Plastikfantastik

Mittwoch, Diano Marina. Seit dem Weltumwelttag 2021 hat sich Plastik trotz umfänglicher Mahnungen und Forderungen nicht etwa reduziert, sondern wird weiterhin in rauen Mengen produziert: weltweit jährlich rund 460 Millionen Tonnen! Bis kommenden Freitag tagt die diesjährige Plastik-Konferenz der Vereinigten Nationen in Paris. Das Versprechen, nicht recyclebares Plastik zu verbieten, wird nach zwei Jahren einfach mal wiederholt; erinnern kann sich sowieso keiner mehr daran. Auch dieses Mal werden die Forderungen aus aller Politiker*innenmunde hilflos an der Realität vorbei hallen. Die Politik hat ihr Primat an die Wirtschaft verloren. Oder anders: Umweltschutz und Kapitalismus schließen einander aus. Sagt bloß niemand so

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Noch

Dienstagmorgen. Es ist ein einziger Moment, der mehr Klarheit bringt als Wochen und Monate der Gehirnakrobatik. Sich selbst trauen. Ewigen Dank, Doktor K. Cooles Gefühl: Es wird. Es wird sich finden. Kein Stress. Stress verengt. Die Gehirnwindungen und die Perspektive. Gestern Abend: Essen im Ludwig’s. Der Salat schmeckt vergammelt. Die Kellnerin fragt den Koch, der hat alles frisch geschnitten. Es ist die Marinade. Stimmt, sagt die Kellnerin, ich hab sie probiert, die schmeckt wirklich komisch. Kein Gläschen Sekt als Entschädigung. Auch komisch. Lauer Abend in Tübingen. Jetzt: Kaffee kochen. Brötchen holen. Koffer gepackt, nichts geht mehr rein. PM schläft noch.

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Sortieren

Pfingstmontag, Eisenach. Sonne, penatenblauer Himmel, gleich zur Geburtstagsparty bei Tini. und A. Ununterbrochen schneit jemand rein, klopft an unser Küchenfenster, bleibt auf ein Käffchen und schaut sich um, was wir, eher PM, hier erschaffen haben: Ein kleines Paradies. Mental hänge ich hinterher. Sitze mitten im Grünen, Blick auf die Wartburg, von zugewandten, besorgten Menschen umgeben. Und habe furchtbares Heimweh. Morgen gehts erstmal nach Italien. Wiedersehen mit A. und J. in unserem schönen Diano Marina. Ich freue mich. Aufschub. Zeit. Zeit, mich im Kopf zu sortieren.

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Bye-Bye Tina

Donnerstag. „Simply the best. Music legend Tina Turner sparkled across the stage and into millions of hearts as the Queen of Rock ’n‘ Roll. Her legacy will forever live among the stars. “ (US-Nasa auf Twitter). Während ich das morgige Interview mit der Drag Queen Betty BBQ vorbereite und zwischendurch in Gedanken den Koffer für Italien packe und dazwischen Leute in meine Wohnung lasse, die in die zwei freien Zimmer ziehen wollen, und ich nicht weiß, ob ich das will, und zwischenzwischendurch der Dachdecker durch mein Arbeitszimmer latscht mit dem tropfenden, kaputten Rohr über der Schulter, wegen dem neulich der

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Razzia

Mittwoch. Mit 15 Wohnungsdurchsuchungen wurde gestern eine bundesweite Razzia gegen die Letzte Generation durchgeführt. Was werden sie finden, das auf den Tatbestand einer kriminellen Vereinigung hinweist? Eimer mit Kleber? Klebebänder? Die Letzte Generation stört, sie nervt Autofahrer, die nicht zur Arbeit kommen, weil die Klimakleber wieder einmal die Straßen blockieren. Aber ziviler Ungehorsam, der nicht stört und nervt, ist eben keiner.

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Tanzen unter Sternen

Sonntag, Eisenach. Tanz im Freien, mitten im Wald unterm Sternenhimmel, das geht in der Phantasie mit Live-Rockband, netten Menschen und PM. In dieser Steigerung. Trotzdem frage ich mich manchmal: Was mache ich hier? Frage: Hört das mal auf?

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Ithaka – Julien Assange

Mittwoch. Ithaka ist ein australischer Dokumentarfilm über die Familie von Julien Assange und ihre verzweifelten Bemühungen, ihn freizubekommen – oder ihm wenigstens beizustehen. Seit der bekannteste Enthüllungsjournalist der Welt im strengsten Hochsicherheitsgefängnis Großbritanniens einsitzt, zusammen mit Mördern, Vergewaltigern und anderen Schwerstverbrechern, ist er für die Öffentlichkeit unsichtbar. In diesem Film ist er nur eine Stimme – durchs Telefon seiner Frau Stella. „Nicht Julien ist kriminell, sondern er ist von einem kriminellen Sumpf umgeben“, sagt sie an einer Stelle. Dem von der US-Regierung höchst erfolgreich bedienten Narrativ vom durchgeknallten Nerd, vom Ich-bezogenen Selbstdarsteller, der Staatsgeheimnisse „verraten“ habe, versucht der Film mit

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PEN

Dienstag. WOW! Der Präsident der dt. PEN-Vereinigung, José Oliver, in meinem Unterricht! Der im März erschienene Zeitungsartikel über unsere deutsch-ukrainische Lesung war für das Kulturamt ausschlaggebend, und es fragte an. Aber Hallo! Das ist kein Gefallen, sondern eine Ehre. Oliver kommt nicht allein, sondern hat den irakischen Schriftsteller Najem Wali dabei. Fast 100 Schüler*innen erleben live eine Podiumsdiskussion zw. Oliver und dem Exilautor Wali mit anschließender Fragerunde. Wir erfahren von einer Kindheit im Irak, von mehreren Fluchtversuchen und von einem Zickzackweg über persönliche und geografische Grenzen hinweg zum international gefeierten Schriftsteller zwischen zwei Kulturen, der schon in frühester Jugend wusste,

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Tanzen und Freunde

Samstag. Abtauchen, eintauchen, sich mitreißen lassen – Die Premiere von Contemporary Dance 2.0 ist ein einmaliges, wunderschönes Erlebnis. Und wir sind dabei, PM und ich, zusammen mit W. und Freund*innen. Das ist W.s Geburtstagsfest, das er diesmal in verschiedene Events gesplittet hat. Mit Gauthier Dance haben wir die beste Wahl getroffen (ein Gefühl, das ich übrigens oft habe): 16 Tänzer*innen stellen die Dance Company vom Theaterhaus Stuttgart, die unter der Leitung des Choreographen, Tänzers und Musikers Eric Gauthier Wahnsinniges, Berührendes, Aufwühlendes vollbringt. Vorher essen wir zusammen im Restaurant im Theaterhaus sehr gut und sehr anregend. Ich bin die einzige Frau, und

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Arbeitsbericht

Freitag. Gestern also München. Interview mit der Schauspielerin und Buchautorin Elena Uhlig, in einer Hotellobby. Am Nachbartisch sitzt eine Frau, die auch keineswegs verschwindet, als sie merkt, was wir vorhaben. Wie festgeklebt hockt sie da, tut als würde sie lesen und lauscht die ganze Zeit mit Riesenpappohren (Jakob alias Gérome). Frau Uhlig Stimme wird immer leiser, und ich fummle ständig am Lautstärkeregler herum und bin gestresst. Deshalb mag ich Hotels oder Café nicht als Location für Interviews. Das Gespräch ist trotzdem gut. Ich kann Frau Uhlig einige Informationen / Gedanken entlocken, die in ihren Büchern so nicht nachzulesen sind. Maria

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