Weisheit

Montag. Hagia Sophia bedeutet Heilige Weisheit. Dem türkischen Präsidenten hat es gefallen, aus der seit 1934 unter Atatürk zum Museum umgewidmeten Kirche wieder eine Moschee zu machen. Das war sie schon einmal, nachdem 1453 die Osmanen Konstantinopel erobert hatten; damals wurden der ursprünglichen Hauptkirche des Byzantinischen Reiches auch die vier Minarette aufgepfropft. Die türkische Religionsbehörde muss nun noch klären, was mit den Fresken und Mosaiken passiert; wegen des Bilderverbots im Islam müssen sie zumindest während des Gebets abgedeckt werden. Erdowahn hat seinen Beschluss ohne irgendwelche Absprachen mit der UNESCO oder mit den Oberhäuptern der orthodoxen Christenheit durchgezogen. Deren Entsetzen scheint

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Corona Diary / Bunt

Sonntag, B.N. Bolsonaro habe seine Infektion wohl nur vorgespielt, wird jetzt gemunkelt: Weil er schon nach zwei Tagen so prächtig rekonvaleszent in die Fernsehkameras grient und sich auch schon wieder mit wichtigen Leuten trifft, so um dem Volk zu demonstrieren, wie harmlos das Corvid 19 Virus eben wirklich sei und nichts weiter als eine kleine Grippe.Freitag Abend beim Essen im Bell’s weist Markus uns auf seine neueste Errungenschaft hin: Einen riesigen Baum in einem riesigen, quadratischen Metallkübel. Er zeigt uns Fotos von der Aktion, wie das Monstrum vor wenigen Tagen hier in den Innenhof reingekommen ist: Mit einem Kran über

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Das Lied vom Tod

Dienstag. „Ich, Ennio Morricone, bin tot.“ Die letzten Zeilen des sterbenden Musikgenies und zweifachen Oskar-Preisträgers, die wir heute der Presse entnehmen durften, machen Gänsehaut, so anrührend sind sie. Morricone verabschiedet sich darin von Freunden und Familie und ganz besonders von seiner Frau Maria, mit der er seit 1956 verheiratet war. Bei einem der vielen Kindergeburtstage der Kamener Pfarrersfamilie Szameit saß ich unterm Esstisch und wartete darauf, entdeckt zu werden. Wir spielten Verstecken im Dunklen, und eigentlich hoffte ich inständig, ganz lange nicht entdeckt zu werden. Die Dunkelheit war umfassend. Als würde ich unter einer Decke stecken, sah ich nichts in

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Für Debbie

Am 1. Juli wurde Debbie Harry alias Blondie 75 Jahre alt, und zufällig finde ich heute eine Tribute-Passage an sie: Laabs Kowalski hat sie in seinem Roman So zärtlich war das Ruhrgebiet* geschrieben: 1987 war ein ganz besonderes Jahr, denn ich bekam meinen allerersten Kuss. Mit Zunge! … Noch aber war es nicht so weit, das Jahr hatte gerade erst begonnen und rückte zunächst eine ganz andere Frau in mein Bewusstsein: Debbie Harry. Im Februar tauchte sie mit ihrer Band Blondie erstmals im Fernsehen auf, mit einer Coverversion des Songs „Denise“ von Randy & The Rainbows, und sie machte uns

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Corona Diary / Peace im Sommer

Samstag. Der Sommer mit seiner milden Wärme lässt einen träumen. PM und ich im Meze, wir haben uns viel zu erzählen, wir haben uns eine Woche lang nicht gesehen. Er arbeitet an einem Artikel über Gefäßchirurgie für eine Fachzeitschrift, ich konzentriere mich auf mein neues Buchprojekt. Corona macht die Menschen müde, alle reden davon, wie müde sie sind und dass sie dauernd einschlafen könnten. Uns geht es genauso. PM meint, dass sei die Depression, die das Virus auslöst. Ich habe viel aufgeräumt und ausgemistet in der letzten Woche. Jetzt bin ich voller Tatendrang. Die Müdigkeit geht mir auf die Nerven,

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Ws stmmt ncht …

… wenn du bei einem Lied im Radio anfängst zu weinen, bei dem du sonst gekotzt hast? … wenn du deinen fiesen Nachbarn superfreundlich grüßt, der deinen dummerweise am Briefkasten stecken gelassenen Hausschlüssel einkassiert und dir damit so richtig Stress gemacht hat? … wenn du zu deiner aufgebrachten Lieblingskollegin sagst: Mach nicht so ne Welle! … wenn du die flachen Latschen statt der roten Highheels trägst und behauptest, die sähen besser aus? … wenn du seit zwei Wochen nicht schaffst, die wichtigste Person für dein neues Projekt zu kontaktieren?

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Nachts

… durch Tübingen mit dem Fahrrad nach Hause, der Mond funzelt durch die Bäume, auf den Balkonen wird gefeiert, im Kopf der Abend mit Abschied und Neuanfang, ein geschenktes Buch in der Tasche (Zvi Kolitz: Jossel Rakovers Wendung zu Gott), eine Verabredung zum Kaffee und Gute Nacht.

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Schluss?

Dienstag. Heute Abend in der Lernstub verabschieden wir unseren Pfarrer Harry W. Das ist traurig. Ich hoffe, dass es mit unserer skurrilen, aber liebenswerten Truppe weitergeht. Ich hoffe, dass es mit ihm weitergeht. Ich kann Abschiede nicht leiden.

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