Donnerstag. Seit Jahren gehe ich daran vorbei, und noch nie war ich im Lichtenstein essen oder was trinken. Heute also Premiere, mit T., weil unser Ratskeller geschlossen hat. Wir bekommen ausgezeichnete hausgemachte Ricotta-Ravioli und Coq au Vin mit frischem Gemüse und hausgemachtem Kartoffelpüree. Das nächste Mal will T. den Edelburger mit Salat und Pommes frites vom Nachbartisch testen. Sehr, sehr geil! Supergeil. Lichtenstein, wir kommen wieder!
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Nicht kompatibel
Mittwoch. Es gibt Menschen, die betrügen, und Menschen, die eher nicht betrügen. Betrüger und Nichtbetrüger. Das Betrügen kann man nicht nachsozialisieren. Genauso wenig, wie der Betrüger sich kaum dahingehend nachsozialisieren lässt, nicht mehr zu betrügen. Der Betrüger löst Konflikte durch Betrug. Er betrügt sich sogar selbst. Vielleicht glaubt er sich selbst. Das wäre eine Art Ehrenrettung. Vielleicht gibt es aber gar nichts zu retten. Vielleicht hat der Betrüger mit Ehre einfach nicht so viel am Hut. Weil ihm andere Dinge wichtiger sind. Der Betrüger und der Nichtbetrüger haben sich unterschiedliche Strategien der Problemlösung angeeignet. Nicht kompatibel, sozusagen. In beider Leben hat
WeiterlesenÜbereinstimmung
Letzte Woche hatte ich mir überlegt, wenn es mit Israel nichts wird, würde ich gerne nach Lissabon oder Barcelona fliegen. Heute, auf dem Weg zum Auto, sagt PM: Wenn es nun nichts wird mit Israel, dann würde ich gerne nach Lissabon, oder – Pause, Blickwechsel, – nach Barcelona fahren! Wie eine lufthauchleichte Brise ist die Überraschung, und PMs Lächeln hat so viel Swing …
WeiterlesenDer vollkommene Augenblick
Samstag 11.14 Uhr, B.N. Die Eier kochen, PM ist aus der Klinik zurück und mäht Rasen, ich habe das Batik-Shirt vom letzten Sommer an, das ich noch nie getragen habe, bringe Teller und Brötchen raus auf die Terrasse, wo die Luft mild und feucht ist, wir haben etwas vor, wir fahren heute nach Bonn ins August-Macke-Haus und am Abend ins Bell’s, und plötzlich steht die Zeit still, und es ist überhaupt ganz still bis auf den Rasenmäher, alle restlichen Geräusche sind weggedimmt von einem großen, transzendenten Schalter, weshalb ich zur Uhr sehe und denke, das ist so einer dieser Augenblicke,
WeiterlesenGestern und heute
Freitag. Freue mich auf einen sonnigen Tag und auf das Wochenende bei PM. Und die Arbeit an meinem Buchprojekt. Sehr schöner Abend gestern im Meze mit acht Frauen und Wolfgang. Laue Sommerluft, draußen eine lange Tafel, guter Weißwein und griechische Speisen und die vielen lustigen Geschichten von Nina, die immerzu Angst hat, dass ich alles gleich aufschreibe. Dabei schreibe ich fast nie was auf. Gute Geschichten bleiben hängen. H. hat sich selbständig gemacht, tolles Projekt, macht Mut. Jetzt muss ich aber erst mal zur Arbeit. Und später einen Haufen Papierkram – ist ja gar nicht mehr Papier – erledigen…
WeiterlesenLeben (und das Semikolon)
Donnerstag. … der Himmel kobaltblau; Wochenende im Anmarsch; ein Anwaltsschreiben, das sich nicht von alleine öffnet; eine liebenswürdige Briefkarte aus Eisenach; feige Grüße in einer feigen E-Mail; wenig Mut zu Neuem; mein Urteilsvermögen, meine Fähigkeit „richtig“ zu fühlen, immer noch bruchstückhaft; Pm’s SMS; Monis SMS; Pm’s SMS; persönliche Erfolgsmeldungen von L und T wämen das Mutterherz; Lebensmittel- und Getränkeeinkäufe auf dem Fahrrad gestern durch Sturzregen und Riesenpfützen; nächtliche Heimfahrt von Moni mit dem Rad durch die leere Wilhelmstraße; Augenblicke so intensiv, dass es wehtut; das Herz schlägt aber noch und der Kopf tut auch noch ziemlich weh, und das alles
WeiterlesenIsrael oder nicht Israel, das ist noch die Frage
Mittwoch. Ja, ich glaube das war’s mit Israel. Die meisten Fluglinien haben ihre Flüge nach Tel Aviv eingestellt. Schade. Sehr, sehr schade. Längeres Gespräch mit Marcus Vetter: auch er rät dringend von einer Reise nach Israel ab. Manche, so liest man, reisen jetzt gerade, so als Bekenntnis zu Israel und als Vertrauensvorschuss. Im Anschluss an den Hotel-Check-In müsstest du dann gleich mal den nächsten Bunker aufsuchen, wie es das AA empfiehlt: „Reisende sollten sich mit den vorhandenen Schutzvorkehrungen (Lage der Schutzräume) vertraut machen und ggf. die Anweisungen der israelischen Zivilschutzbehörden befolgen. Auf der Website der Deutschen Botschaft Tel Aviv sind
WeiterlesenDie Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel
Dienstag. In zwei Wochen möchte ich nach Israel fahren. Unerträglich ist mir, was hierzulande auf Großdemonstrationen an neuen antisemitischen Ausfällen in vielen Städten passiert und wieder möglich ist. Fast immer ist der Antisemitismus von einer tiefen und beleidigenden Unkenntnis des Judentums geprägt. Gerade als Deutsche möchte ich mich entschieden von judenfeindlichen Äußerungen und von vorschnellen Urteilen über den Staat Israel distanzieren. Dazu ist der Konflikt – nicht nur von unserer Warte aus – historisch zu komplex, zu verwoben und undurchschaubar, um sich ein unbefangenes Urteil zu erlauben. NUR MAL SO ZUR ERINNERUNG: DIE UNABHÄNGIGKEITSERKLÄRUNG DES STAATES ISRAEL, ERSTER TEIL: HISTORISCHE
WeiterlesenErnst Jandl: Aus der Fremde
Sonntag. Aus der Fremde von Ernst Jandl war eine Privatvorstellung im Zimmertheater anlässlich der Geburtstagsfeier von Jochen K., zu der PM und ich eingeladen waren. Die distanzierende Kraft des Konjunktivs und der dritten Person zieht sich unerbittlich durch das ganze Stück. Am Ende gipfelt sie fulminant – das sei hier vorweggenommen – in dem Tischgebet: „Käme Herr Jesus, wäre er ihr Gast und würde er segnen, was er ihnen bescheret hätte …“ Zwei Personen mittleren Alters, ein Mann und eine Frau, sitzen beim Abendessen und fragen sich gegenseitig so Sachen wie: „Ob er noch etwas wolle?“ „Ob sie tatsächlich satt sei?“
WeiterlesenEinfach
Freitag. Es ist einfach nicht einfach.
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