George Floyd

Freitag. In den USA Massendemonstrationen wegen des gewaltsamen Todes an George Floyd. Unter dem Griff eines Polizisten ist er erstickt. Es ist diese Todesart, die ihn jetzt zum Märtyrer macht. Die Unruhen haben wohl auch noch andere Hintergründe. Trump hat sich in der Coronakrise extrem angreifbar gemacht. Viele Todesfälle und überproportional viele in der schwarzen Community.

Weiterlesen

The Party Is Over …

Donnerstag (Fronleichnam) … und sie war schön. Bunt, hektisch, emotional, lustig und manchmal melancholisch, wie es eben so ist bei Hochzeiten. T. und E. vor einem aufgedrehten Standesbeamten mit einer knallharten (Corona-)Choreographie, später auf dem Balkon des Tübinger Rathauses, noch später alle zusammen bei ihnen zuhause. Unser Programm haben sie – genossen, glaube ich: schnell getaktet, auf den Punkt gebracht, und an keiner Stelle war es peinlich. Das Essen reichlich und gut. Zwischendurch, in einer Regenpause, spazierengehen, quatschen, sich kennenlernen, sich bewegen. Sprachen-Crossover: EnglischDeutschItalienisch. Wenn T. glücklich ist, dann bin ich es auch. Gleich fährt PM allein zurück nach B.N.,

Weiterlesen

Corona Diary / Behörden

Dienstag. Den Vormittag in Warteschleifen verbracht: Gesundheitsämter, Stadtverwaltung, WTG-Behörde, Nebenstellen, Heimaufsicht …Die Mutter besuchen geht nur mit Terminvorgabe, gesetzlich vorgegebenem Abstand, Plexiglasscheibe zwischen Besucher und Heimbewohner, Mundschutz, AUFSEHER –Was? Es ist wie im Krieg, sagt meine Mutter, und das ist das Schrecklichste, dass diese Maßnahmen bei den Alten die Traumata von Flucht und Verfolgung triggern. Überwachung, Maßregelungen, das alles erinnert eher an Knast als an Seniorenresidenz. Bei der Aussage „Sie bekommen am Samstag sowieso keinen Termin mehr“ sehe ich kurz rot, doch die Diplomatie siegt und ich werde zum kreidefressenden Wolf. Derweil kommt vom Gesundheitsamt die Bestätigung, dass mir der

Weiterlesen

Hadern

Sonntag. Alte Fotos raussuchen, oje! Seit der Horrortrennung von M. – was nicht der Vater meiner Kinder ist – vor einigen Jahren (weshalb es dieses Blog überhaupt gibt) fällt mir der Blick in die Vergangenheit schwer. Soll aber sein, war ja sogar meine Idee – zur Hochzeit Bilder von T. Als er klein war, sind wir zweimal in Verona, der Heimat von E., gewesen, das möchten wir als Eltern zeigen, da muss ich nun also durch. Ist ja sozusagen auch Vorvergangenheit … Trotzdem tut der Blick zurück immer ein bisschen weh. Weil unweigerlich mit einer Art Selbstzensur verbunden. Heute kommen

Weiterlesen

Heute und früher

Donnerstag. Heute, an T.’s Geburtstag, Hochzeits-Testessen bei Gerhard. T. und E. wollen es so einfach wie möglich. Das Essen bereiten wir zum großen Teil selbst zu, Käsespätzle kann niemand so gut wie Gerhard, ich bin für die Vor- und Nachspeisen zuständig, der Rest wird bestellt. Nach der standesamtlichen Trauung treffen wir uns in T.s und E.s inzwischen gemeinsamer Wohnung. Ich habe gelesen, dass Deutsche im Durchschnitt 13.000 € für ihre Hochzeitsfeier ausgeben. Darüber haben die beiden sehr gelacht. (Die Statistik darf wohl auch angezweifelt werden, oder gab es bundesweite Umfragen zu dem Thema?) Erst in den letzten hundert Jahren hat

Weiterlesen

Corona Diary / Ohne Kunst wird’s still

Bernd und Mary und die Acoustic Alley Band haben zum Balkonkonzert geladen. In der Abendsonne am Ahrufer gaben sie sich die Ehre: Dafür gibt es die singenden Wirte im Volare nicht mehr! Der Ältere, der Pächter, ist gestorben. Wie traurig! Das Volare, ebenfalls am Ahrufer gelegen, heißt jetzt Ringshauser und ist auch kein Italiener mehr, sondern ein gutbürgerliches Restaurant und eine Weinbar. (s. 19.10.19)

Weiterlesen

Corona Diary / Geld

Pfingstsonntag, B.N. Langsam normalisiert sich das Leben. Die Kneipen haben wieder geöffnet, dürfen allerdings nur in 1,50 m Abstand besetzt werden, was bedeutet, dass die Hälfte der Tische raus bzw. leer stehen muss. Gestern Abend im Bell’s war es schon wieder fast wie früher. Großes Hallo und Wiedersehen nach über zwei Monaten Stillstand. Übermorgen gehts nach Tübingen zurück: T. und E. heiraten. Sie ist es jetzt also! Leider spricht sie außer Italienisch, was ihre Muttersprache ist, nur Englisch, sodass unsere Kommunikation etwas eingeschränkt ist. In den nächsten Tagen gehen wir zusammen shoppen, darauf freue ich mich sehr. Vor lauter Lockdown

Weiterlesen

Die Irm und der Rainer W.

Donnerstag. Irm Hermann ist gestorben, und auf SWR kam die Fassbinder-Doku von Annekatrin Hendel aus dem Jahr 2015 mit vielen Szenen aus seinen Filmen. So viele Erinnerungen! Am prägnantesten: Wie der nackte Fassbinder im Schneidersitz telefoniert und sich am Sack kratzt, während er über Mogadischu und Stammheim und den Tod oder die Ermordung der RAF-Terroristen redet. Wie ekelig, dachte ich damals, ich war viel zu jung und hatte den Zusammenhang zwischen der – in diesem Fall sehr unästhetischen – Nacktheit und dem Gespräch nicht verstanden. Die Hässlichkeit war die Hässlichkeit des Staates, der immer noch faschistische Züge trug – mit

Weiterlesen

Morgens um sieben ist die Welt noch …

Samstag. Ich mag Virginie Despentes. Mit scharfen Schnitten zerlegt sie die Dinge in ihre Einzelteile. Da liegen sie dann vor einem, und ihre subtilen Zusammenhänge machen einen traurig und betroffen. Nie wütend, dazu ist Despentes‘ Haltung zu abgeklärt. Sie hat früher als Prostituierte gearbeitet, nicht aus Zwang, sondern um sich finanziell unabhängig zu machen in einer Gesellschaft, die auf weibliche Abhängigkeit angelegt ist. Daraus macht sie kein Geheimnis. Im Gegenteil, leben die sexuellen Passagen, wie auch ihre ganz frühen Romane, von dieser Erfahrung. Sie verurteilt nichts und niemanden: Selbst das größte Schwein ist ein armes Schwein – in Vernon Subutex

Weiterlesen