Samstag. Ja, und in diesem anderen „Amt“ haben sie mir jetzt einen Job angeboten. Das hätte ich als Allerletztes erwartet. Denke nun aber dauernd darüber nach. Warum?, das frage ich mich. Ein „Amt“ ist wie das andere unterm Strich, und mein „Amt“ ist okay. Vielleicht fühle ich mich einfach nur irgendwie geschmeichelt … Ye hat heute ein Date. Endlich sitzt sie nicht nur in ihrem Zimmer, das kommt mir schon ganz rätselhaft vor. PM bleibt dieses WE in B.N., unser Sommerfest vorbereiten … viel, viel Arbeit. Ein WE ohne ihn: blöd. Er fehlt. T. hatte gestern e. Auftritt, schläft noch,
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Hunde schlafen
Freitag. Meine Mädels wollen heute wissen, wie alt ich bin. Ich sage, irgendwas zw. 29 und 70. Sie lachen und fragen nochmal: Nee, echt jeeetzt! Warum das wichtig sei, frage ich sie. Wenn ich mich für einen Menschen interessiere, interessiert mich nie sein Alter. Klar kann ich grob einschätzen, ob jemand jünger oder älter als ich ist – mehr auch nicht. Mit achtzehn war ich in einen Sechzigjährigen verknallt, mit 25 in einen Neunzehnjährigen. Leute, die frei im Kopf sind, behaupte ich jetzt mal, denken nicht in diesen Kategorien. Das Alter ist nämlich eine sehr konventionelle Kategorie. Im Vergleich zu manchen
WeiterlesenRollenerwartung – Individualität und Sozialität
Donnerstagmorgen. Prüfungsvorsitz in einem anderen „Amt“ in einer anderen Stadt, mal schauen, wie sich der Tag gestaltet … ich mach heute die Perlenohrringe tragende Esprit-Tante … so seriööös … von der Rollenidentität zur Ich-Identität, sometimes that’s a giant step for me …
WeiterlesenMister Vollmond
meint, er könnte sich verstecken. Klappt nicht, Scherzkeks. Bei der löcherigen Wolkendecke!
WeiterlesenWie mit Gift sehr viel Geld gemacht wird
Montag. Monsanto heißt jetzt nicht mehr Monsanto. Die Bayer AG hat den anrüchigen Namen des Chemie- und Saatgutkonzerns ausgelöscht, seit sie ebendiesen verschluckt hat. Monsanto richtet zwar immer noch genauso viel Schaden an, aber nun unter dem Deckmantel des Leverkusener Pharmakonzerns. Monsanto ist der Erfinder und Vertreiber der alles tötenden Pflanzengifte Agent Orange und Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat und gleichzeitig des genveränderten Saatgutes, das eben gegen Glyphosat resistent ist! Die Bauern müssen also beides kaufen, denn das Glyphosat bleibt nicht auf den Äckern liegen; es fliegt durch die Luft und vernichtet alles, was diese Resistenz nicht aufweist. Natürlich
WeiterlesenJeder stirbt für sich allein
Sonntag, B.N. Am Nachmittag ist L. mit Familie da. Das ist das Glück, einfach full Life und in jeder Hinsicht fordernd und erfüllend … Abends mit PM nach Bonn ins Theater, letzte Vorstellung von Jeder stirbt für sich allein nach Fallada von der Regisseurin Sandra Strunz. Abgesehen von der Leistung, aus einem 700-Seiten-Roman (den Fallada in vier Wochen niederschrieb u der erst posthum bei Aufbau veröffentlicht wurde) ein Rollenbuch zu machen, ist diese Aufführung eine geradezu expressionistische Zusammenschau von ausdruckstänzerischen Choreographien, Rahmengesängen als Reminiszenz an den antiken Chor, mixed Songs aus der Kriegszeit – Schlager, Soldatenlieder oder auch mal das Horst-Wessellied
WeiterlesenMöglichkeiten
Freitag. Ich habe fertig! Die schlimmsten Korrekturen (fürs „Amt“) sind vorbei, alles andere kommt mir dagegen jetzt wie Peanuts vor. Auch die drückende Hitze hat sich verzogen, Sonne, der Duft von Blumen, weiße Wolken und Wind – Nordseewetter!, das Köfferchen ist vollgepackt mit Arbeit, die Spaß macht, und schönen Klamotten, die schönste Möglichkeiten enthalten, denn gleich, gleich fahre ich nach B.N.
WeiterlesenUSA raus
Donnerstag. Die USA kündigen ihren Austritt aus der umstrittenen UN-Organisation der Menschenrechte an. Begründet wird ihr Schritt mit der israelfeindlichen Haltung des Gremiums. Hatte dieses doch in den vergangenen Jahren zahlreiche Resolutionen gegen Israel verabschiedet, während die Verletzungen der Menschenrechte in anderen Ländern gerne unthematisiert blieben. Offiziell soll der UNO-Menschenrechtsrat die Einhaltung der Menschenrechte weltweit überwachen. Was dann tatsächlich passiert, steht auf einem anderen Blatt. Und so erscheint der Rat wie ein lächerlich absurdes Theater, ein Fakegremium, in dem eine Ansammlung von schlimmen Fingern, Diktatoren und Autokraten, die Menschenrechte in ihrem eigenen Interesse auslegen, solange ihre Entscheidungen von einigen wenigen
WeiterlesenAmeise
Dienstag. Mein schönes Leben ist gerade unterirdisch langweilig. Man könnte auch sagen, ich führe das Leben einer Ameise. Nicht denken, arbeiten, Kopf runter! Kopf nur für Fehlersuche da. Immerzu immer das gleiche, pickpickpick, die guten ins Kröpfchen, die schlechten ins Töpfchen, womit wir von der Ameise zur Taube kommen, die ja nun nicht gerade für Fleiß steht, eher für Stupidität. Und die kann ja durchaus mit dem Fleiß eine Einheit bilden. Heute Abend mache ich meine Möhren-Sellerie-Ingwer-Suppe, die mögen alle, ist ja auch ein asiatisches Gericht.
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