Corona Diary – Spreu & Weizen

Donnerstag. Nicht, dass sich in der Pandemie die Spreu vom Weizen groß unterscheiden würde. Vielmehr sind alle zusammen ein verstörter, dünnhäutiger Haufen. Der Coronagegner möchte den Maskenträger, der einen weiten Bogen um ihn schlägt, am liebsten erwürgen, während der Maskenträger sich den Coronagegner schon ans Beatmungsgerät fantasiert – da wo er hingehört, siech und sterbend.
Corona trennt Familien, best friends, Arbeitsteams. Maria sitzt, die Maske demonstrativ unter der Nase tragend, im Schnittpunkt mehrerer böser Kolleg*innen-Blicke, die sie mit beseeltem Märtyrerlächeln erträgt. Ich ertrage das Maß ihrer Selbstauslieferung dagegen nicht. Mach mal Maske hoch!, sage ich zu ihr. Wie auf Befehl zieht sie sich das Stück Stoff über die Nase. Um mir Stunden später mitzuteilen, dass dieser Affront, den zahlreiche Leute mit Schadenfreude verfolgt hätten, das Ende sei!
Aha. Wer einschnappt, schnappt auch wieder aus, pflegt Jerome solche Situationen zu kommentieren, aber so einfach ist es nicht. Maria bricht in Tränen aus. Den angepassten Schleimern gehörten Bomben untern Hintern geschoben, schluchzt sie, und irgendwas von politischen Verwerfungen und einer gewissen Partei, die in diesem Fall auf ihre Stimme zählen könne.
Die Unverhältnismäßigkeit steht greifbar zwischen uns. Aus Maria ist eine Wutbürgerin geworden, schäumend irrational. Argumente zählen für sie schon lange nicht mehr. Dann krieg ich’s eben!, schleudert sie jedem, der ihr Verhalten kritisiert, entgegen und vergisst, dass die anderen „es“ dann eben auch kriegen. Womit wir bei der Grundsatzdebatte über die Sinnhaftigkeit von Masken wären, doch da ist bei mir finito. Dass etwas ohne Stofffilter leichter aus meinen Atemwegen gelangt als mit, kann ernsthaft nicht bezweifelt werden (auch ohne die zahlreichen Doppelblindstudien aus Wuhan und San Francisco, auf denen in den kommenden Jahren noch zahlreichere Doktorarbeiten aufbauen werden).
Es sei denn, wie PM sagt: Da liegen andere Probleme vor!
Ich mag dich, sage ich noch im Spaßmodus, doch der ist längst vorbei. Ich dich nicht! Maria steht auf und rauscht ab. Das Ende unserer Freundschaft?, denke ich melodramatisch, und wie grotesk das alles ist. Corona im fortgeschrittenen Stadium holt das Schlechteste aus den Menschen raus. Sehr beschissen.