LPG oder Kolchose

Dienstag, Eisenach. In Bischofsroda kann man noch LPGs sehen. PM und Tov sind von meinen romantischen, noch von DDR-Romanen geprägten Vorstellungen genervt. Sie sagen Kolchose, was abwertend gemeint ist. Sie finden die grauen Riesengebäude eher langweilig und verstehen nicht, warum ich sie sehen will. Tovs Boot heißt Lotte U. Die Lotte U. ist ein in die Jahre gekommenes, aber stabiles Gefährt und wird von einem 8-PS-Yamaha Außenborder betrieben. Der hat seine Mucken. Zum Glück hat Tov die Sache im Griff, er ist Ingenieur. Wir cruisen die Werra hoch. Die Sonne scheint, die Wiesen gleiten vorbei, die Landschaft ist unbeschreiblich. Das

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Hunde und Masken

Montag, Eisenach. Ausruhen, Stadtbummel, Shoppen bei Schwager, Kuchen für heute Abend besorgen: Montagsbier auf dem Gartengrundstück von einem, den ich bisher noch nicht kenne. Hoffentlich ist Angelika dabei, hoffentlich sind nicht so viele Hunde dabei. Jeder zweite Eisenacher besitzt einen Hund. Warum? Angelika hat auch einen. Wenn ich sie besuche, sperrt sie ihn im Wohnzimmer ein, und dann dreht er durch und rennt gegen die Tür, weshalb ich schnell wieder gehe. Bei einem Händler auf dem Markt habe ich mir eine ganze Sammlung Masken gekauft, 3 Euro das Stück. Überhaupt ist hier alles so billig, dass man manchmal ein schlechtes

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Freunde und Familie

Sonntag, Eisenach. Unsere Kinder sind übers Wochenende da, jedenfalls ein Teil davon. Im gleichen Haus wie wir sind T. und E. untergebracht. Für seine Tochter mit Freund hat PM eine hypermoderne Ferienwohnung im Zentrum gemietet, sodass sie morgens immer gleich frische Brötchen mitbringen können. So schön, sie alle da zu haben und auf unserem großen Balkon gemeinsam zu frühstücken und zu quatschen! T. und E. waren noch nie in Ostdeutschland. Sie genießen die Auszeit und die Natur, beide sind momentan beruflich sehr beansprucht. Natürlich gehts zur Wartburg hoch, und heute ist die Drachenschlucht dran. E. liebt PMs Frikadellen. Sie ist

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Urlaub

Donnerstag, Eisenach. Die Korrektur am Romanmanuskript kommt langsam voran. Viele angenehme Unterbrechungen: Wanderungen, Spaziergänge, Treffen mit Freunden. Die direkte Nachbarschaft zum Wald ist sehr inspirierend. Die Luft riecht nach Erde und Bäumen, man macht die Tür auf und atmet sich frei. In der Dachwohnung haben sich vergangene Nacht zehn Fledermäuse einquartiert. Wir sollen die Fenster nachts ja gekippt halten, warnt uns der Eigentümer des Hauses, der auch gerade hier ist, sonst aber in Leipzig lebt. Abends Treffen im Kartoffelhaus mit Tov und Museum, der in Wahrheit Jochen heißt, oder bei uns auf dem Balkon. Weil noch ein paar andere Leute

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Angekommen

Montag, Eisenach. Die Ferienwohnung, die PM für uns gefunden hat, ist ein Volltreffer. Das Haus ist am Waldrand gelegen, fußläufig zum Zentrum, und ist eine von diesen Eisenacher Villen, bei denen einem der Mund offen stehen bleibt, so schön sind die und diese ganz besonders. Kaum ist man eingetreten, hält man auf Halbertreppe Andacht vor dem deckenhohen Jugendstilfenster. So ist das hier also. So unberührt. So still. So – respektvoll. Wir kommen an und sind glücklich. Abends Montagsbier bei Steff.

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Ausgeladen – das fassungslose Tugend-Gebrüll

Donnerstag. Wer eine Lisa Eckhart auslädt, disqualifiziert sich selbst. Die Macher des Harbourfront Literaturfestivals in Hamburg haben es trotzdem getan: Weil „die autonome Szene“ droht, die Veranstaltung zu sprengen und weil irgendwelche Mitbewerber*innen nicht neben ihr auf der Bühne sitzen mögen.So what? Spricht das nicht alles für die Eckhart? Ist ein Literaturwettbewerb eine Straßenumfrage? Nachdem die Geschichte heute durch die sozialen Medien gerauscht ist, habe ich ihren Debütroman Omama tout suite im Buchladen vor Ort vorbestellt. Er erscheint am 17. August! Danke, liebe Autonomengemeinde, ohne euch hätte ich vielleicht nichts davon mitbekommen. Lisa Eckhart ist auf regionale Festivals nicht angewiesen, eher wundert es mich,

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Schnöselig

Der Titel des FAZ-Beitrags Ein Tag in Eisenach – Luthershuffle statt Luthershuttle ist so wortspielmäßig bemüht wie der Beitrag selbst. Unter der Rubrik ‚Reisen‘ erfährt die Leserin, dass der Autor Andreas Platthaus den Weg zur Wartburg hochschlurfen musste, statt ihn mit dem Wartburg zu fahren, nun ja … Interessant finde ich den Artikel (den mir mein in Naumburg geborener, in Hamburg lebender Onkel als Print-Ausgabe schickte) vor allem deshalb, weil er so schnöselig ist. Ein typischer Wessi-Beitrag über eine ostdeutsche Stadt. Der Autor erzählt ja auch vor allem DDR-Geschichte, DDR-Auto-Geschichte!, und weniger von den erfolgreichen Unternehmungen, diese wunderschöne wie widersprüchliche Stadt

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Corona Diary / Zweite Welle

Samstag. In Berlin demonstrieren 20.000 Corona-Gegner*innen und feiern sich selbst mit sinnfreien Parolen wie „Wir sind die zweite Welle“, „Wir sind das Volk“ oder „Die größte Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie“. Corona sei Propaganda – deshalb sind sie ohne Masken und natürlich ohne Sicherheitsabstand unterwegs. Angemeldet waren 1000 Demonstranten. Da die Sache sehr schnell aus dem Ruder läuft, wird die Veranstaltung von der Polizei abgebrochen. Gegen die Initiatoren soll es eine Strafanzeige geben. Die Demonstranten fordern ein Ende aller Auflagen. Masken tragenden Passanten brüllen sie „Maske weg!“ entgegen. Das alles bei gleichzeitig steigenden Infektionszahlen. Die Kundgebung am Brandenburger Tor ist unter

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Standort

Donnerstag. Diese Stille, wenn alle wieder weg sind. Sonne auf der Terrasse, ein Windhauch durch die Balkontür. Stillstand, wohltuender, wenigstens für heute. Gestern ein Tag der Abschiede: Von meiner Lieblingslerngruppe mit Wehmut auf beiden Seiten und liebevoll ausgesuchten Geschenken. Und abends von einem bizarren „Amts“jahr mit meinen Lieblingskolleg*innen in großer Runde im Meze. Jetzt: Der Roman. Noch einmal überarbeiten. Die politische Aktualität muss auf eine andere Thematik verschoben werden. Eine Sache, die sich nicht in zwei Tagen erledigen lässt. Das neue Projekt muss leider noch warten …

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