Weiter geht’s

Samstag,B.N. Nach B.N. zu fahren, in einem coronabedingt angenehm leeren Zug, von PM abgeholt zu werden und in ein warmes Haus mit liebevoll zubereitetem Abendbrot zu kommen, das ist schön. Eine Auszeit, um die Dauerstresssituation im „Amt“, die obernervigen Fortbildungen in Sachen Digitales Lernen, das Alleinsein kurz mal zu vergessen. Heute gehts weiter nach Köln zu meiner Lieblingsfamilie, die nun halbiert ist, und diesmal ist es die väterliche Hälfte. In meinem Gepäck sind Laternen und Stöcke, das ist mein Abendprogramm mit Mini-L.chen und Mini-T.chen. Aus der Traurigkeit das Bestmögliche machen und die eigene Traurigkeit wegdenken … Dranbleiben auch wenn es

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Corona Diary – Spreu & Weizen

Donnerstag. Nicht, dass sich in der Pandemie die Spreu vom Weizen groß unterscheiden würde. Vielmehr sind alle zusammen ein verstörter, dünnhäutiger Haufen. Der Coronagegner möchte den Maskenträger, der einen weiten Bogen um ihn schlägt, am liebsten erwürgen, während der Maskenträger sich den Coronagegner schon ans Beatmungsgerät fantasiert – da wo er hingehört, siech und sterbend.Corona trennt Familien, best friends, Arbeitsteams. Maria sitzt, die Maske demonstrativ unter der Nase tragend, im Schnittpunkt mehrerer böser Kolleg*innen-Blicke, die sie mit beseeltem Märtyrerlächeln erträgt. Ich ertrage das Maß ihrer Selbstauslieferung dagegen nicht. Mach mal Maske hoch!, sage ich zu ihr. Wie auf Befehl zieht

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Jung

Dienstag. Wenn einer so lacht und sagt, ich bin wohl eher introvertiert, und auf seine Füße starrt und sich in den Schultern dreht und wieder so nett lacht, dann weiß ich, warum ich meine Arbeit mit Jugendlichen liebe. Sie sind einfach toll. Nicht unbedingt die, die kreischen und schreien und sich von morgens bis abends bemerkbar machen – okay, die haben auch was und fangen dich ein mit ihrem Charme – , sondern die stillen, die kein Geheimnis aus sich machen, aber trotzdem eins sind. Sie sind Elfen und Prinzessinnen und Pokerfaces und Könige, aber sie wissen es nicht. Sie

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Viel

Sonntag. Manchmal tut es gut, über Essen oder Klamotten oder so zu schreiben, wenn die Gedanken seit Wochen und Monaten um nichts als Corona kreisen. Das ganz normale Leben wird zum Luxus. Samstag Abend also. PM hat eine Martinsgans mitgebracht, dazu gibt es Rotkraut und Thüringer Klöße. Wie gut, dass er so gut kochen kann – noch nie im Leben habe ich eine Gans gemacht. T. und E. sind da, ich schaue mir meinen Sohn an und mir wird warmumsherz. Da ist ein großes Ein-Verständnis. Noch viel schöner wäre es, wenn meine Tochter, meine liebe L., auch dabei wäre. Man

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Erwartung

Samstag. In der Stille der Nacht bis halb vier korrigiert. Von Sonne und penatenblauem Himmel sanft geweckt. Mein Schlafanzugoberteil als Kombipartner zur superedlen Raffaello-Rossi-Hose entdeckt, die ich direkt schon bei Kleiderkreisel einstellen wollte – aus uralt mach neu. Schnell einkaufen, aufräumen, gleich kommt PM.

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Big Blue Button

Donnerstag. … zwei Stunden rumeiern und nicht ins System reinkommen, während die Veranstaltung ohne dich läuft und läuft, das ist frustrierend und demütigend und du sitzt zerknüllt in der Ecke, als wenn einer Finnisch auf dich einredet, und die good Vibes versickern irgendwo in der Tastatur und die Zeit sowieso. Dein Leben ist an diesem Nachmittag übelst in Frage gestellt …

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Unterwerfung …

… von Michel Houellebecq (2015) ist ein Buch für Frauen. Ein Warnbuch, sozusagen: Nach der Regierungsübernahme durch islamische Parteien in den meisten europäischen Ländern werden die Frauen aus dem öffentlichen Leben getilgt. Sichtbar in Erscheinung treten nur noch die Männer, auf die ein gepampertes Dasein nach sehr klar definierten Regeln wartet. Die Frauen verschwinden in die Bedeutungslosigkeit von Küche und Bett. Sie werden nicht einmal von ihren Männern ausgewählt. Das Wählen des/der Ehepartner*innen gilt in der islamischen Gesellschaft als Relikt eines längst überwundenen Individualismus‘. Statt dessen übernehmen diese Arbeit erfahrene Ehestifterinnen, und alle sind’s zufrieden. Auch der Protagonist fügt sich

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Apfelkompott

Sonntag. Amerika ist wie befreit. Tausende treibt es auf die Straße, um Joe Bidens Sieg zu feiern – und alle tragen Maske. Ein so einfaches wie eindrückliches Zeichen, Trump mit seiner Politik der Ignoranz endgültig in die Wüste zu schicken. Ob Biden selbst so inspirierend ist? Das trifft doch wohl eher auf seine US-Vizepräsidentschaftskanditatin Kamala Harris zu, die für einen neuen politischen Stil stehen könnte.Mein WE steht im Zeichen von Corona. PM kann nicht kommen. Wie gehabt, laufe ich mit Mecki durchs Ammertal, wo wir Äpfel für Kompott aufsammeln (Apfelkompott als Synonym für das, was bleibt … OMG, werde ich

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Digitale Anpassung

Samstag. „Die Digitalisierung wird die Mittelschicht verdrängen… Und von zehn Betroffenen wird nur einer gesellschaftlich aufsteigen, neuen werden absteigen. Und ich garantiere Ihnen: Wenn es etwas gibt, das die digitale Bewegung stoppen wird, dann werden es gesellschaftliche Unruhen sein …“ Joe Kaeser: How to Adapt the Digital Age, 17.06.2016

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