Dienstag. Heute hab ich Arie Rosen, den Sohn von Lea Fleischmann, kennengelernt. Fleischmanns Buch Dies ist nicht mein Land, in dem sie ihre Auswanderung nach Israel begründet, habe ich einmal geliebt. Rosen lebt in Jerusalem und arbeitet für das Büro für kulturelle Begegnungen. Er hat mich eingeladen: Nächstes Jahr in Jerusalem …
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Elisabeth Vigée-Lebrun und ein früher Fall von Fake News
Eines der schönsten Selbstporträts der Kunstgeschichte stammt von der jungen Elisabeth Vigée-Lebrun, das sie sechs Jahre vor der Französischen Revolution von sich gemalt hat: Selbstbewusst, optimistisch, lebensfroh! Am 31. Mai 1783 wird Vigée-Lebrun zum Mitglied der Königlichen Akademie der Malerei und Bildhauerei, Académie royale de peinture et de sculpture, mit dem Titel einer „Portraitmalerin“ ernannt. Die Verantwortlichen sind gegen die Aufnahme Vigée-Lebruns, werden jedoch schließlich von Ludwig XVI. überstimmt. Aufgrund ihrer engen Beziehungen zum Königshof und zum Adel, wo sie ihre besten Kunden hat (u.a. Marie Antoinette), wird sie von der Presse zunehmend attackiert. Als Frau, als Mensch und als
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Mittwoch. Thea geht aus Tübingen weg. Nach der Kündigung ihrer Wohnung hat sie sich spontan eine neue Arbeitsstelle bei Kassel gesucht, eine Wohnung in Kassel, und ab Januar ist sie weg. In einer Stadt, in der sie niemanden kennt. An der Verlagsfront tut sich was. L. schreibt Rechnungen für ihre Kunden. Sie bekommt genug Aufträge rein, ohne Werbung zu machen. Der Elektriker war fast 4 Stunden beschäftigt, eine verschmorte Lampe, die sich schon in die Decke gefressen hatte, herauszuholen und eine andere Lampe über dem dadurch entstandenen Riesenloch anzubringen. Auch sonst gab es lauter Kleinkram zu erledigen, den ich selbst
WeiterlesenDeborah Feldman über Spiegelungen, G. Steinem über Menschlichkeit
Deborah Feldman über ihren Roman „Exodus“, von dem sie inzwischen nichts mehr wissen will: „Es war eine Selbstverneinung. Ich sollte immer irgendetwas spielen. In Amerika bist du nur etwas, wenn du bist, was alle sagen, dass du bist. Du definierst dich in dieser Gesellschaft nur als Spiegelung. Alles ist so öffentlich, alles passiert auf der Bühne.“ (Spiegel 44/28.10.2017) Gloria Steinem: „We are talking about a society in which there will be no roles other than those chosen or those earned; we are really talking about humanism.“ („Wir reden über eine Gesellschaft, in der keine anderen Rollen existieren werden als die,
WeiterlesenBeziehungen
Sonntag Morgen, B.N. Ein Tag bei meiner Mutter und ein Tag in Köln bei L. und B. sind Familiengeschichten, die dem Anschein nach nichts miteinander zu tun haben. Wie Schatten und Licht(?) Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer ist so gut geschrieben und so spannend, dass ich im Zug beinahe vergessen hätte auszusteigen. Es ist Zehrers erster Roman und ein Volltreffer. Ich hatte es PM zum Geburtstag geschenkt, und wie er das Buch auspackt, guckt er so ernst und sagt: „Ja.“ „Ja, was?“, frage ich. Und er: „Ja, das habe ich auch schon gekauft. Für dich, zu Weihnachten.“
WeiterlesenReformation und Präzision
Mittwoch, B.N. Was für ein wunderbarer Fresstempel: Das Medo in Siegburg. A. und J. haben uns eingeladen, und wir schlagen zu und genießen die gute, türkische Küche. Es ist immer eine Freude, mit A. und J. zusammen zu sein. Zu lachen, zu quatschen und auch die ernsten Dinge nicht auszusparen. Arbeit am Interview mit A.V. begonnen. PM arbeitet an einen Artikel über lymphatische Komplikationen nach Operationen, der beim internat. Wissenschaftsverlag Springer veröffentlicht werden soll. Sabine erzählt, passend zum Reformationstag (der dieses Jahr einmalig gesetzlicher Feiertag ist) von Werner Tübkes Bauernkrieg, dem Riesenpanoramagemälde in Bad Frankenhausen. Ein Video über die Entstehung
WeiterlesenZusage!
Eine Zusage ist eine Zusage ist eine Zusage. (27.10.2017) War gar nicht so schwer! Ich liebe #Verleger und #Agenten, die das von ihnen für gut befundene, meeega interessante, aber leider, leider – #Kopfwackel – zu schwer verdauliche Manuskript ganz offensichtlich nicht gelesen haben, dann aber anfangen zu schwadronieren. Spätestens nach 20 Sekunden kommt die Sache mit der wirtschaftlichen Lage. Weswegen leider, leider – #Kopfwackel, #Schulterzuck – nur noch leichte Kost gehe. Schreiben Sie mainsteam! Oder so abgefahren, dass Sie für den Bachmann-Preis nominiert werden! Die. Zwei. Richtungen! Sonst! Nichts! Das ist der Markt. Der schreibt die Gesetze, verstehen Sie? Frauenromane!
WeiterlesenAdressat unbekannt
Freitag. Adressat unbekannt ist ein schmaler Briefroman von Kressmann Taylor, der auf kürzestem Weg die Mechanismen von Antisemitismus, bzw. von Entfremdung, Diktatur und Hörigkeit darlegt. Der fiktive Briefwechsel zwischen den wirtschaftlich sehr erfolgreichen Geschäftspartnern eines Kunstgalerie in San Francisco, dem Deutschen Martin Schulse und dem amerikanischen Juden Max Eisenstein, während der wenigen Monate von Hitlers Machtergreifung zeichnet die Entwicklung einer sehr engen Männerfreundschaft bis zu ihrem unausweichlichem Ende mit allen Konsequenzen nach. Adressat unbekannt wurde 1938 als Fortsetzungsroman der New Yorker Zeitschrift Story veröffentlicht. Unbegreiflich, dass er dann über sechzig Jahre in Vergessenheit geriet, bevor er 2000 bei Hoffmann &
WeiterlesenKino: „Happy End“
Dienstag. Dorle drückt ihr rechtes Auge zu, weil es anfängt zu schielen, wenn sie müde oder betrunken ist. Wir haben jede ein Piccolöchen in der Hand. Nicht nur der benebelt unseren Geist. Es ist der Film. Langatmig. (Langweilig wollen wir noch nicht sagen.) Sechzigerjahremäßig. Futter für die Kritiker. Bei denen kommt er großartig an, bei den Kritikern, das haben wir recherchiert. So Toni-Erdmann-mäßig großartig. Die Botschaft ist nach fünf Minuten übermittelt dem nicht gerade dämlichen Programmkinopublikum, ab jetzt wird nur noch ausgewalzt. Die Ersten stehen auf und gehen. „Happy End“ mit Jean-Louis Trinignant und Isabelle Huppert, das baut Erwartungen auf.
WeiterlesenHerbstklanggeschmack
Sonntag, Tübingen. Seidenglatter Morgenhimmel, hefewarme Brokatsonne, Dur-grün und Moll-gelb getupfter Galgenberg, gläsernes Gezwitscher auf dem Balkongelände, Brötchen, Eier, Schinken auf dem Tisch, Steve an der Kaffeemaschine, und gerade kommt PM die Treppe herauf …
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