Werkbericht

Das Interview mit C.M.-B. ist fertig. Gestern Abend habe ich es abgeschickt. Die Bearbeitung war extrem schwierig und hat viel Zeit gekostet, fast soviel wie das Interview mit C.B. Es ist erstaunlich, dass die meisten Menschen nicht in vollständigen Sätzen reden (ich übrigens auch oft nicht). Normalerweise fällt das nicht auf, aber die Aufzeichnungen zeigen deutlich diese Ungeduld, dieses nicht zu Ende Sprechen und Denken und mit jedem Halbsatz schon wieder ein neuer Gedanke. Mehrmals musste ich nachfragen, wie er was gemeint hatte.  Besonders seine große emotionale Distanzierung verschleiert das Geschehene mehr, als dass sie es klärt. Ein paar Mal

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Heimat III

Sonntag, B.N. Hab geträumt, ich steige auf der Strecke nach Tübingen an einem unbekannten, kleinen Bahnhof aus und weiß nicht weiter. Laufe mit meinem Gepäck in den Ort, wo ich an einem hübschen Haus vorbeikomme, und kann bei der Familie auf dem Sofa übernachten. Das Mädchen untersucht meine Schminksachen, während sie mir von ihren Schulproblemen erzählt. Am nächsten Tag bringen die freundlichen Menschen mich zum Bahnhof, und ich stelle fest, dass ich einfach im Zug hätte sitzen bleiben müssen. Mit welchen Empfindungen werde ich heute Nacht den Schlüssel in die Haustür stecken? Wie wird meine Wohnung nach so langer Abwesenheit

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Ost-West-Konflikt

Der amerikanische Schauspieler Richard Kiel ist im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in Kalifornien gestorben, sagt der Nachrichtensprecher beim Morgenkaffee. Richard Kiel? Nie gehört. Doch mit dem nächsten Stichwort löst sich das Rätsel: Der Gegner von James Bond in Der Spion, der mich liebte und Moonraker, aaah, der Beißer, der Eisenbeißer, der mit seinem Stahlgebiss alles kaputt beißt und fies grinst und nie redet und immer überlebt, sogar, wenn Gebäude über ihm zusammenstürzen, augenblicklich habe ich ihn vor Augen. Ist das so wichtig, wundert PM sich, dass sie das in den Nachrichten bringen? Im Osten, sage ich, gab es das auch.

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Buch-Challenge

Donnerstag, B.N. Heinz Koch hat mich für die Buch-Challenge nominiert (danke, dass es kein Eiswasser war). Hier zehn von vielen anderen Büchern, die für mich wichtig waren oder es im Moment sind: 1. H. Christof Müller-Busch: Abschied braucht Zeit 2. A. u. M. Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern 3. Marion Brasch: Wunderlich fährt nach Norden 4. Stefan Schwarz: Die Großrussin 5. Daniel Kehlmann: Ruhm 6. Thomas Mann: Tonio Kröger 7. Rafael Yglesias: Dr. Nerudas Therapie gegen das Böse 8. Philippe Djian: Betty Blue 9. Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand 10. Phillip Roth: Der menschliche Makel Beste Grüße an die zehn von mir

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Grossrussin?

Montag, B.N. „Man ist ja nicht dazu geboren, in der zweiten Reihe zu stehen“, sagt gestern einer beim Winzerfest zu Dorothee und mir. (Ich kann es nicht glauben, dass ich beim Winzerfest war!) Heute morgen wg meinem Arm zum Orthopäden. Kortisonspritze in den Ellenbogen. Hoffe es nützt, ist schmerzhaft und bewegungseinschränkend u ich fürchte, es kommt vom Schreiben am PC. Danach eine wunderbare Buchhandlung entdeckt: Bücherstube Schmitz. Interessante Auswahl bei den Neuerscheinungen, sehr kompetente Beratung. Drei Bücher gekauft: – Wunderlich fährt nach Norden von Marion Brasch, Fischer – Die Grossrussin von Stefan Schwarz, Rowohlt (Hm! Müsste ja eigentlich Großrussin heißen.

