittag auf die Pandemie zurückgeworfen. Texte von Bedrohung und Ausgeliefertsein, 1500 oder 500 Jahre als, sind auf einmal brandaktuell. Auf einmal werden sie still. Besser zusammen als alleine vorm Bildschirm.