Im Spiegel

Mittwoch, Tübingen. Gerade finde ich bei Deborah Levy (Ein eigenes Haus, 2021 Hoffmann und Campe) eine Stelle, die von mir handelt:

Nur ein Teil in uns ist geistig gesund, nur ein Teil in uns liebt die Freude und länger währendes Glück, möchte neunzig Jahre alt werden und friedlich im eigenen Haus sterben, das auch denen Schutz bietet, die nach uns kommen.
Die andere Hälfte in uns ist dem Wahnsinn nahe, sie zieht das Unangenehme dem Angenehmen vor, liebt den Schmerz und möchte in einer Katastrophe untergehen, die das Leben auf seine Anfänge zurückwirft und von unserem Haus nichts als das verkohlte Fundament hinterlässt. (S.38)

Habe selten so sehr in einen Spiegel geguckt … es gibt also noch andere … Aufbauen und Einreißen … kreative Prozesse … Energie, immer zu viel … fließend in Abgründe … und doch und doch … etwas Entstehendes jeden Tag … ein Wort reicht … vielleicht …