Putins Äpfel

Große Beunruhigung wg Ukraine-Krise. Gestern Nacht kam eine Doku über den Tag, an dem der 2. Weltkrieg anfing. Es war ein sonniger Spätsommertag, die Leute badeten und gingen shoppen und tanzen und hatten Spaß am Leben und gar keine Lust auf Krieg. Warum muss die Nato jetzt den starken Mann markieren? „Aktionspläne“ und „Speerspitzen“, „zusätzliche Soldaten“ und „Logistikstützpunkte“ gegen den „Aggressor“ statt Abrüstung, auch verbaler Art. Männer bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, könnte man meinen. Wenigstens ein bisschen Kalter Krieg, den hatten wir schon so lange nicht mehr. Dafür wird Propaganda gemacht, mit Drohungen und Geprotze. Und die Medien spielen mit. Dabei

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Kochen und Arbeiten

Dienstag, B.N. Gestern Abend las PM mir das Märchen Tischlein, deck dich vor. Wir waren durch ein Zitat darauf gekommen. Märchen kannst du immer wieder hören, auch wenn du den Plot schon in- und auswendig kennst. Du setzt dich hin, weißt genau, was jetzt passiert und freust dich drauf. Du könntest das auch analysieren, wie der Text das anstellt, und das ist sogar ziemlich offensichtlich, wie er es anstellt, aber hast du dazu wirklich Lust? Während er las, hab ich gekocht: Reis, Thymiantomaten und Hähnchenschlegel, für PM Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Bohnengemüse. Nach dem Essen ist er auf dem Sofa

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Echte Alternativen

Es ist doch immer wieder ein Wunder, welche Möglichkeiten sich im Leben manchmal auftun und sich als echte Alternative entwickeln und dann auch vieles Bisherige infrage stellen … Panta Rhei sozusagen, alles verändert sich. In jeder Veränderung entsteht ein Neues (frei nach Platon bzw. Heraklit).

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August Macke Haus in Bonn

Montag, B.N. „Nun merke ich immer mehr, welche wundervollen Möglichkeiten die Kunst bietet. … Das Kunstwerk ist ein Gleichnis der Natur, kein Abbild“, schreibt August Macke am 12. Februar 1914 an seinen Künstlerkollegen Hans Thuar. Kann man nicht das Gleiche von der Literatur behaupten? Ein halbes Jahr nach dem o.g. Briefwechsel, im September 1914 und damit unmittelbar nach Kriegsbeginn, fällt Macke in Frankreich. Er ist erst siebenundzwanzig Jahre alt, und Deutschland hatte einen visionären und innovativen Künstler weniger.

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Promi Big Brother

Dienstag, B.N. In L.’s WG habe ich ein Mädchen kennengelernt, die bei Promi-Big-Brother arbeitet. Sie ist extra für diesen Job nach Köln gezogen (in das Zimmer von dem Typen, der dachte, er wäre während der Zeit weg, jetzt aber gar nicht weg ist und deshalb solange in der Küche schlafen muss!) Sie hat mir erzählt, dass ihr Job darin besteht, jeden Tag acht bis neun Stunden Promi-Big-Brother zu gucken, und zwar die gesamten Aufzeichnungen von einer Kamera. Sie muss alles dokumentieren, was da passiert, und mit Hilfe ihrer Dokumentation wird dann von der Regie entschieden, welche Szenen zusammengeschnitten werden für

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Too cold, too cold …

Montag, B.N. Ich unterbreche jetzt mal meine Arbeit und geh mir eine Jacke kaufen. It’s too cold, too cold for me! Wird ja wohl auch nix mehr mit dem Sommer. Heizen? Im August? Und in meinem Koffer nur die paar Sachen vom Urlaub: Bikinis, T-Shirts, kurze Röcke, weiße Hosen … Ach ja, und drei Paar Sandalen!

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Pink Hotel

Sonntag, B.N. Hab gerade eine schöne Stelle gelesen (PINK HOTEL) … ‚Melancholie‘, dachte ich bei mir, ‚von großer Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder Depressivität gekennzeichneter Gemütszustand.‘ Was für ein schönes Wort, das man immer weiterspinnen konnte, das einen zu anderen Wörtern führte, zu ‚Melange‘ und ‚cholerisch‘ beispielsweise, ja sogar zu ‚Liebe‘. aus: Pink Hotel von Anna Stothard, Diogenes 2013 (S.92)

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Von der Arbeitsfront

Samstag, B.N. Wieder ein Interview fertig (C.B.). Sehr langwierig diesmal. Arbeite jetzt seit einer Woche täglich bzw. nächtlich an dem Text, dabei ist das alles nur Nachschliff. Den Originaltext hatte ich schon vor zwei Monaten bearbeitet. Jeder Satz muss wieder und wieder abgewogen werden: Stimmt er so mit C.B.s persönlichem Sprachduktus überein? Passt er in die Aufzeichnungssituation? Ist da zu viel Authentizität? Oder zu wenig? Entspricht die Wortstellung der gängigen Syntax? Wie gehe ich mit französischen oder englischen Termini um, die ihm immer wieder unterkommen, dass der Text verständlich – gerade noch verständlich – bleibt? Nur glatt darf er nicht

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Geburtstag in Köln

L. hat Geburtstag. B. ist auch gerade in Köln, er wohnt solange mit in der WG. Die ist eng, chaotisch und gemütlich. Peaceful. Am liebsten hätte ich mich hingelegt und ein wenig geschlafen. An den Wänden hängen Fotos und Objekte, um das Auge zu beschäftigen. Im Bad gibt es Intensität verleihendes Rotlicht. Die Schuhe baumeln paarweise an Haken in einem Makrameenetz an der Flurwand (geht nur mit Schnürschuhen). Auf dem Dach, unter dem Fenster, wachsen Tomaten, die einer der WG-Bewohner mit viel Liebe betreut. Es ist derselbe, der aus Versehen sein Zimmer untervermietet hat, sodass er nun für eine Zeitlang

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Herrschaftswissen

Am Bahnsteig fragt ein Typ – leere Augen, Bierflasche in der Hand, kaputte Leopardenleggings – , ob der Zug bis Bonn fährt. Ich weiß es nicht und drehe mich zu der Frau neben mir auf der Bank um – ältere Lady mit auffälligen Ohrclips. Sie schweigt, Blick ins Nirgendwo. Fährt der Zug bis Bonn?, frage ich sie, und da nickt sie. Blickt immer noch ins Nirgendwo. Sagt nix. So sind sie, die Leute in diesem katholischen Kurstädtchen. Lassen sich keine Sonntags-, keine Feiertagsmesse entgehen, aber behalten ihr Wissen für sich.

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