Wir sind angekommen. Paco de Arcos ist ein stiller, untouristischer Ort mit engen Straßen, unrenovierten oder sogar verfallenen Häusern, wilden Stränden, keiner Promenade, keinen Diskotheken etc., dafür gibt es kleine, nützliche Läden und ein Fischlokal erster Güte – das Restaurante Astrolabio. Wir werden überaus freundlich kulinarisch beraten und bekommen dann jeder ein großes Stück gegrillten Fisch mit gedünstetem Gemüse und kleinen Kartoffeln. Der Nachtisch ist eine Spezialität des Hauses, süß und fein! Wir hauen eine Flasche Sekt weg – die Gläser sind weiß beschlagen vom Eis, was PM begeistert – und noch eine kleinere Flasche Vino Verde. Wir sitzen im
WeiterlesenKategorie: 2014
Palacio dos Arcos
Sonntag, Lissabon. Gestern um 11.30 Uhr hob der Flieger ab und kurz darauf konntest du weit unter dir den Kölner Dom sehen – was L. wohl gerade macht, aufstehen?, arbeiten?, ist sie an diesem WE überhaupt in Köln? -, den Rhein, dann eine weiße Wolkenschicht unter dir und den blauen Himmel über dir, und knappe drei Stunden später liegt da unten der Atlantik und wie ein durcheinandergeratenes Webmuster die Stadt, deren Außenränder kein Ende zu nehmen scheinen: Lissabon. Nach der Landung und dem Warten auf das Reisegepäck fährt das Taxi nicht nach Lissabon rein, wie es der Taxifahrer wohl gewöhnt
WeiterlesenHinrichtungsvideo
Freitag, B.N. Ich habe gerade ein Hinrichtungsvideo gesehen. Völlig ungetarnt, brüllt das erste Bild dir entgegen, kaum hast du dich bei FB eingeloggt. Wild schreiende, arabischsprachige Männer stehen in einer Reihe hinter einer Reihe kniender, anderer Araber (Iraker? Syrer?), schießen zuerst in die Luft, dann vor den Knienden in den Sandboden und dann in ihre Köpfe. Das Blut schießt nach vorne raus, wie wir es aus Filmen von, sagen wir, Quentin Tarantino kennen. Die knienden Männer fallen alle zur Seite und rühren sich nicht mehr. Aber das reicht den Blutrünstigen nicht, dass die Hingerichteten – die Gottesfeinde? – tot sind.
WeiterlesenIm Sudhaus mit Axel Prahl
Sonntag. Im Sudhaus auf der Waldbühne spielten gestern Abend Axel Prahl und das Inselorchester rockige und balladige Songs. Prahl hatte viele eigene Kompositionen und Texte im Gepäck, in denen sich, wie man seinen Kommentaren entnehmen konnte, Autobiographisches niedergeschlagen hat. Demnach hat er beziehungstechnisch so einiges hinter sich. Weshalb das Balladige im ersten Teil überwog. Kurz vor der Pause krachten Donnerschläge, und dann begann es auch schon zu prasseln. PM: Das ist nur eine Husche! Weil es aber nicht nur eine Husche war, sondern ein richtig schönes Gewitter, rannten alle vom Biergarten in den kleinen Saal und von dort in den
Weiterlesen2. August
Samstag. Schöner Abend gestern im Meze mit Chris, Susanne, Anne, Georg und Inge. PMs Platz noch frei. Draußen unter den Bäumen im lauen Wind. Gefüllte Blätterteigrollen mit Honig und Orangensoße. Chris und seine Geschichten … Ouzo auf Eis. Orangefarbene Mondsichel über Derendingen, und dann, gegen 22 Uhr, kommt PMs Auto um die Ecke … Heute wäre Papa 90 Jahre alt geworden. Und so vieles, alles eigentlich, blieb bis zum Schluss ungesagt. Wenigstens war ich bei ihm, als er starb. Ein Privileg.
WeiterlesenOhne Auto
Das Auto fehlt mir. Autolos ist man an manchen Tagen wie amputiert.
WeiterlesenTanja, Andreas und ich
Freitag. Das autobiographische Buch Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend von Andreas Altmann ist ein Koloss. Kein Roman, sondern eine verwüstete Seele kotzt sich aus. Schonunsglos. Stellt sich die beunruhigende Frage: Wie weit lassen sich mit Hilfe des Verstandes die Erkenntnisse der Psychoanalyse integrieren, um aus dem Schlamassel aus Hass und Brutalität einigermaßen heil hervorzugehen? Um frei zu werden? Um die Untaten von monstermäßigen Erwachsenen – Vater, Mutter, Stiefmutter, Pfaffen, Lehrer – abzustreifen, einer wie der andere hirnlose, gedankenlose, gefühllose, unfähige Schweine? Die zu nichts anderem auf der Welt zu sein scheinen, als mit ihren
WeiterlesenGute Küche im Lichtenstein
Donnerstag. Seit Jahren gehe ich daran vorbei, und noch nie war ich im Lichtenstein essen oder was trinken. Heute also Premiere, mit T., weil unser Ratskeller geschlossen hat. Wir bekommen ausgezeichnete hausgemachte Ricotta-Ravioli und Coq au Vin mit frischem Gemüse und hausgemachtem Kartoffelpüree. Das nächste Mal will T. den Edelburger mit Salat und Pommes frites vom Nachbartisch testen. Sehr, sehr geil! Supergeil. Lichtenstein, wir kommen wieder!
WeiterlesenNicht kompatibel
Mittwoch. Es gibt Menschen, die betrügen, und Menschen, die eher nicht betrügen. Betrüger und Nichtbetrüger. Das Betrügen kann man nicht nachsozialisieren. Genauso wenig, wie der Betrüger sich kaum dahingehend nachsozialisieren lässt, nicht mehr zu betrügen. Der Betrüger löst Konflikte durch Betrug. Er betrügt sich sogar selbst. Vielleicht glaubt er sich selbst. Das wäre eine Art Ehrenrettung. Vielleicht gibt es aber gar nichts zu retten. Vielleicht hat der Betrüger mit Ehre einfach nicht so viel am Hut. Weil ihm andere Dinge wichtiger sind. Der Betrüger und der Nichtbetrüger haben sich unterschiedliche Strategien der Problemlösung angeeignet. Nicht kompatibel, sozusagen. In beider Leben hat
WeiterlesenÜbereinstimmung
Letzte Woche hatte ich mir überlegt, wenn es mit Israel nichts wird, würde ich gerne nach Lissabon oder Barcelona fliegen. Heute, auf dem Weg zum Auto, sagt PM: Wenn es nun nichts wird mit Israel, dann würde ich gerne nach Lissabon, oder – Pause, Blickwechsel, – nach Barcelona fahren! Wie eine lufthauchleichte Brise ist die Überraschung, und PMs Lächeln hat so viel Swing …
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