Donnerstag. Wunderbare Doku von Eugene Jarecki gestern Abend auf ARD, The King – Elvis und der amerikanische Traum zum vierzigsten Todestag des Rock’n’Rollers: Nachdenklich, melancholisch, aufwühlend … Stellt eine Verbindung her zwischen dem Verfall des amerikanischen Super- und Herzeige-Stars und dem Verfall Amerikas. In ihrer Deutlichkeit deprimierende Streiflichter im Wechsel mit Szenen aus Elvis‘ Leben. Der traurige Held als Metapher, einem raffgierigen Manager ausgeliefert, den nie sein Talent interessierte, sondern das, was pinkepinkemäßig hinten rauskam. Widerlicher, menschenverachtender Typ, und Elvis, der naive Junge vom Lande, ist stolz auf die Aufmerksamkeit, lässt sein Talent verkommen und folgt der Spur des Geldes,
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Nebenschauplatz
Mittwoch. Auf der Suche nach Batterien für die PC-Maus mitten in der Nacht anfangen Schubladen zu putzen …
WeiterlesenRekordjuli
Dienstag. 40 Grad draußen und drinnen 40 Grad, nicht rausgehen, arbeiten, arbeiten, nicht rausgehen, der Himmel ist schmutzig, der Regen hält nicht an, der Regen hält nicht, was der schmutzige Himmel verspricht.
WeiterlesenLeben in zwei Welten
Sonntag. Ye und auch T. sind ausgezogen, es ist wieder ruhig, leise in meiner Wohnung, so leise, dass es manchmal schmerzt, aber der Schmerz geht vorbei, das weiß ich, und ich muss ja arbeiten, seit beinahe einer Woche bin ich schon im Arbeitsmodus, im anderen Arbeitsmodus, feile am Manuskript, kürze zu Ausschweifendes, pointiere allzu Vages, schreibe die Kapiteleinführungen, das vor allem: Kurze Essays, in denen jeweils eine konkrete Eigenerfahrung den Ausgangspunkt bildet, was im einen oder anderen Fall noch einer Idee bedarf, was natürlich noch die Hauptarbeit ist … Sechs Wochen habe ich Zeit, keinen Tag länger. Arbeitsferien. Kein Urlaub.
WeiterlesenDirektsaft
Donnerstag. Keine Ahnung, wie die Fachkraft von Alnatura das angestellt hat, jedenfalls liegt das Zeug plötzlich in meinem Warenkorb und schon auf dem Weg zur Kasse zweifle ich, ob ich es trinken werde. Es kostet 18 Euro, was mir für so ein kleines Fläschchen ziemlich viel vorkommt. Wahrscheinlich hat sie die Tun-Sie-sich-doch-mal-was-Gutes-Platte aufgelegt, für die ich, ihre Durchschaubarkeit übergehend, offenbar empfänglich bin. Das Gute besteht in einer unscheinbaren braunen Flasche, genauer, in 330 ml hundertprozentigem Aloe Vera Saft. Diese Flasche, verpackt in eine grün-weiße Schachtel, steht anschließend über ein halbes Jahr (es war um Weihnachten rum) am Küchenfenster und macht mir
WeiterlesenBayerAG und die Nachhaltigkeit
Sonntag. Geschieht Bayer recht! Eine Prozesslawine rollt auf den Chemieriesen zu. Nachdem Hunderte Landwirte, Gärtner und andere mit Glyphosat kontaminierte Ankläger an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und einige mittlerweile schon gestorben sind, nachdem deutlich der Verdacht im Raum steht, dass Monsanto, die Erfinderfima des Pflanzenvernichters, massenhaft Studien bezahlt habe, um die Harmlosigkeit des Teufelszeugs zu belegen, hat ein US-Bundesrichter in Kalifornien nun endlich mehrere hundert Klagen gegen Bayer/Monsanto zugelassen. Seit zwei Jahren hat Bayer alles darangesetzt, Monsanto zu vereinnahmen. Seit Juni 2018 ist der US-Saatgutriese in deutscher Hand. Seit Jahren stehen US-Klägeranwälte mit zahlreichen Sammel- und Einzelklagen gegen Monsanto in der Warteschleife.
WeiterlesenAch Mensch, Irene
Samstag. Begegnungen können traurig und glückvoll und klärend in einem sein. Am Anfang steht eine E-Mail. Des Absenders Frau war meine Freundin Irene Mieth. Wir waren Freundinnen und Kolleginnen und saßen jahrelang am selben Tisch im selben Zimmer. Wir redeten über Gott und die Welt im wahrsten Sinne des Wortes und manchmal auch über Kosmetikprodukte. Der Altersunterschied zwischen uns spielte keine Rolle. Irene war eine schöne, stolze Frau. Sie hatte den Gang einer Königin. Sie hatte das, was ich unter Haltung verstehe. Sie sagte ihre Meinung, sie hatte intellektuell den Durchblick, sie schrieb einige Bücher und sie leistete gute Arbeit.
WeiterlesenSieger
Montag. Etwa dreißig vermummte Jugendliche zertrümmern auf der Champs-Elysées die Fensterscheiben der Weinhandlung Publicis Drugstore. Beim Beutemachen von Wein- und Champagnerflaschen filmen sie sich selbst mit ihren Handys. In Frouard nahe der ostfranzösischen Stadt Nancy werden ein dreijähriger Junge und zwei sechsjährige Mädchen schwer verletzt, als sie während der Siegesfeiern von einem Motorrad angefahren werden. Der Motorradfahrer flüchtet nach Angaben der Behörden. In Saint-Félix in Nordfrankreich stirbt ein Mann in den Dreißigern, als er kurz nach dem WM-Spiel in einen Baum rast.
WeiterlesenLegendenbildung NSU
„Am 4. November 2011 nehmen sich zwei Männer in einem Wohnmobil in Eisenach das Leben – die beiden Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.“ Mit diesem Satz beginnt spiegel.de den ultimativen Aufklärungstext über den NSU-Endlosprozess gegen Beate Zschäpe, der heute nach fünf langen Jahren mit der Urteilsfindung zuende gehen soll. Spiegel steigt also gleich mal mit einer entsetzlichen Unwahrheit ein. Alle Erkenntnisse über den angeblichen Selbstmord der beiden Uwes lassen darauf schließen, dass sie sich eben nicht selbst getötet haben. Genauso wenig, wie die insgesamt sechs (!) jungen, toten Zeugen und Zeuginnen dieses unseligen Prozesses. Aber die Medien schließen sich
WeiterlesenKleine Ergänzung: Pygmalion
Mittwoch. Eine der bekanntesten Künstlermythen aus der Antike ist die in Ovids „Metamorphosen“ erzählte Geschichte von Pygmalion. Der Bildhauer, von den Frauen enttäuscht, verliebt sich in eine von ihm geschaffene Statue, in späteren Adaptionen Galatea genannt. Auf seine Bitte hin wird diese von Venus zum Leben erweckt. Der Mythos ist die poetisierte Version vom Traum des Künstlers von der Beseelung seiner Schöpfung und wurde nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in Literatur und Theater immer wieder aufgegriffen, thematisiert und je nach Zeitkontext variiert. (http://www.projekte.kunstgeschichte.uni-muenchen.de/Paragone/legenden_pygmalion.html)
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