Mittwoch. In NRW ist das schriftliche Abitur ausgefallen. Das heute bundesweit stattfindet. Maximal peinlich: der Download hat nicht funktioniert. Vor lauter Geheimhaltung und Verschlüsselunggedöns sind die Schulen nicht an die Aufgaben rangekommen. Hochlebe die Digitalisierung!
WeiterlesenKategorie: 2023
Wochenanfang
Montag. Die zwei Kapitel sind fertig und abgeschickt. Heute Morgen Termin mit Baugutachter wg. der nassen Außenmauer. Der Sturm vor drei Wochen hat den Putz großflächig von der Wand gefegt, darunter kommt jetzt die Misere hervor. Für ihn ist die Sache schnell klar: Das Dach ist undicht, leise rieselt das Regenwasser. Als er gerade gehen will, begrüßen uns zwei Tauben im Treppenhaus. Was für eine Scheiße! Wie kriege ich die jetzt wieder raus? Der Baugutachter – wir haben zuvor bei einer Tasse Kaffee unsere Lebensgeschichten ausgetauscht – ist so freundlich, sich die Tauben eine nach der anderen unter den Arm
WeiterlesenZu wenig
Sonntag. Sie war wieder da. Handy klingelt, ich blockiere ihre Nummer. Nicht mit mir, mag sie sich gedacht haben, denn zwei Minuten später klingelt es auf dem Festnetz. Beim fünften oder sechsten Mal, es ist Sonntag und ich muss immer noch arbeiten, nehme ich ab. Sie beschimpft mich wegen dem Blockieren. Sie will vorbeikommen, mir Putzmittel bringen. Was für Putzmittel? Ich brauche keine Putzmittel. Habe ich aber extra gekauft für dich! Oh Gott! Ich lasse mich breitschlagen, warte auf sie, kann nicht arbeiten, solange ich warte. Als sie endlich klingelt, laufe ich nach unten, damit sie nicht hochkommt. Ich öffne
WeiterlesenArbeit
Samstag. Ich habe eine neue Putzhilfe. Sie redet ohne Punkt und Komma, wie man so sagt. Daran muss ich mich erst gewöhnen. Ich muss arbeiten. Abgabe des neuen Kapitels bis Montag. Ich sage: Ich mach jetzt die Tür zu. Das ist für meine Begriffe ziemlich unhöflich. Sie sagt: Ja ja, mach Tür zu, und redet weiter. Mit wem? Mit mir? Mit sich? Ich sitze am Schreibtisch und höre sie reden. Daran muss mich erst gewöhnen, wenn ich sie behalten will. Sie will, dass ich sie behalte, sie hat schon die nächsten drei Termine ausgemacht. Oh Gott, soweit kann ich gar
WeiterlesenDame Mary
Donnerstag. Mary Quant ist tot. Kaum jemand hat meinen Modegeschmack so sehr geprägt wie sie. Verboten kurze Röcke und Hotpants zum schwarzen Shirt oder Rippenpulli, dunkle, wild gemusterte Strumpfhosen, Knautschlackstiefel und PVC-Regenmäntel, die nicht länger als der Minirock sein durften, Pullunder zur Schlaghose und im Winter Pelzmützen wie Astronautenhelme zum Dufflecoat, der natürlich mit Flowerpowerblumen bestickt war. Nicht zu vergessen die Quant’sche Schminktechnik: Dramatisch überzogener Lidstrich und brauner Lidschatten, lila Lippenstift – den grünen mixte ich mir selbst und verkaufte ihn in den Migränepillendosen meiner Eltern (Sinfrontal) für zwei Mark das Stück an meine Schulfreundinnen. Kein Wunder, dass es kaum
WeiterlesenDeutsch deutsch deutsch
Montag. Emmanuel Macron spricht sich für eine von den USA unabhängige Rolle Europas in der Weltordnung aus, und deutsche Politiker heulen wie getroffene Wölfe auf. Wir dürfen nicht in Krisen verwickelt werden, die nicht unsere sind, sagt Macron mit Blick auf den China-USA-Konflikt und den zw. China und Taiwan. Strategische Autonomie, nennt er sein Konzept. Europa solle sich aus der Mitläuferrolle gegenüber den USA befreien. Das schmerzt in den Ohren deutscher Oberhirt*innen, die sich in der Rolle eingerichtet haben jedes Hüsteln abzunicken, das über den Atlantik tönt: Macron sei „von allen guten Geistern verlassen“, macht Roettgen in der BILD seiner
