Selbstoffenbarung

Donnerstag, Tübingen. In der Tübinger Stille, zwischen Freundetreffen und  Schreibwerkstatt (wunderbare Texte wieder), reflektiere ich, dass ich langsam erst lerne, mich selbst ernst zu nehmen. Mich wichtig zu nehmen. Ist ja eher negativ konnotiert, wenn sich eine wichtig nimmt. So als sei das ein Manko oder ein Hinweis darauf, dass man Ambitionen hegt, die die eigentlichen Fähigkeiten übersteigen. So als sollten die Hoffnungen auf die eigene Entfaltung oder das eigene Wachsen als anmaßend entlarvt werden. Frauen, die sich selbst ernst nehmen, werden gerne demontiert. Lächerlich gemacht in ihren Ambitionen, in ihren Hoffnungen an sich selbst. Mich hat mal einer, nachdem

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Lesung Gotha

Am 26. Juni lese ich in der bezaubernden Bücherstube Hannah Höch in Gotha: Was wirklich zählt – 18 Mal Hoffnung in Krisenzeiten Ich freue mich auf einen kommunikativen Abend und lebendigen Austausch mit Dir und Euch! Ticket-Anmeldung: 03621-29674

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Fazite

Montag, Tübingen. Wenn mehrere Veranstaltungen an einem Tag stattfinden, dann ist das für mich wie Schule und Pünklichkeitsstress. Ich werde dann ganz langsam, bis ich weiß, dass ich es nicht mehr schaffen kann. Auf dem Weg lasse ich mich gerne von einem Schuhgeschäft ablenken. Es gibt immer irgendwo eins. Ich probiere ganz viel und kaufe in den seltensten Fällen. In jedem Fall gehe ich mit einem Triumphgefühl über die Zeit wieder raus. Das war schon bei meiner allerersten Lesung so: In Berlin, gesponsert von Bruno Banani, lasen wir erotische Kurzgeschichten in einer alten Fabrikhalle. Davon schrieb ich damals mehrere, und

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Nürnberg lädt ein

Freitag, Nürnberg. „Über alles liebe ich die Freiheit“ ist das Motto, unter dem die Stadt Nürnberg ca. 100 Autorinnen und Autorin vom PEN Deutschland zum Empfang im Historischen Rathaussaal einlädt. Bei gutem Essen und Getränken haben wir Gelegenheit zum Connecten, Austauschen, Projekteplanen gemeinsam mit anderen schreibenden Menschen. Ich bin ja hier so etwa die superunrelevanteste Person überhaupt. Und trotzdem. Mittendrin. Glücklich!

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Erlösung

Donnerstag, Tübingen. Wer über ein Kunstwerk nachdenkt, einen Roman, eine Skulptur, ein Musikstück, whatever, rückt dem Leben und dem Tod, weil der dazugehört, und allem, was um einen herum passiert und ist, näher. Das läuft auf einer Metaebene mit. Für andere verborgen, ist es immer da und lenkt mitunter ab und führt zu diesem glasigen Blick, mit dem kreative Menschen oft ihr Gegenüber belegen, um nicht unhöflich zu erscheinen, weil gerade etwas Wichtigeres ihre Gehirne in Bewegung hält. Die künstlerische Persona tritt in einen ein, sehr früh, wann genau, weiß ich nicht, vielleicht schon mit der Geburt, oder im Kleinkindalter,

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Der Fleck

Geht das anderen auch so? Die Kombis für 4 Tage Nürnberg strategisch ausgebreitet, und dann das: Ein Fleck auf der weißen Jeansjacke. Woher? Die hab ich noch gar nicht angehabt. Direkt vorne auf der Knopfleiste, wie ein minikleiner Make-up-Spritzer. Und daneben noch einer, heilige Scheiße, was will mir das sagen? Hat sich etwa eine andere in der Jacke, die inzwischen meine ist, in der Umkleide geschminkt? Ich weiche ein, wische, schrubbe, und endlich verblasst der Fleck, verschwindet schließlich ganz. Alles wird gut. Ich werde sie anziehen können, na klar! Morgen. Morgen fahre ich los, mit der Jacke im Koffer, sie

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Im Spiegel

Mittwoch, Tübingen. Gerade finde ich bei Deborah Levy (Ein eigenes Haus, 2021 Hoffmann und Campe) eine Stelle, die von mir handelt: Nur ein Teil in uns ist geistig gesund, nur ein Teil in uns liebt die Freude und länger währendes Glück, möchte neunzig Jahre alt werden und friedlich im eigenen Haus sterben, das auch denen Schutz bietet, die nach uns kommen. Die andere Hälfte in uns ist dem Wahnsinn nahe, sie zieht das Unangenehme dem Angenehmen vor, liebt den Schmerz und möchte in einer Katastrophe untergehen, die das Leben auf seine Anfänge zurückwirft und von unserem Haus nichts als das

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