Une porte condamnée

Samstag, B.N. Eine Stelle, die mich bewegt (aus: Andreas Altmann: Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend, Piper 2011): Im Französischen gibt es den eigenwilligen Ausdruck „une porte condamnée“, wörtlich übersetzt: eine verurteilte Tür. Gemeint ist eine Tür, die unpassierbar ist, blockiert. So ein vernageltes Tor hängt auch bei mir, hängt vor jener Herzkammer, die an meinem Geburtstag verbarrikadiert wurde. Auf ewig. Keine Rosskur, auch keine Schreibkunst, wird sie aufbrechen. Auch nicht der Mensch, der bereit wäre, mich zu lieben, schaffte sie – die Tür, eben dieses Wissen der Wertlosigkeit – aus der Welt. Denn

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Täter und Opfer

Freitag, im Zug. Die emotionale Abgewandtheit des „Täters“ über zwanzig lange Jahre hat natürlich ihre Entsprechung auf der „Opfer“-Seite, diese zu ertragen und gleichzeitig zu glauben, sie durch unermüdliche Bemühungen korrigieren/heilen zu können (was nicht gelingen wird). Die Korrekturbemühungen des „Opfers“ können sogar so weit gehen, ein Buch zu schreiben. (Das, was das „Opfer“ am besten kann.) Ein Buch, um den geliebten „Täter“ endlich gefühlsmäßig zu erreichen. Durch größtmöglichen Aufwand auf der „Opfer“-Seite eine noch so geringfügige Reaktion auf der „Täter“-Seite hervorzurufen – das würde dem „Opfer“, so wie es drauf ist, ja schon genügen. Das „Opfer“ wird immer leer ausgehen.

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Kein Freund

Freitag. Der sexuelle Betrug lässt sich mit dem finanziellen Betrug kaum vergleichen. Deshalb kann man auch nicht entscheiden, was schlimmer ist. Wenn du nach dem sexuellen auch noch den finanziellen Betrug erlebst, ist das jedenfalls die totale Pleite. Die totale Aufkündigung von Respekt und Achtung. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Er hat sich geirrt, sage ich. Er macht es nicht mit Absicht. Immer noch. Immer noch will ich, dass er es nicht mit Absicht macht. Nicht seinetwegen, sondern meinetwegen. Dabei weiß ich es längst besser. So handelt kein Freund, sagt Dr. K. Freund? Welcher Freund? Eine bizarre Bilanz über zwanzig

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Entscheidungen

Donnerstag. Nachmittags Besuch von Petra und M. mit ihren beiden kleinen Kindern. Im Meze zusammen Mittag gegessen, danach hat Petra meine Kleider durchgesehen und konnte einiges gebrauchen. Hab jetzt kaum noch Teile aus meinem „alten Leben“, das tut gut. Meine Sachen an Petra zu sehen, ist schon manchmal komisch, weil sie bei ihr so anders wirken. Am Abend kommt Ulla vom zweiten Stock hoch, und wir quatschen bis ca. 22 Uhr, das heißt, U. quatscht und ich gebe meine Kommentare ab. Sie ist nicht mehr bei der LINKEN wegen deren Haltung zum Islamismus und den damit zusammenhängenden Problemen. Das hat

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Gelb, grün, blau

Samstag. Die Luft heute wie ein Seidenschal und der Wind nur ein blauer Hauch. Auf dem Balkon leuchten die Herbstastern sonnengelb. Die Wiese ist nach den Regenwochen frisch gemäht worden, jetzt duftet sie saftiggrün herauf. Auf der Hauptstraße viele, viele bunte Autos. Vom Nachbarbalkon fliegt im Zickzackkurs eine Wespe heran, weil es bei mir Marmeladenbrötchen gibt. Frühlings-Déjà-vu. Bereit für Überraschungen.

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Netzwerken macht dreckiges Gefühl

Mittwoch. Wer Karriere machen will, muss netzwerken, heißt es heute auf Spiegel-online (Netzwerken macht ein dreckiges Gefühl, Timo Stukenberg) Zu diesem Zweck geplante Netzwerk-Events seien oft aber so grässlich, dass sich die Teilnehmer hinterher wie befleckt fühlen, körperlich schmutzig – es sei denn, sie halten sich für mächtig. Erzwungene Gespräche mit lauter fremden, potenziell karrierefördernden Leuten: Wer an einer derartigen Veranstaltung teilnimmt und andere Menschen nur unter dem Aspekt kennenlernt, seine persönlichen Jobchancen zu erhöhen, empfinde sich dabei oft als unauthentisch, unmoralisch, schuldig. Dieses Unbehagen sei so stark, dass es sich sogar auf den Körper übertrage, bis hin zum Bedürfnis

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Sehr seltsam

Montag. Es ist sehr seltsam, von einem Menschen zu wissen, der dich emotional, finanziell und existentiell vernichten will. Noch seltsamer, wenn dieser Mensch der ist, um den du zwanzig Jahre lang einen never ending Tanz aufgeführt hast wie seinerzeit die Israeliten am Fuße des Horeb um ihr goldene Kalb. Ich finde, der, der geht, nein, der so geht, sollte froh und zufrieden sein, dass er alle Brücken mit Erfolg hinter sich eingerissen hat. Ansonsten soll er für den Rest seines Lebens unsichtbar bleiben. Und die Fresse halten.

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Himmlische Hochzeit

Sonntag, B.N. Die Hochzeit von L. und B. war ein himmlisches Fest. Das meine ich ohne Übertreibung. Nichts hat gefehlt. Nichts war zu viel. Ein Fest zum Eintauchen und Wohlfühlen. Eine wunderschöne Braut. Phantasievoll gestaltetes Outfit in Royalblau und Weiß. Vieles selbstgemacht. Perlen, Bänder, Accessoires. Kreativ statt protzig. Geschmackvoll. Hinreißend. (Meine Tochter!) Einhundert Gäste kamen ins Bürgerzentrum, das wir vorher geputzt und schön dekoriert hatten. Eine Bande von interessanten und interessierten, sozial eingestellten, kommunikativen, sehr entspannten Jungs und Mädels. Jeder war Teil vom Ganzen, trug dazu bei, dass das Fest so war, wie es war, zu Ehren des Brautpaares. Ein Buffet,

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