Mittwoch, B.N. Weniger essen und mehr Sport, gesunde Ernährung, Alkohol- und Zigarettenverzicht, keinen Streit, weniger Stress, weniger Geldausgeben, mehr „Simplify your life“ durch Pünktlichkeit und Ordnung und viel mehr Zeit für sich – das sind laut Umfragen die häufigsten Silvestervorsätze für 2016. Dass es meistens, nein, immer bei den guten Vorsätzen bleibt, weiß jeder. Warum das so ist, kann man auf diversen Ratgeberseiten nachlesen. Damit es diesmal mit der Selbstoptimierung besser klappt, tu ich das umgehend: Auf der Seite Praktisch Anwendbare Lebenshilfen, kurz: PAL. Und erfahre, dass unser Scheitern im Wesentlichen daran liegt, dass die Ziele zu hoch gesteckt (25 Kilo in
WeiterlesenKategorie: 2015
Schlechte Musik von schlechten Eltern
Dienstag, B.N. Gestern auf der Rückfahrt von Eisenach – satte vier Stunden wegen zäh fließendem oder auch mal gar nicht fließendem Verkehr – auf HR3 die Jahres-Playlist der 52 meistgespielten neueren Titel sämtlicher Radiostationen gehört. Und nicht umgeschaltet. Weil man immer denkt, next will be better. Wird aber nicht. Alles der gleiche weichgekochte Elektrobrei, megakonventionell und komplett kraftlos. Da denkst du sehnsüchtig an Rockstars zurück, die gerne mal gekonnt ihre E-Gitarren zerlegten – welche E-Gitarren?, die kommen ja gar nicht mehr zum Einsatz! -, da lechzst du nach so einem Aus-uns-wird-nichts-und-ihr-seid-auch-alle-Scheiße-Antisong von den Sleaford Mods. Statt dessen hörst du und
WeiterlesenSprüche sind Sprüche sind Sprüche
Montag, B.N. In den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr – Stillstandzeit – sind offenbar SPRÜCHE angesagt. Weil sie so tun, als seien sie der Schlüssel zu ziemlich vielem, zu ALLEM, weshalb viele Leute begeistert sind und sie weitergeben. Wofür?
WeiterlesenIntensiv und viel
Samstag, B.N. Zieh mir gerade zum zweiten Mal Billy von Einzlkind rein. Mache ich selten, ein Buch nochmal lesen. Jeder Satz ein Gewinn, viele wie eine Berührung von nur angedachten oder schlafenden Gedanken. Das Fest ist vorbei, der Vorbereitungsstress, die Freuden, die Begegnungen und Abschiede schon wieder Vergangenheit, mit so einer Spur von Ewigkeitsgefühl. Das Filet hatte ich vergessen auf den Tisch zu stellen. Große Pleite. Warum hat W. mich nicht daran erinnert? Hat er etwa gedacht, ich hätte mich UMENTSCHIEDEN? Wegen seinem sagenhaften Zitronenhuhn? OmG, so viele unausgesprochene Gedanken! Jedenfalls der Kartoffelsalat war gut, das Raclette sowieso. W. meinte,
Weiterlesenhard work
Mittwoch. Die Glasscheibe, immer dazwischen, zwischen dir und den Anderen, zwischen dir und der Restwelt, die dich das Andere nie so richtig erreichen lässt, verschwindet nicht allmählich verblassend, sondern wie in einer Bodenfuge, wie die Seitenscheibe im Auto, die auf Tastendruck runtergeht, und du merkst, nach drei Jahren hard work merkst du es plötzlich: Das Leben geht dich wieder an. Vielleicht ist es genau die Trennscheibe, die dich zum Schreiben bringt. Trennung zu überwinden. Wahrscheinlich war sie schon immer da, irgendwie, nur weniger krass. Könntest du ohne sie schreiben? Anders? Wann fährt sie wieder hoch? Klar, sie wird. Im besten
WeiterlesenAlle Jahre wieder
