… Statuskonform zum Beispiel. Finde ich ein enorm brauchbares Wort. Hab es kürzlich im Zusammenhang eines Berichts über Doping und die gruseligen körperlichen und psychischen Auswirkungen auf die Konsumenten – bis hin zur genetischen Manipulation und damit Missbildungen der nachgeborenen Kinder – mitgenommen. Manchmal fühle ich mich von einem Wort wie angefixt. Oder vom Anblick zweier Farben, die aufs Wunderbarste harmonieren. Khaki und Pink. Grün und Senf. Oder von der Stille des Augenblicks. Das ist Adrenalin pur. Das sind die Momente, in denen Entscheidungen fallen. Auch, wenn du es gerade nicht merkst.
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Vibrations
Mittwoch, Berlin. Interview im Kasten. Sehr charmanter Gesprächspartner. Good Vibrations. Er hatte auf das eigentliche Thema nicht so wirklich Lust, was eine gewisse Herausforderung darstellte (Verwendbarkeit?). Viele Hintergrundgeräusche, Geklapper, Geklirr, Interview fand bei Dressler, seiner Lieblingslocation, statt. Anschließend aßen wir gemeinsam zu Abend und er erzählte noch ein bisschen außer der Reihe, bis seine Vorstellung begann. Als wir zusammen auf die Straße traten, stand da schon die Schlange vor der Theaterkasse, und alle glotzten. An dieses Gefühl ist er gewöhnt, ich nicht. Er ist ein unangepasster Typ. Lebt anders, redet anders. Interessiert sich für anderes. Soweit ich das beurteilen kann.
WeiterlesenHaus an der Havel
Sehr ergiebiges Arbeitstreffen zu viert in der sehr sehenswerten Wohnung der Schriftstellerin Herma K. und ihrem Mann in Charlottenburg. Pralinen von Café Fester – am Spandauer Marktplatz – mitgebracht. Sie wurden überschwänglich gelobt und sofort aufgegessen. Für fünf Tage wohne ich jetzt in Berlin-Spandau bei H. und K. Ihr Haus steht direkt an der Havel in einer Sackgasse, die parallel zur Straße verläuft. Dahinter liegt, aus Bad- und Küchenfenster einsehbar, ein wilder Garten mit haushohen Birnbäumen. Noch weiter hinten eine alte, von Pflanzen größtenteils verdeckte Mauer. Das Haus ist irre groß. Es geht über drei Etagen und hat komplizierte Anbauten mit beängstigend niedrigen Dienstmädchenkammern. Es hat auch
WeiterlesenVon Anfängen
Montag, Berlin. Gestern: Familientreffen der Kaskelines bei Sonnenwetter in cooler Location: Im Bootshaus Stella am Lietzensee. Kein überkandideltes Hallihallo. Statt dessen lauter zugewandte, moderne und freundlich eigenwillige Persönlichkeiten. Künstlerinnen, eine Buddhistin, ein paar Ärzte, sogar ein Beamter, über Berufe wurde kaum gesprochen, viel über familiäre Zuneigungen, über Animositäten nur indirekt, über Verletzungen und Gefährdungen/Zerbrechlichkeiten gar nicht, aber spürbar als Kehrseite der künstlerischen und autobiographischen Auseinandersetzung. Angenehm: Es sind Leute, die sich über nichts wundern, du kannst alles erzählen, und sie ersparen dir die Wertung. Sie wissen Bescheid, sie haben selbst genug erlebt. Im Mittelpunkt stand immer wieder das Kaskeline-Trickfilm-Studio, der jüdische Background,
WeiterlesenReisen und arbeiten
Samstag Morgen. Die Pariser Höfe, die sie neben dem Stuttgarter Hbf hochgezogen haben, dieser kumulierte Waschbeton, hat eigentlich mit Paris so ziemlich gar nichts zu tun. Stuttgart und Paris haben überhaupt gar nichts miteinander zu tun. Soll wohl Weltflair einhauchen, ist aber nur ein Name für eine weitere gesichtslose Ansiedlung. Der ICE ist voll, pünktlich und die Fahrt bisher katastrophenfrei. Bin sehr müde, bis 4 Uhr früh das Interview mit J.B. bearbeitet. Fertig geworden, endlich! Es umfasst fast 20 Seiten, klar zu lang, aber alles so interessant und liebenswert, dass ich nicht weiter kürzen möchte. Jetzt Kopf frei für das nächste.
