Potential

Kreative Lebensmodelle Zu viele Menschen leben zu alleine in zu großen Wohnungen und schlucken zu viele Tabletten gegen zu viel Traurigkeit und gegen zu wenig Perspektiven. Heute Morgen habe ich direkt einen neuen Beruf erfunden: Lebensbegleiterin. Natürlich ist der nicht neu, früher hieß das Gesellschafterin (ich glaube, es gab ihn nur in der weiblichen Variante), aber das ist es ja, worauf es ankommt: Alte Dinge mit einem neuen Namen zu versehen, und schon hast du das Gefühl, die Welt neu erfunden zu haben (Prinzip Schuldidaktik, das Neueste ist jetzt der Erzählende Lehrer, harrr harrrr!, das nur nebenbei). Warum sind so viele Menschen,

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ArbeitsStruktur

Montag. Vormittags Arbeitsfrühstück in Hamburg mit dem Literaturagent. Superergiebiges Gespräch über Kernfragen, Zielgruppe und Struktur des Buches. Jetzt gleich Ankunft in BN. Und PM kann mich nicht vom Bahnhof abholen, diesmal. Komisches Gefühl. Wörter des Tages: Bilanzselbstmord. Hellweg. Streiflicht.

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Gut

Sonntag, Kiel. Eventuell gibt es noch einen neuen Interviewpartner, auch aus Berlin. Gestern die Akquise gestartet, es wäre wunderbar, wenn das klappen würde. Bis drei Uhr früh am Einleitungstext gearbeitet. War wie besoffen, alle Gedanken haben sich ineinander verschoben vor Müdigkeit und Stress wegen der Session am Vorabend. Der Text wird gut. Die Interviews sind gut. Texte mit Aussage. Es sind alles Leute, die etwas zu sagen haben. Selten gutes Gefühl der eigenen Arbeit gegenüber. Ich freue mich auf alles Weitere …

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Alles auf Reset

Samstag, Kiel. Geschwisterkonferenz, von Jerome moderiert. Maximal verfahrene Ausgangslage. Verletzungen auf beiden Seiten, verdichtet zu Betonmauern. Baustoff: Missverständnisse, Aggression, Ignoranz zu etwa gleichen Teilen. Agreements: Zuständigkeitsbereiche neu ausgehandelt, es gilt das Ressortprinzip. Kommunikationsstandards:  Nachrichten auf sämtlichen Kommunikationswegen über Jerome. Nicht nur in die Tasten hauen – absenden, sondern auch lesen! Alles auf Reset?

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Von Menschen und Krankheiten

Donnerstag, Kiel. Seit zwei Tagen bei Jerome und Beret (das letzte Mal Frühjahr 2014 hier). Große Freude beim Wiedersehen. Jerome geht es nicht gut, die MS, diese Scheisskrankheit, hat ihn im Griff. Beret und er lachen viel zusammen. Jeromes Beine knicken weg und sie lachen, sie stehen zusammen unter der Dusche und ich höre sie lachen und fluchen gleichzeitig, der Rollator fliegt mit großem Gepolter die Treppe runter, sie sehen ihm von oben hinterher, Beret Jerome um die Taille haltend, und kippen sich aus vor Lachen, Jerome wacht in der Nacht auf dem Boden vor seinem Bett auf oder auch

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Gestern bei Hagen Rether

Montag, B.N. Ein Abend mit Hagen Rether in der ausverkauften Bonner Oper. Politisches Kabarett? Gelacht wird, aber noch eher gedacht. Da redet einer dreieinhalb Stunden – okay, abzüglich der halben Stunde Pause – auf höchstem Niveau, um im Schnelldurchgang sein Weltbild zu präsentieren. Und das umfasst fast alle Bereiche: Flüchtlinge, die er lieber Heimatvertriebene nennt, ungesühnte sexuelle Missbräuche in der katholischen Kirche, Waffenexporte nach Saudi Arabien, Gewalt gegen Frauen, worüber sich kein einziges Politmagazin, keine Talkshow echauffiert, TTIP, wobei der eigentliche Skandal nicht das Chlorhühnchen ist, sondern dass wir überhaupt noch Hühnchen essen – Rether ist Veganer – und dass im Zuge

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Süßer König Jesus

Sonntag. Süßer König Jesus von Mary Miller ist ein Roadmovie. Bei manchen Roadmovies fragt man sich, warum sie eigentlich geschrieben wurden, denn leider ist nicht jede(r) AutorIn, die/der sich an dem dauerangesagten Genre abarbeitet, ein Jack Kerouac oder Philippe Djian. Bei Süßer König Jesus stellt sich die Frage nicht. Dieser Roadmovie steuert ein Ziel an: Die Entrückung! Eine ganze Familie hockt tagelang im Auto auf dem Weg von Alabama nach Kalifornien, dem Untergang der Welt und damit verbunden der Erhebung auserwählter  Christen – also auch ihrer eigenen – entgegen. Unterwegs heißt es für die evangelikale Kleinstgruppe, Vater, Mutter und zwei

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Standortwechsel

Mittwoch, B.N. Seit gestern stehen meine Möbel bei PM im Keller: Die alte Standuhr, der runde Esstisch, drei Stühle (wo ist der vierte?), ein Nähtischchen, eine Marmorfigur. Immerzu muss ich runterrennen und mir das ansehen. Ein schönes Gefühl: Meine Möbel, im PMs Haus. Vor ziemlich genau siebzig Jahren hat meine Oma v.seits die Sachen aus Naumburg a. d. Saale über die grüne Grenze geschafft. Zu dem Zweck hatte sie jemanden von der Bahn bestochen oder becirct, wahrscheinlich letzteres, sie war eine taffe und schöne Frau, um schließlich einen ganzen Eisenbahnwaggon für sich alleine zu bekommen. Für ihre Möbel und ihren

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