Annie Ernaux

Der Literaturnobelpreis 2022 geht an Annie Ernaux. Bin sehr neugierig auf sie. Kenne noch nichts von ihr, ist mir leider bisher entgangen. Lese gerade, dass sie Lehrerin und Schriftstellerin ist, das gefällt mir. Genau wie ich. Schriftstellerin, Lehrerin, Lebensgefährtin, Mutter, Vierfachbelastung mit guter Alltagsorganisation, Schreiben im Kopf (um nebenher den Einkauf zu erledigen …), das alte Thema von der Vereinbarkeit von Kunst und Beruf … Direkt bestellt: Die Scham und Das andere Mädchen …

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Kein Fake?

Freitag. Endlich lässt Selenski die Hosen runter: Notfalls dürfe die Nato auch nicht vor einem Präventivschlag zurückschrecken, fordert er. Den Medien verschlägt es ob dieses Vorstoßes – man kann’s ja mal versuchen, mag Selenski sich gedacht haben – die Sprache. Das ist sehr traurig. Anstatt uns eine Auslegung der Weltereignisse zu liefern, stellen sie sich blind und taub. Oder warten die zu Stenographen der Ampel-Regierung Mutierten noch auf das tagesaktuelle US- und NATO-getreue Narrativ? Oh, ach so, prorussisches Fakevideo … alles klar!

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Gute Tote, schlechte Tote

Donnerstag. Darja Dugina starb am 20.08.2022 auf einer russischen Autobahn durch eine Autobombe. Die Berichterstattung über den Mord an der 29-jährigen russischen Journalistin gibt in erster Linie Aufschluss über sich selbst. Ob taz oder Deutschlandfunk: Als Erstes erfuhren wir, dass sie die Tochter des  rechtsnationalistischen, terroristischen Ideologen und Putineinflüsterers Alexander Dugin war; auch Putins Hirn genannt. Wir erfuhren mehr über den Vater als über die ermordete Tochter, manche Blätter vergaßen glatt, dass sie einen eigenen Namen hatte. Den konnte man eigentlich auch vergessen, denn sie war ja eine Kriegsbefürworterin (wie zu der Zeit noch beinahe die gesamte russische Bevölkerung). Als

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Schweigen

Mittwoch. Ulrike Guérot erzählt in einem Video: Jedes Mal, wenn sie einen neuen Beitrag raushaut, läuft ihr Instagram-Account über vor shitstormigen Anwürfen gegen sie. Ihr E-Mail-Account dagegen wird im gleichen Moment von zustimmenden Mails geflutet. Ähnliches erzählte mir kürzlich eine Ladeninhaberin aus Tübingen: Täglich kommen Leute rein und lassen hinter vorgehaltener Hand ihren Frust raus über politische Weichstellungen, über die Medien etc.pp., was eben die Leute gerade so anpisst. Sag nicht mir das, fordert sie auf: Sag es öffentlich! Und dann schweigen die, die gerade noch so viel zu sagen wussten, und verlassen den Laden.

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Wem nützt es?

Dienstag. Vor ein paar Tagen also die Nachricht, dass vier Löcher in den Nord-Stream-Pipelines sind; dass unvorstellbar große Mengen an Gas ausgetreten sind. In fast allen Medien steht der Schuldige dieser unfassbaren Tat rasch fest: Russland. Cui bono? Wem nützt es / Wer hat was davon? Diese Frage stellt fast niemand. Besser als Arno Luik kann man es nicht auf den Punkt bringen.

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Lieblingsstelle

Montag. Heute ist ein schöner Feiertag. Ohne ihn, ohne die deutsche Wiedervereinigung würde es PM und mich nicht geben. * Meine Lieblingsstelle aus dem Interview mit dem Juniorunternehmer Maximilian Hillmann, das ich gerade endredigiere: „Ich bin mit Sicherheit keine Vorbildperson, ganz bestimmt nicht. Aber ich wundere mich oft, wie viele Menschen so unglaublich viel Zeit auf sozialen Netzwerken wie Instagram, TikTok und so verbringen, um die Fotos und Videos von anderen Personen zu konsumieren. Diese Menschen leben meiner Meinung nach das Leben von jemand anderem. Das ist schön, und vielleicht löst es psychologisch gesehen sogar ähnliche Glückshormone aus, eine andere

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Samstagmorgen

Während sie auf den Tag anstoßen und nach dem Zug Ausschau halten, wickeln sie ihre Steppjacken und Wollmäntel eng um die nigelnagelneuen Dirndlkleider vom chinesischen Online-Anbieter. Ihre Füße stecken in vernünftigen Stiefeln, in Sneakers mit weißen Nike-Baumwollsocken oder einfach mal in schwarzen Gummistiefeln. Aus ihren Flechtfrisuren tropft Regenwasser, die tiefgeschnittenen Dekolletés und rosa Handtäschchen reißen das natürlich wieder raus. Die Jungs tragen kurze Trachtenhosen und komische Federhüte und auch Sneakers. Manche betonen ihre Waden mit handgestrickten Stulpen. Wenn sie sich dann noch bei Opas Haferlschuhen bedient haben, sieht das plötzlich nicht mehr nach Karneval, sondern nach Griesnockerlaffäre aus. Sie halten

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Lesungen im Herbst – Frankfurter Salon

Lass und über den Tod reden Lesung und Diskussion – Freitag, 18.11.2022, 19.30 Uhr Frankfurter Salon Braubachstraße 32 60311 Frankfurt a.M. Reservierung: 069 247577756 info@frankfurtersalon.de *** Einfach schreiben! – C. Juliane Vieregge lädt Sie ein: Schnupperkurs Kreatives Schreiben – Dienstag, 22.11.2022, 17.00 Uhr Frankfurter Salon Braubachstraße 32 60311 Frankfurt a.M. Reservierung: 069 247577756 info@frankfurtersalon.de

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Zu viel

Freitag. Ich merke, dass dieser Krieg viel zu viel Raum einnimmt in meinem Schreiben und Denken. Die Sorge um meine Kinder, die noch viele, viele Jahre unter den Folgen leiden werden, raubt mir den Schlaf. Die Sorge um unsere Umwelt raubt mir den Schlaf. Klimapolitisch waren wir einmal auf einem guten Weg, jetzt sind die Ziele wieder zweitrangig geworden. Und wohl auch gar nicht mehr finanzierbar. Wie kann denn die Gesundheit unseres Planeten, unseres Lebensraums, zweitrangig werden? Müsste sie nicht das Hauptziel bleiben? Wieso findet Krieg in unserer technikbasierten, durchdigitalisierten Welt überhaupt noch Mann gegen Mann statt? Internationale Konflikte im

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