WeiterlesenFaschos auf türkisch
Freitag. Was da in der Türkei los ist … Aufruf zu blindwütigem Hass. Der Mob darf prügeln und messern, es ist eine Hatz auf die Intellektuellen. Am Sonntag demonstrieren sie in Köln pro Erdogan! Bis zu 30.000 Teilnehmer werden erwartet, die türkischen Neofaschos werden ihre Fahnen schwenken und viel Bullshit proklamieren und eine Schneise von verbaler und körperlicher Gewalt nach sich ziehen. Bizarr: Sie demonstrieren für einen Präsidenten, der in seinem eigenen Land Demonstrationen untersagt.
WeiterlesenGigi Hadid und Kendall Jenner tauschen was
Wie sich die mentale Beschaffenheit unserer Gesellschaft auf kleinstem Raum und sogar ohne Worte umschreiben lässt, das hat Balmain-Kreativchef Olivier Rousteing (sicher unabsichtlich) gezeigt, indem er (sicher kalkuliert) gezeigt hat, wie man zum Talk des Tages wird: Er ließ die It-Models Gigi Hadid und Kendall Jenner die Haarfarbe tauschen. WOW! Hadid ist jetzt brünett und Jenner blond. Wow wow wow, der Wahnsinn! Mit solchen News erobern Kreative Instagram.
WeiterlesenDer junge Mann
Donnerstag. Gestern beim Friseur saß neben mir eine Frau, so um die Dreißig, im Rollstuhl. Sie hatte kinnlange Haare, die ihr eben geschnitten wurden, kürzer, aber nicht ganz kurz, noch war nicht zu erkennen, wie der Schnitt werden würde. Irgendwas in ihren Augen hielt mich fest, und ich sah nochmal und nochmal rüber und dann merkte ich, dass es sich gar nicht um eine junge Frau handelte, sondern um einen sehr jungen Mann. Ich war sofort elektrisiert – die Thematik Gender-Identität, Transsexualität, Androgynie, Cross-Dressing interessiert mich seit jeher – und überlegte mir die Geschichte dahinter, was man eben so denkt,
WeiterlesenWas ich schon immer mal
Dienstag. … tun wollte? Nö, bedaure, da fällt mir nichts ein. Was sollte ich schon tun wollen, was ich nicht tun kann? (Boah!) Eine andere Sache ist: Was ich schon immer mal sagen wollte! Andererseits betrifft das zu Sagende meistens die Vergangenheit. Und die ist, wenn vielleicht noch nicht verdaut, so doch gegessen. Der Adressat ist zu alt oder zu tot oder er hat die Angelegenheit, um die es geht, gar nicht mehr auf der Agenda. Es gibt da diesen Point of no Return, da sind die Würfel gefallen. Worte lösen keine Reaktion mehr aus außer Verwunderung oder Langeweile. Es
WeiterlesenDeutschland im Sommer
Vielen Dank für meine schlechte Laune. Wie gut tut mir die schlechte Laune – Verpiss dich, Taubenmissgeburt! -, dabei habe ich gerade so ein feines Brötchen gegessen mit Käse, Ei und Blattsalat. Vielen Dank auch für das Brötchen. Und den Zugausfall mit Angabe von Gründen. Für die SMS natürlich, die beschwichtigenden Worte. Und für den Schreiber der SMS. Für den ganz besonders. Danke fürs Nichtweiterfahren. Dass ich hier bin und nicht im Olympiakaufhaus. Oder am Strand von Nizza. Oder im Zug nach Würzburg. Wo die Schüsse fielen. Und für die Sonne. Hab Sonne im Herzen und auf dem Perron. Großen
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