Freitag. Laut dem Psychologen und Buchautor Ahmad Mansour, selbst bekennender Moslem, ist es nicht zielführend, Macron oder den Franzosen eine Mitschuld an den aktuellen Spannungen zu geben. „Stellen Sie sich vor, Sie würden den Opfern von Hanau oder von Halle eine Mitschuld an den rassistischen, antimuslimischen oder antisemitischen Haltungen geben. Das geht nicht. Terroristen sind die Verantwortlichen und die Opfer sind Opfer – und nicht umgekehrt“, betont er.
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Wunder(n)
Donnerstag. Wenn der 77-jährige Biden auf die Bühne wackelt, kann man sich schon über die politische Elite des Mutterlandes der Demokratie wundern. Bei dem einen haben wir uns an Comedy-Einlagen gewöhnt, bei dem anderen möchte man aufspringen und ihn stützen.
WeiterlesenReligionskritik
Dienstag. Und wo bleibt die Solidarität der Kirchen? Unisono erklären die Oberhäupter beider Konfessionen, dass man so etwas auch nicht macht: Religionskritische Karikaturen veröffentlichen. Ach nein? Macht man nicht? In einer Demokratie? Da haben die Herren (es handelt sich nur um Männer) aber einiges vergessen. Vor ca 40 Jahren kam „Das Leben des Brian“ in die Kinos, und ich habe mir sagen lassen, dass fromme Christen mit Transparenten vor den Eingängen demonstrierten, weil sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt sahen. Dass Menschen, die in einer Demokratie leben, das aushalten müssen: Kritik an ihrer Religion, mit welchen künstlerischen Mitteln auch
WeiterlesenGeschichte ist machbar, Herr Nachbar?
Montag. Vor zwei Wochen der enthauptete Lehrer in Paris. Vor fünf Tagen die Messerattacke in Nizza mit mehreren Toten. Heute die Schießerei in Wien mit fünf Toten (einschl. dem IS-Attentäter) und 22 Schwerverletzten an sechs verschiedenen Tatorten, unter anderem in der Straße, in der sich auch die Wiener Hauptsynagoge befindet. Dazu kommt seit diesem Wochenende der zweite Shutdown für den ganzen November – schlimme Aussichten also. Die Stimmung ist superdüster (passend zum Wetter). Lassen sich die Probleme jemals in den Griff kriegen? Es sind zu viele auf einmal. Die Wiener Bevölkerung muss gleich aus zwei Gründen im Haus bleiben: Shutdown
WeiterlesenSean C.
Samstag, B.N. Oh mein Gott, Sean Connery ist tot, der Original James Bond, der Sexiest Man of the Century, das ist wirklich ein Verlust, eine Lücke, die sich nicht schließen lässt. Es gibt Menschen, die dürften einfach nicht sterben, die gehören zu unserem Leben dazu, wie Mick Jagger oder Tina Turner oder eben Sean Connery, die sind doch unsere Heroes. Und wenn es dann doch passiert, wie 2016, als Bowie starb, oder im September Juliette Greco, dann merkt man, dass ein Stück von einem selbst mitgeht. Wir werden Dich vermissen, Sir Sean Connery.
WeiterlesenBlaupause
Samstag, B.N. Die sechzigjährige H. ist am Ende ihrer Weisheit. Seit dreißig Jahren lebt sie in Deutschland, wo sie als Putzhilfe arbeitet und jeden Cent in das Haus steckt, das sie und ihr Mann für ihre siebenköpfige Familie gebaut haben. Inzwischen ist sie dreifache Großmutter. Ihr 72-jähriger Mann arbeitet auch noch: Früher fuhr er Taxi, mittlerweile ist er auf Bus umgestiegen. Bei seinen Fahrten über die Dörfer lernt er die Filipina J. kennen. Und die Sache nimmt ihren Lauf. Zwei Jahre lang heimliche Beziehung, ausgerechnet an ihrem 40. Hochzeitstag entdeckt H. die Telefonnummer auf dem Handy ihres Mannes. Sie kennt
WeiterlesenFalsch?
B.N. Freitag. Menschen tun das Unmögliche, um ihr Gefühl von Alleinsein, von Ausgeliefertsein – nein, ihr faktisches Alleinsein und Ausgeliefertsein zu bewältigen. Entscheidungen werden gefällt, die sich eines Tages garantiert als – nun, problematisch erweisen werden. Die Ahnung der Falschheit liegt bereits über der Entscheidung, ehe sie gefällt ist. Es geht aber nicht anders. Es gibt keine Alternative, und so zieht man es durch und arrangiert sich mit dem Falschen, um das noch Falschere zu vermeiden. Dann ist das Falsche in der Situation vielleicht genau das Richtige …
WeiterlesenSolidarität – nein danke!
Montag, B.N. Macron bekräftigt das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit. Dieses Recht schließe auch die Freiheit zur Veröffentlichung religiöser Karikaturen ein. Erdogan erklärt Macron daraufhin für geisteskrank und für islamophob. Seine Beleidigungen führen zum Abzug des französischen Botschafters aus Ankara. Daraufhin boykottiert die Türkei Waren aus Frankreich. Mehrere arabische Länder schließen sich dem Boykott gegen französische Produkte an. Erdogan bezeichnet auch die Razzia in einer Berliner Moschee wegen des Verdachts auf Corona-Subventions-Betrug als rassistisch und islamfeindlich.Am Mittwoch hatten etwa 150 Polizisten in der deutschen Hauptstadt mehrere Firmen und eine Moschee wegen eben dieses Verdachts durchsucht. Sie beschlagnahmten 7000 Euro
WeiterlesenKeine Ungeheuer
Sonntag, B.N. Für eine Woche entkommen: dem Wahnsinn im „Amt“, den unüberschaubaren Regelungen, der Angst vor Ansteckung, dem Gehetztsein, den irre gehetzten Tagen im Tübinger Corona-Alltag. Wie PM da auf dem Bahnsteig steht mit seinen langen Beinen und auf mich wartet, das spült so eine warme Welle in mein Herz, dass ich sofort alles vergesse. Was für News gibt es aus der Klinik, vom „Amt“, aus B.N.? Während der Autofahrt erzählt er von einem neuen Kollegen, ich von einer infizierten Kollegin, doch da wir seit beinahe sieben Jahren jeden Abend telefonieren, wissen wir im Wesentlichen über das Leben des anderen
WeiterlesenWelche Werte
Freitag. Ein Lehrer ist in einem Pariser Vorort auf offener Straße geköpft worden. Grund: Er hatte über die Freiheit der Presse gesprochen und eine lustige Karikatur gezeigt, welche, das sage ich hier sicherheitshalber nicht. Jedesmal, wenn ich vom „Amt“ nach Hause gehe, muss ich jetzt daran denken, wie ein Zwang ist das. Habe ich alles zur Zufriedenheit aller gemacht, was ja definitiv nicht möglich ist, oder könnte irgendein Irrer auf die Idee kommen, mir den Kopf abzuschlagen?Macron hat zum Glück deutliche Worte für die Tat gefunden: „Ich möchte heute Abend allen Lehrern Frankreichs sagen, dass wir mit ihnen zusammen sind,
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