Und dann passiert das Leben

Mittwoch. Hätte nicht sein müssen, der Film. Und ich hab noch meine arme Nachbarin überredet mitzukommen: Ulrich Tukur, Anke Engelke, ganz tolle Kritiken und so. Da saßen wir dann, die Längen aushaltend, uns fragend, was diese überzogenen Klischees sollen. Am Ende auch noch der Tod, als passierte nicht sowieso schon viel zu viel Schicksal in den 1 1/2 Stunden (dauerfrustrierte Ehefrau, Rentnerdasein, Sohn-Beziehung, Unfall). Ich meine, als sei der Film nicht so schon depri genug. Etwas benommen kommen wir raus und hätten uns doch beide über etwas Erfreulicheres gefreut in diesen unfreundlichen Zeiten. Na, wenigstens gab es noch ein sog.

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Vater und Sohn

Dienstag. Der „Harry-und-Sally“-Regisseur Rob Reiner und seine Frau sind ermordet worden. Die Nachricht hat mich schon am Sonntag schockiert. Dann aber hieß es ziemlich schnell, ihr Sohn habe es getan, und der Schock war noch viel größer. Die Reiners haben vier Kinder, drei eigene und eine Adoptivtochter aus Reiners 1. Ehe. Sie waren eine sog. Vorzeigefamilie, talentiert, charismatisch, kreativ, sozial, politisch engagiert, integer, aber wie in jeder (Vorzeige-)famlie gab es auch in dieser Familie ein schwarzes Loch – ihr Sohn Nick. Nick Reiner sei mit seiner eigenen Mittelmäßigkeit gegenüber dem hochtalentierten Vater nicht zurechtgekommen, heißt es. Das Schicksal vieler Kinder

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Anschlag in Sidney

Sonntag. Der Terror-Anschlag in Sidney mit der Erschießung von mindestens 12 jüdischen Menschen am ersten Tag des Chanukka-Festes, die antisemitisch motivierten Übergriffe in Manchester, Amsterdam und vielerorts in den letzten Monaten – das alles sind keine Einzelfälle. Dahinter steckt ein tiefer Hass auf alles jüdische Leben. So etwas entsteht nicht aus dem Nichts oder fällt gar einfach vom Himmel. Nein, so etwas hat immer eine Ursache, eine Vorgeschichte und einen Beschleuniger. Spätestens seit dem 7. Oktober 2023, seit dem von langer Hand vorbereiteten brutalsten Massaker der Hamas -Terroristen, muss für alle Menschen das Täter-Opfer-Prinzip klar sein. Was mich persönlich am

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Weihnachten ohne Weihnacht

Dienstag. Weihnachtsfeier in einer verwunschenen, privaten Galerie, wo ich mich sofort in ein Bild verliebe. Wenn ich Geld hätte… und das blöde Finanzamt mich nicht mit Nachzahlungen und Vorauszahlungen tyrannisieren würde … Habe ausgerechnet, dass ich abzüglich dieser Zahlungen in den letzten 2 Jahren für meine dreiviertel Stelle (!) an der Schule pro Monat genau 100 € mehr verdient habe als mit einem Minijob auf 540-€-Basis. Aber das ist ein anderes Thema. Also keine Bilderkaufphantasien. Dafür stimmungsvolle Kerzen, mitgebrachtes Essen, ein feines Süppchen auf dem Herd, Wein, Kaffee und gute Laune. Einer greift zur Gitarre und kündigt Weihnachtslieder zum Mitsingen

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Lost Place

Montag. Auf was habt ihr denn so richtig Bock?, frage ich die Lerngruppe, die manchmal etwas schwer zu motivieren ist. Das Wort Lost Places fällt, da bin ich sofort dabei. Müsste aber ein Lost Place sein, den man legal betreten darf, sonst können wir das nicht als Lehrveranstaltung deklarieren, sage ich und google verlassene Orte in Eisenach. Es gibt mehrere, fast alle einsturzgefährdet oder zu weit weg. Der einzige, der übrigbleibt, ist das Automobilwerk, Gebäude O1. Zum Glück kann PM Kontakt zu den richtigen Personen herstellen, so dass schnell ein Termin gefunden ist, und der ist heute! Wir dürfen alles

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EKD – Frieden schaffen mit vielen Waffen

Sonntag, 2. Advent. Die NEUE DENKSCHRIFT DER EKD mit dem Titel „Friedensdenkschrift 2025, Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ vom November 2025 verheißt nichts Gutes. Wie zu lange Titel selten Gutes verheißen. Sie implizieren nämlich immer gleich eine Rechtfertigung, wie auch hier. Dabei könnte es so einfach sein: Jesus lehrte den vollständigen Verzicht auf Gewalt. Er schlug nicht zurück. Er vergab seinen Feinden. Sogar am Kreuz betete er für seine Peiniger. Jaja, das wissen natürlich auch diese ausgefuchsten Verfasser der neuen Denkschrift. Nur – so einfach lassen sie das Jesus nicht durchgehen. Weshalb, so das rheotrische Schema, auf

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Glück

Samstag. Wartburg-Weihnachtsmarkt mit meinen zwei Süßen. Der Duft von Schokolade und gebratenem Fleisch, die Klänge einer mittelalterlichen Band: Trommel, Laute, Dudelsack. Sie rennen herum und überlegen, was sie sich am Ende kaufen wollen. Wir haben 60 € dabei, das muss reichen. Wir gehen auch in die Wartburg rein. Im Festsaal wird ein Krippenspiel aufgeführt. Das Kind heißt Kind. Es liegt in der Krippe, und die Eltern von dem Kind sind Geflüchtete. Dass das Kind einen Namen hat,  fällt in diesem Krippenspiel unter den Tisch. Warum dann das traditionelle Gedöns mit Stall und Tieren und Hirten? Das Kind ist Jesus, sage

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