… und die Weltpolitik kann mich mal, habe eben meinen Baum fertig geschmückt, wie alle Jahre wieder die ganzen über die Zeit angesammelten Schätze herausgekramt vom Erzgebirge und von diversen fernen Ländern und bestimmt manches auch made in China, Weihnachten ist bei mir Kitsch as Kitsch can oder was andere dafür halten, und sogar Lametta hängt von den Zweigen, jedes Fädchen einzeln angebracht, ja logo das aus Stanniol!, muss ja schwer fallen, was bei Kunststofflametta leider nicht gewährleistet ist, das glitzert und funkelt schon jetzt im Lampenlicht, wie dann erst, wenn alle Kerzlein angezündet sind, und unter dem Baum steht
WeiterlesenUnbequeme Fragen
Alle bekannten Attentäter der Anschläge vom 13. November in Paris wurden in Frankreich oder in Belgien geboren. Aus Rache für das Attentat wird jetzt aber in Syrien gebombt. Wieso? Weil die IS-Psychopathen sich dort verstecken, oder weil das eigentliche Ziel Assad ist? Unwichtig zu erfahren, dass die Waffen der Pariser Terroristen von der Firma „Century International Arms“ in Delray Beach, Florida, stammen? Verrückt! Genauso verrückt wie die Tatsache, dass wegen der NATO-Solidarität der Deutschen mit den Franzosen gerade 1200 dt. Soldaten nach Syrien, bzw. in die Türkei verschifft worden sind. Und die Türkei – warum weiß die nichts Besseres zu
WeiterlesenIm Supermarkt
Sonntag. Wenn wir in die Kelter gehen, bestellt PM gerne mal eine ganze Flasche Sekt. Die Gläser seien so schnell leer, erläutert er und spielt ein bisschen den Bestürzten. Sein Trinkgeld fällt dann genauso großzügig aus. Der zweistündige Einkauf vorher im Supermarkt hat sich gewaschen: Zwei Wagen voll für zwei Weihnachtsfeiern, eine bei mir und eine bei PM. Während wir durch die Gänge schieben, aufsteigende Panik: es könnte nicht reichen, der Einkaufszettel sei nicht vollständig, und vielleicht doch noch eine Eispackung mehr und bloß keine leeren Schüsseln auf dem Tisch … Manche Regale waren LEERGEKAUFT. So gab es kein Lübecker
WeiterlesenWeihnachten ist, wenn man viel isst
Freitag. Mit W. eine deckenhohe Nordmanntanne geholt. Sie steht schon im Zimmer, breitet ihre Äste in alle Richtungen aus, kratzt mit den Spitzen am lichterkettenbehangenen Ölportrait der beautyful Lady in Black, meiner Großmutter Vieregge, und duftet nach – Badedas. W. ist an Weihnachten wieder dabei, und er bestimmt maßgeblich das Essen mit: Kartoffelsalat und Würstchen dieses Jahr nicht mit mir!, sagt er und wackelt bedrohlich mit dem Zeigefinger. Er wird also ein Zitronenhuhn bei sich zuhause kochen und mitbringen. Da aber auch mindestens zwei Vegetarier dabei sind, wird es Raclette geben, für die Nichtvegetarier eingelegte Filetscheiben zum Grillen und für PM
Weiterleseno. B.
Donnerstag. Jetzt: wo alles vorbei ist – die schlimmen Sitzungen in muffigen Anwaltbüros, Gerichtssälen, im Notariat, die nicht vermeidbaren Begegnungen mit dem Protagonisten meines alten Lebens, die Angst um meinen Wohn- und Lebensraum: Zustand von Schwäche, Zerbrechlichkeit – ich vermag die Worte kaum zu schreiben – ein verhasstes Gefühl, das ich nicht zulassen will. Drei Jahre die volle Konzentration auf Starksein, Wachsein, Sich-nicht-einmachen-lassen, Kopf hoch und Krone richten, egal, wie oft sie runterfällt und wie schief sie auch sitzt. Jetzt: tuts hier weh und da stimmts auch nicht, allerlei Untersuchungen, den Tatsachen ins Auge sehen, na klar, immer doch und
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