Mittwoch. Na super, ich komme aus der Post, und das Fahrrad ist weg! Dabei war ich höchstens fünf Minuten drin. Es sah abgeschlossen aus, das Schloss zugesteckt, nur die Zahlen nicht verstellt. Ich war in Stress, hatte einen Termin in der Handchirurgie – und wie jetzt dorthin kommen? So blöd! Ich hab noch gedacht, ein Restrisiko ist dabei, aber hier ist ja keiner, und ich bin schnell wieder zurück. War ich auch. Bloß, der andere war noch schneller.
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Die Grenze
Dienstag. Im Urlaub hatte ich ein seltenes Naturerlebnis. Ich stand auf dem Balkon und schaute in den Regen. Der Regen war nur rechts. Links war alles trocken, und dazwischen, genau auf der Grenze, stand ich. Das war total irreal. Wie in der Truman Show, als Truman dem Regenschauer hinterherläuft und plötzlich realisiert, dass alles Fake und seine Welt eine Kunstwelt ist.
WeiterlesenWer kriegt die 1,9 Billion?
Samstag. Während der Staat sich zu Tode rettet, dümpeln unsere Schulen, Kliniken, Altenheime und Kindergärten wie gehabt vor sich hin. Nach Einschätzung der Deutschen Bank hat der Finanzminister zur Stimulierung der deutschen Volkswirtschaft ca. 1,9 Billionen Euro investiert. Eine Billion hat für mich eher den Charakter des Abstrakten als den einer Zahl, man weiß gerade noch, wieviele Nullen sie hat (zwölf!), vorstellen kann man sie sich kaum mehr.Als Beschäftigte einer nicht subventionierten, pädagogischen Einrichtung reibe ich mir die Äuglein und bedaure, dass ich nicht bei Lufthansa, auf der Aida, in der Autobranche oder irgendeiner Bank meine Brötchen verdiene. Dahin fließt
WeiterlesenStillstand und Bewegung
Freitag. Im „Amt“ auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen. Viele Maßnahmen, die nicht gerade mit Sinnhaftigkeit überzeugen, viel vertane Zeit bis in den Abend hinein – das schmerzt. Jede verlaberte Stunde ist eine Stunde Lebenszeit, das muss man sich mal in seiner ganzen Tragweite vor Augen führen.Am Abend kommen die Tochter von PMs Freunden und deren Freundin aus B.N. zum Übernachten. Sie machen eine Deutschlandtour und bringen einen mit ihren Geschichten auf andere Gedanken. Lange mit einem ehemaligen Klassenkameraden telefoniert. Übernächstes WE ist Klassentreffen in der alten Heimat, in Kamen, ich bin megagespannt, habe seit Jahren keinen Kontakt mehr,
WeiterlesenHartes Plus
Donnerstag, Tübingen. Bis auf den Stresstelefonierer, der es dauernd vom Harten Plus hat, bleibt die Fahrt ereignislos. Der Typ macht Online-Konferenz im Zug, in unregelmäßigen Abständen schaltet er sich lautstark ein: „Ich hab nichts gegen ein hartes Plus“, und später: „Also bleibts dabei – ein hartes Plus?“Nach fünf Wochen bin ich wieder allein in meiner Wohnung, was sehr strange ist. Ich bekomme Lust zu telefonieren, aber Susanne ist nicht da, Mecki krank, Wolfgang noch im Urlaub. Morgen ist Konferenz im „Amt“. Gefühlte hundert E-Mail-Anhänge ausdrucken. Koffer auspacken. Komische Sachen essen – was sich noch so finden lässt nach so langer
WeiterlesenAbschied
Sonntag, Eisenach. Für unseren würdigen Abschied wird das Montagsbier auf Samstag vorverlegt. Bei Franzi und Thomas auf der Terrasse ist die Nacht warm, die Diskussionsthemen heiß, zu den Würstchen gibt es Honigsenf und wir bekommen Tee aus selbstgesammelten Kräutern vom Johannistal, selbsteingekochte Marmelade und selbstgebrannten Pflaumenschnaps geschenkt. Ein Abschied, der das Wiedersehen vorwegnimmt.
WeiterlesenLeerstand
Donnerstag, Eisenach. Mit Tov und Jochen wandern wir zur Hohen Sonne und weiter zum Altenberger See. Auf unserem Stück Weg durch den Thüringer Wald kommen wir an einer einsam gelegenen Schlossanlage vorbei: Das Wilhelmsthaler Schloss. Das glaubt man nicht – die Gebäude stehen alle leer! Einst haben in den Sälen glanzvolle Konzerte stattgefunden: der vom Bauherrn Herzog Johann Wilhelm l. als Konzertmeister angestellte Georg Philipp Telemann hat zahlreiche seiner Werke hier komponiert und uraufgeführt. Rund 100 Jahr später haben Goethe, Hebel und List gesellige Stunden im Wilhelmsthaler Schloss verbracht, die für Goethe äußerst inspirierend gewesen sein müssen. Nicht nur die
WeiterlesenKleine Freuden
Mittwoch, Eisenach. Gotha ist das gesellschaftliche Kontrastprogramm zu Eisenach. C. und R. erwarten uns schon an der gedeckten Kaffeetafel in ihrem prachtvollen Garten. Auch sie alte Freunde von PM – PMs Freunde sind auch meine Freunde, und ich bin sehr gespannt auf die beiden. C. war einst Pionierführerin, irgendwie kann man sich das immer noch bestens vorstellen. Während der kurzen Zeit unseres Besuches kommen ständig Nachbarskinder in den Garten, um in ihren Pool zu springen. Mit den nassen Badeklamotten laufen sie ins Haus, holen sich Kuchen und Saft aus der Küche und scheinen sich wie zuhause zu fühlen. C. und
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LPG oder Kolchose
Dienstag, Eisenach. In Bischofsroda kann man noch LPGs sehen. PM und Tov sind von meinen romantischen, noch von DDR-Romanen geprägten Vorstellungen genervt. Sie sagen Kolchose, was abwertend gemeint ist. Sie finden die grauen Riesengebäude eher langweilig und verstehen nicht, warum ich sie sehen will. Tovs Boot heißt Lotte U. Die Lotte U. ist ein in die Jahre gekommenes, aber stabiles Gefährt und wird von einem 8-PS-Yamaha Außenborder betrieben. Der hat seine Mucken. Zum Glück hat Tov die Sache im Griff, er ist Ingenieur. Wir cruisen die Werra hoch. Die Sonne scheint, die Wiesen gleiten vorbei, die Landschaft ist unbeschreiblich. Das
WeiterlesenHunde und Masken
Montag, Eisenach. Ausruhen, Stadtbummel, Shoppen bei Schwager, Kuchen für heute Abend besorgen: Montagsbier auf dem Gartengrundstück von einem, den ich bisher noch nicht kenne. Hoffentlich ist Angelika dabei, hoffentlich sind nicht so viele Hunde dabei. Jeder zweite Eisenacher besitzt einen Hund. Warum? Angelika hat auch einen. Wenn ich sie besuche, sperrt sie ihn im Wohnzimmer ein, und dann dreht er durch und rennt gegen die Tür, weshalb ich schnell wieder gehe. Bei einem Händler auf dem Markt habe ich mir eine ganze Sammlung Masken gekauft, 3 Euro das Stück. Überhaupt ist hier alles so billig, dass man manchmal ein schlechtes
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