Liebesbus

Samstag, B.N. Nach über einem Jahr bin ich gestern mal wieder mit meiner alten Mitfahrgelegenheit Flo gefahren. Sein Bus ist voll. Sieben sich bis dato fremde Personen kommen miteinander ins Gespräch, das ist jedesmal wieder eine Show. Freundlicherweise werde ich direkt vor meiner Haustür abgeholt, punkt 13 Uhr, nachdem ich knapp zehn Minuten vorher von der Arbeit angeflitzt gekommen bin. Flo und ich kennen uns gut. Nach einer früheren Fahrt hat er mir mal abends mein im Bus liegengebliebenes iPhone von Stetten am kalten Markt nach Tübingen gebracht – gegen ein Abendessen – oder einfach, weil wir uns mögen (Beitrag

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Weit über das Land

Mittwoch. Ein Mann steht auf und geht. Weit über das Land. Kommt er nach 15 Jahren zurück, oder ist er tot? Peter Stamm hat aus seinem neuen Roman gelesen und stellt gleich mal klar, dass es das gleiche Thema wie bei Agnes ist. Alles ist möglich, alles bleibt offen. Und Peter Stamm kann sogar ganz witzig sein. Seine Protagonistinnen mag er lieber als die Männerprotagonisten. Da geht es ihm wie seinen LeserInnen. Das Weggehen ist ein Dauermotiv. Obwohl er es selber niemals tun würde. Das habe er auch seinen Kindern versprochen, wie er auf Nachfrage versichert. Das wäre dann also auch

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7. März – Flüchtlingsgipfel in Brüssel

Montag. Das ZDF verdreht Zitate eines Assad-Interviews, Erdogan konfisziert regierungskritische Zeitungen, lässt auf demonstrierende Frauen schießen und Kurden erschießen, Merkel leckt Erdogan die Füsse und schiebt ihm drei, nee, wohl eher sechs Milliarden zu, auf dass er die Außengrenze sichere, die europäischen Staaten verzichten solange auf ihre Mitverantwortung für die menschenunwürdigen Situation der Flüchtlinge, die USA zündeln an allen möglichen Kriegsschauplätzen, hin und wieder fliegt dabei auch mal ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in die Luft, erfährt aber keiner, wer es war, in Syrien hat niemand mehr den Überblick, wer alles mit- oder gegeneinander zündelt, und Putin ist an

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Kulturwochenende

Sonntag. Gibt es etwas Schöneres im Moment als Robert Seethalers Ein ganzes Leben? Heute Nacht zu lesen angefangen und nicht mehr aufgehört. Ein Buch mit starken Bildern und leichter, manchmal träumerischer Sprache, die geeignet ist, dein Fühlen zu verändern. Demian gestern Abend im LTT war – ganz gut. In der dramaturgischen Umsetzung sogar sehr gut. Ist halt Hesse und sehr textlastig und Hesse heißt eine nicht enden wollende Aneinanderreihung von Weisheits- und Kalendersprüchen, was für mich als Sprüchehasserein stellenweise schwer erträglich ist. Jennifer Kornprobst ist dabei, ich mag ihre definierte, angenehme Stimme. Den Sinclair spielt Lukas Umlauft, und Heiner Kock

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WE

Freitag Nachmittag. Arbeit vorbei, Wochenende, einkaufen, Käse, Schinken, Obst und italienisches Brot vom Markt, heute Abend kommt PM, Überraschung: Karten fürs LTT am Samstag (Demian) …  

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Doppelleben

Donnerstag. Mit T. im HAUPTbahnhof gegessen. Knallvoll wie immer abends, gute Stimmung. T.  erzählt von seiner Arbeit in Stuttgart. Er erzählt von einer Freundin, die jahrelang ein Doppelleben geführt hat mit zwei Wohnungen und einer abstrusen kriminellen Karriere, die jetzt im Knast endet. Durch Unterschlagung einer fünfstelligen Summe vom Konto einer anderen gemeinsamen Freundin und Finanzaktionen in deren Namen ist sie aufgeflogen. Sie war der Polizei seit längerem bekannt, weil schon mal verurteilt, was aber im Freundeskreis niemand wusste. T. sagt, jetzt kenne er zwei Menschen mit prekärem Doppelleben: M., der einmal mein Mann war, und diese Freundin. Er ist

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Werkstattbericht

Mittwoch. Gerade zurück aus Stuttgart. Lesung mit meiner Schreibwerkstatt in der neuen Stadtbibliothek im neuen Viertel neben dem Hauptbahnhof. Meine Mädels sind die dritte Gruppe der Veranstaltung, und jedesmal wieder ist es so ein mega cooles Gefühl, die Texte der anderen zu hören und ganz genau zu wissen und mit jeder Sekunde wächst die Gewissheit: Wir sind besser. Wir werden gleich die Bühne rocken. Das gibt mir so eine geile Sicherheit, und dann denke ich an meine zweijährige Ausbildung im Stuttgarter Literaturhaus und weiß, wofür ich sie gemacht habe und dass sie Früchte trägt, sozusagen. Es kommt genau wie erwartet.

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Colonia Dignidad

Sonntag, B.N. Colonia Dignidad – es gibt kein Zurück ist wahrlich kein Stoff für einen kuschligen Filmabend. Danach bist du erstmal platt. Die Bilder der KZ-ähnlichen deutschen Kolonie in Chile, vermittelt durch den ekelhaft guten Michael Nyqvist in der Rolle des bösen Sektenführers Paul Schäfer, sind bestens geeignet, dich bis in den Schlaf zu verfolgen. Über die politische Aussage hinaus werden sie nämlich zur allgemeingültigen Metapher für Machtmissbrauch und (sexuelle) Unterwerfung. Der wichtigste Satz: „Menschen foltern ist keine Kunst. Aber sie zu brechen, ohne sie körperlich zu verletzen, das ist Kunst.“ PM fühlt sich an Das Weiße Band erinnert, ich mich

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