WeiterlesenR.I.P. Antje Vollmer – ich vermisse Dich und Deine Stimme der Grünen
Sonntag. Berliner Zeitung Antje Vollmers Vermächtnis einer Pazifistin: „Was ich noch zu sagen hätte“ Die Ex-Vizepräsidentin des Bundestags Antje Vollmer ist verstorben. Wir veröffentlichen ihren letzten Essay, den sie als politisches Vermächtnis verstanden wissen wollte. Antje Vollmer 23.02.2023 | aktualisiert am 17.03.2023 – 7:22 Uhr Antje Vollmer ist am 16. März 2023, verstorben. Vollmer war Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und hat als Erstunterzeichnerin das Friedensmanifest von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer unterzeichnet. Vollmer galt als Pazifistin und war Gegnerin des Kosovo- , Irak- und Afghanistan-Krieges. Als Autorin hat sie sich intensiv mit den Akteuren des 20. Juli 1944 und dem antifaschistischen Widerstand
WeiterlesenAua aua, das tut weh!
Sonntag. Die Angst vor Sahra Wagenknecht muss groß sein, wenn der Feuilleton-Aufmacher der FAZ von Christian Geyer (5.4.23, zum Glück hinter Bezahlschranke) der Politikerin nicht anders Herr zu werden meint, als ihre Person in primitivster Manier zu sexualisieren. Hemmungsloser Hass treibt ihn, wenn er Wagenknecht wortwörtlich in die „Luder“-Ecke stellt. Eine Frau, die politisch Einfluss hat und dazu auch noch mit ihren Büchern Geld verdient (was dem vor Neid ganz gelben Geyer offenbar nicht gelingt), kann nur ein ganz und gar böses, durchtriebenes, mit den Mitteln der Verführung agierendes Weib sein. Ein Luder eben. Armes Geyerlein: ich dachte, diese Denke
WeiterlesenDer Duft des Sussita
Freitag, im Zug nach Eisenach. Die Haustür steht offen: Ein schweres Holztor mit Eisenbeschlägen. Ich steige die steilen Stiegen hinauf, erster, zweiter oder doch dritter Stock? Die letzte Stiege gleicht eher einer Leiter. Kein Hinweisschild. Ich rufe sie an: Ich haben einen Termin zur Maniküre. Ich öffne Ihnen, sagt sie. Dritter also, es ist die Tür direkt vor meiner Nase. Im nächsten Moment stehe ich in einer verschachtelten, kleinen Wohnung mit Treppen und Halbtreppen und winzigen Fluren auf verschiedenen Ebenen. Das Haus ist aus dem 15. Jahrhundert, sagt sie. Durch das DIN A4-kleine Fenster der Mansarde leuchtet die Sonne, aus
WeiterlesenHabecks Überraschungsei
Dienstag. Habeck will Rheinmetall und Bayer in die Ukraine bringen. Der Rüstungs- und der Chemieriese sollen mit ihren Fabriken zum Wiederaufbau der Kriegspartei beitragen, Habeck denkt da ganz praktisch: Panzer für den Sieg direkt vor Ort. Bei seinem Ukraine-Überraschungsbesuch verspricht der Wirtschaftsminister dann auch gleich eine Investitionsgarantie des deutschen Staates. Heißt, wenn die Anlagen der deutschen Konzerne zerstört werden – der Krieg ist ja noch nicht vorbei – zahlen die deutschen Steuerzahler. Im Gegenzug werde die Ukraine beim Wiederaufbau auf erneuerbare Energien setzen, macht Habeck (treuherziger Osterhasenblick unter goldiger Strubbelfrisur) uns glauben: Wind, Solar, Biomasse. Deutsche Sicherheit gegen Dekarbonisierung des
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