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Schuld, Scham, Trauer

„Wo Schuld entstanden ist, erwarten wir Reue und das Bedürfnis der Wiedergutmachung. Wo Verlust erlitten wurde, ist Trauer, wo das Ideal verletzt, das Gesicht verloren wurde, ist Scham die natürliche Konsequenz.“ (S. 36) Warum Schuld, Scham und Trauer nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes allerdings kollektiv ausfielen, untersuchten Alexander und Margarete Mitscherlich schon 1967 in ihrem gemeinsamen Werk Die Unfähigkeit zu trauern. Diese Unfähigkeit, die einzig angebrachten – edelsten menschlichen – Gefühle zunächst mal zu empfinden und dann auch zu äußern, lässt sich zusammenfassen als Resultat einer intensiven inneren Abwehr. Die Hitlerbefürworter, die Judenmordbefürworter hätten nicht mehr in den Spiegel schauen

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Zellbiologie am Sonntag

Sonntag, B.N. Heute klaue ich meinen Blogeintrag mal von Facebook, mit Quellenangabe selbstverständlich! C Juliane Vieregge hat Kristina Paßbergs Status geteilt. vor etwa einer Stunde Schon wieder was gelernt. Entropiezunahme – Danke! #Zellbiologie am Sonntag: Unser ICH ist kein Einzelwesen. Jeder Mensch ist ein funktioneller Verbund von 100 Billionen Zellen. Zellen besitzen einen eigenen Stoffwechsel, können kommunizieren, haben unterschiedliche Formen und Funktionen, können sich reproduzieren und sterben. Sie sind also die kleinste, uns bekannte Lebensform. Ergo, der Mensch ist eine Entität aus 100 Billionen Entitäten. Da jedoch alles, inklusive des Universums, die Tendenz hat zu entropieren (Entropiezunahme = die Tendenz

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Ganz anders

Freitag, B.N. Auch hier heißt die Hauptverkehrsstraße Wilhelmstraße. Auch hier heißen die Straßen eines Wohnviertels aus den Sechzigern Sudeten-, Danziger- oder Tilsiterstraße. Und die Weinbergstraße gibts in Tübingen auch, sodass sich für einen Augenblick die Bilder verwirren. Auch hier reden die Leute Dialekt. Den verstehst du ohne Anpassungsphase, obwohl du im ersten Moment glaubst, die machen nur Spaß. Es gibt nur einen Buchladen, nur ein Antiquariat und kein einziges ernstzunehmendes Schuhgeschäft. Dafür an jeder Ecke ein Lokal. Hier wird rheinländisch gekocht, und dazu werden Weine aus der Region gereicht. Den meisten scheint es sehr gut zu gehen. Sie leben vom

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Heimat II – oder Das Einzige

Donnerstag, B.N. Die einzige Botschaft, die meine Mutter mir auf den Lebensweg mitgegeben hat, ist, dass das Leben an sich nichts taugt. Ihr eigenes Leben hat sie als Zumutung empfunden. Das Leben der Anderen auch; stellvertretend sozusagen, für die Anderen. Das Einzige, was meine Geschwister und mich in Sachen Lebensführung verbindet, ist ein sensationeller Aktionismus. Wir lassen nur wenig aus, wir nutzen jede Sekunde. Wir haben Energie zum Abwinken. Wir sind sehr gründlich, jeder auf seinem Gebiet. Wir sind ultimativ kreativ. Wir kriegen den Kopf aus jeder Schlinge. Wir lassen uns nichts vormachen (die Jahrzehnte lange Rhetorik-Schulung einer vom Leben

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„Alle Kriegsherren haben einen gemeinsamen Feind: Die Wahrheit.“ (Kurt Tucholsky)

Krieg gegen Russland: Ehemalige Geheimdienstler warnen Merkel vor falschen „Beweisen“ Ehemalige Mitarbeiter von US-Geheimdiensten haben einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel geschrieben, in dem sie vor einem Krieg mit Russland warnen. Die von den USA vorgelegten Beweise für eine russische Invasion der Ukraine seien höchst zweifelhaft und erinnerten an die falschen Beweise im Vorfeld des Angriffs auf den Irak. Die ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter warnen Merkel vor Nato-Generalsekretär Rasmussen. Denn als dänischer Premier hat er auch 2003 im Vorfeld des Irak-Kriegs massiv gelogen. (Foto: dpa) Alarmiert durch die anti-russische Stimmung, die das offizielle Washington in diesen Tagen prägt – und das Gespenst

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