Sonntag. Zusammen Geburtstag feiern (PM) / uns feiern / Pläne machen. Alles, was ich liebe …
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Einzeltäterin – Hélène Gordon-Lazareff
Freitag. „Ernst im Leichten, Ironie im Schweren“ – cooles Motto für Schreibende von ELLE-Begründerin Hélène Gordon-Lazareff. Die Journalistin und studierte Ethnographin war die erste, die Politik, Feminismus, Kultur und Mode unter einen Hut brachte. Ihr neues Konzept überzeugte schnell, die erste ELLE-Ausgabe erfolgte am 1. Oktober 1945. Die Themen des Heftes bewegten sich zwischen Frauenwahlrecht, Rezepten und wie man aus alten Kleidern neue Modelle zaubert. Sich als Intellektuelle und Feministin für Mode zu engagieren, stellte für sie keinen Widerspruch dar. Während so unaufbauende Themen wie die never ending Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche (alles Einzelfälle), immer Neues von der MeToo-Front
WeiterlesenWieso gehen?
Sonntag, B.N. J. ist wieder fast der Alte. Es geht ihm gut, er kann arbeiten, flitzt mit seinem Sportwagen quer durch die Republik und hat Aufträge. A. passt auf ihn auf. Sie sind so ein attraktives und eingespieltes Zweierteam, dass man sie dauernd anstarren möchte. Für A. ist J. der Schönste, für J. ist A. die Schönste, so einfach ist das. Am frühen Abend gehen wir zu viert – J. & A. + PM & ich – ins Milano, J. hat Geburtstag, den wollen wir feiern und auch, dass er wieder fast gesund ist, es hatte ihn um Silvester herum schlimm
WeiterlesenDie gute Tat
Freitag. Ganz spontan geht Kollegin P. mit mir nach unten, um mir bei etwas zu helfen, worüber ich mich freue, denn ich habe sie nicht darum gebeten. Da sagt sie noch im Gehen, das sei jetzt ihre gute Tat und damit sei sie für heute durch. Ich sage mir, dass ich es prima finde, für jemanden die gute Tat zu sein. Ich biete mich direkt noch für den nächsten Tag an, aber Kollegin P. meint, so gehe das nicht, eine gute Tat müsse sich immer aus dem Augenblick heraus ergeben und es sollte auch nicht zwei Mal hintereinander dieselbe Person
WeiterlesenNett, netter, am …
Mittwoch. Alleinlebende Frauen und Handwerker – auch so ein Thema. Mit Fachkenntnis kannst du nicht punkten, ist auch nicht gefragt. Also Brötchen schmieren und Kaffee kochen und NETT SEIN. Im besten Fall bist du jetzt die Mutti und sie erzählen dir ihr Leben (was ich mag, weil es manchmal die tollsten Geschichten befördert). Flirten ist auch noch okay. Im schlimmsten Fall checken sie deine Wohnung, als wollten sie gleich übernehmen. Das sind die Nassforschen. Die sich irre witzig finden, aber ganz schnell stinkstiefelig werden, wenn du nicht mitlachst. Da kommst du dann schwer ins Grübeln, was tun. Weil sie noch
WeiterlesenTreppe aufwärts
Dienstag. Verfassungsschutzpräsident Maaßen hat ziemlich viel Mist gebaut und muss gehen. Merkel, Seehofer und Nahles haben das heute beschlossen. Darüber wird er aber nicht so traurig sein, denn gehen müssen heißt im bundesdeutschen Beamtenapparat nicht wegmüssen. Maaßen wird jetzt Staatssekretär im Innenministerium. Die GroKo hat sich damit bis auf weiteres hinübergerettet und alle sind zufrieden, am meisten wahrscheinlich Maaßen selbst. Wie man heute überall nachlesen konnte, steigt sein Grundgehalt um 2580,20 Euro pro Monat auf 14.157,33 Euro.
WeiterlesenInschallah – Das Haus an der Moschee
Montag. Das Haus an der Moschee von Kader Abdohlah ist ein wunderschöner Roman, der die Leserin in eine Welt der Poesie, der Entschleunigung und der blühenden Safranfelder entführt. Am Beispiel einer frommen und einflussreichen Familie – oder eines alten Hauses, was in dem Fall auf das gleiche herauskommt -, zeigt er sowohl die gegenseitige Faszination als auch den tiefen Graben zwischen morgenländisch islamischer und christlich geprägter, abendländischer Kultur auf. Männer, die von Frauen gewaschen und angezogen werden, die ihre Nägel geschnitten und das Essen mundgerecht gereicht bekommen, stehen neben bzw. über Frauen, die noch nie über eigenes Geld verfügt und deshalb nie
WeiterlesenAlleinsein
Die erste Woche im „Amt“ war – okay. Ich vermisse W., der leider nicht mehr mein Kollege ist, dafür aber noch mein Freund und Nachbar, weshalb wir gestern gemeinsam den umbrisch-provencalischen Markt in Tübingen besuchten und ein paar Sachen einkauften, die man eben so kauft auf so einem Markt: Seife, Gewürze, einen Olivenholzlöffel für L. und eine Feigensalami, die beim Kauen knirscht und knackt vor lauter Feigenkernen. Das Wochenende war ich alleine in Tü, und das hat nach der langen Zeit in B.N. gut getan. Manchmal muss man sich selbst genügen. Den Staub von den Regalen wischen. Die Dinge gerade
WeiterlesenSo genau …
Sonntag. Der Bundestag hat die Beteiligung am Syrienkrieg beschlossen. „Für welche Seite sind wir dort im Einsatz?“, fragt Klaas Butenschön die Abgeordneten, als sie den Plenarsaal verlassen. Eigentlich die nächstliegende Frage (wenn schon nicht klar ist, was deutsche Soldatinnen und Soldaten überhaupt in Syrien verloren haben). Die Antworten muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Waldemar Westermayer (CDU): „Wir sind …, tja, eine gute Frage…“ Thorsten Hoffmann (CDU): „Wir sind natürlich für die Gemeinschaft.“ Roland Kiesewetter (CDU): „Wir kämpfen für die Interessen Europas und Deutschlands.“ Dorothee Schlegl (SPD): „Auf der Seite der Menschen.“ „So genau kenne ich mich da
WeiterlesenVerantwortlich
Durch die schöne, grüne Südstadt läuft eben eine vor mir her, als ihr plötzlich eine Kastanie auf den Kopf fällt. Die landet auf dem Boden und rollt mir vor die Füße. Also, das ist doch wohl ein Fall für die Versicherung!, sagt die Frau, während sie sich den Kopf reibt. Sehen ja hübsch aus, aber müssen die überm Gehweg wachsen? Na klar, sage ich, die gehör’n alle abgesägt. Sie guckt mich an und weiß nicht, was sie von mir halten soll. Sicherheitshalber wechsle ich die Straßenseite.
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