Montag. Vormittags Arbeitsfrühstück in Hamburg mit dem Literaturagent. Superergiebiges Gespräch über Kernfragen, Zielgruppe und Struktur des Buches. Jetzt gleich Ankunft in BN. Und PM kann mich nicht vom Bahnhof abholen, diesmal. Komisches Gefühl. Wörter des Tages: Bilanzselbstmord. Hellweg. Streiflicht.
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Gut
Sonntag, Kiel. Eventuell gibt es noch einen neuen Interviewpartner, auch aus Berlin. Gestern die Akquise gestartet, es wäre wunderbar, wenn das klappen würde. Bis drei Uhr früh am Einleitungstext gearbeitet. War wie besoffen, alle Gedanken haben sich ineinander verschoben vor Müdigkeit und Stress wegen der Session am Vorabend. Der Text wird gut. Die Interviews sind gut. Texte mit Aussage. Es sind alles Leute, die etwas zu sagen haben. Selten gutes Gefühl der eigenen Arbeit gegenüber. Ich freue mich auf alles Weitere …
WeiterlesenAlles auf Reset
Samstag, Kiel. Geschwisterkonferenz, von Jerome moderiert. Maximal verfahrene Ausgangslage. Verletzungen auf beiden Seiten, verdichtet zu Betonmauern. Baustoff: Missverständnisse, Aggression, Ignoranz zu etwa gleichen Teilen. Agreements: Zuständigkeitsbereiche neu ausgehandelt, es gilt das Ressortprinzip. Kommunikationsstandards: Nachrichten auf sämtlichen Kommunikationswegen über Jerome. Nicht nur in die Tasten hauen – absenden, sondern auch lesen! Alles auf Reset?
WeiterlesenVon Menschen und Krankheiten
Donnerstag, Kiel. Seit zwei Tagen bei Jerome und Beret (das letzte Mal Frühjahr 2014 hier). Große Freude beim Wiedersehen. Jerome geht es nicht gut, die MS, diese Scheisskrankheit, hat ihn im Griff. Beret und er lachen viel zusammen. Jeromes Beine knicken weg und sie lachen, sie stehen zusammen unter der Dusche und ich höre sie lachen und fluchen gleichzeitig, der Rollator fliegt mit großem Gepolter die Treppe runter, sie sehen ihm von oben hinterher, Beret Jerome um die Taille haltend, und kippen sich aus vor Lachen, Jerome wacht in der Nacht auf dem Boden vor seinem Bett auf oder auch
WeiterlesenGestern bei Hagen Rether
Montag, B.N. Ein Abend mit Hagen Rether in der ausverkauften Bonner Oper. Politisches Kabarett? Gelacht wird, aber noch eher gedacht. Da redet einer dreieinhalb Stunden – okay, abzüglich der halben Stunde Pause – auf höchstem Niveau, um im Schnelldurchgang sein Weltbild zu präsentieren. Und das umfasst fast alle Bereiche: Flüchtlinge, die er lieber Heimatvertriebene nennt, ungesühnte sexuelle Missbräuche in der katholischen Kirche, Waffenexporte nach Saudi Arabien, Gewalt gegen Frauen, worüber sich kein einziges Politmagazin, keine Talkshow echauffiert, TTIP, wobei der eigentliche Skandal nicht das Chlorhühnchen ist, sondern dass wir überhaupt noch Hühnchen essen – Rether ist Veganer – und dass im Zuge
WeiterlesenSüßer König Jesus
Sonntag. Süßer König Jesus von Mary Miller ist ein Roadmovie. Bei manchen Roadmovies fragt man sich, warum sie eigentlich geschrieben wurden, denn leider ist nicht jede(r) AutorIn, die/der sich an dem dauerangesagten Genre abarbeitet, ein Jack Kerouac oder Philippe Djian. Bei Süßer König Jesus stellt sich die Frage nicht. Dieser Roadmovie steuert ein Ziel an: Die Entrückung! Eine ganze Familie hockt tagelang im Auto auf dem Weg von Alabama nach Kalifornien, dem Untergang der Welt und damit verbunden der Erhebung auserwählter Christen – also auch ihrer eigenen – entgegen. Unterwegs heißt es für die evangelikale Kleinstgruppe, Vater, Mutter und zwei
WeiterlesenStandortwechsel
Mittwoch, B.N. Seit gestern stehen meine Möbel bei PM im Keller: Die alte Standuhr, der runde Esstisch, drei Stühle (wo ist der vierte?), ein Nähtischchen, eine Marmorfigur. Immerzu muss ich runterrennen und mir das ansehen. Ein schönes Gefühl: Meine Möbel, im PMs Haus. Vor ziemlich genau siebzig Jahren hat meine Oma v.seits die Sachen aus Naumburg a. d. Saale über die grüne Grenze geschafft. Zu dem Zweck hatte sie jemanden von der Bahn bestochen oder becirct, wahrscheinlich letzteres, sie war eine taffe und schöne Frau, um schließlich einen ganzen Eisenbahnwaggon für sich alleine zu bekommen. Für ihre Möbel und ihren
WeiterlesenChaos
Montag, Werne. Sehr früh am Morgen mit dem Zug von BN zu meiner Mutter gefahren. Mutter nicht da, ihr Zimmer leer, Mutter ist im Krankenhaus. Mit der Überraschung haut es also nicht ganz hin. Aber wo liegt sie? Lässt sich aus den Akten nicht so einfach erschließen. Da steht nämlich was von Marienhospital. Das ortsansässige Krankenhaus heißt aber nicht Marienhospital. Sondern das in Lünen. Was stimmt nun? Der junge Pfleger hängt sich freundlicherweise ans Telefon. Die Zustände im Altenheim scheinen heute, milde ausgedrückt, chaotisch. Die Leiterin ist selber krank, wohl schon länger, ihre Vertretung in Urlaub. Wer will es ihr
WeiterlesenDer Typ von der Tanke
Samstag, Heimfahrt. Wenn der Typ von der Tankstelle, ungefähr fünfzehn Jahre jünger als du, deine holprige Frage nach Acqua frizzante mit Komplimenten und flirtigen Ansagen unterbricht und dich nach deiner Handynummer fragt und dich fragt, ob du verheiratet bist und sein Bedauern über den vermeintlichen Ehemann dahinten bei der Zapfsäule so gestenreich und dramaturgisch überzeugend zum Ausdruck bringt, wie das nur die Italiener fertigbringen, dann macht dir das, Feminismus hin oder her, sehr, sehr gute Laune. Der Tag sieht gleich mal perfekt aus. Kleid sitzt, Frisur o.k., und selbst der Acht-Kilometer-Stau vorm Gotthardtunnel kann dir gar nichts. Dein Stern hat heute
WeiterlesenReligiöser Wahn
Samstag, Mailand. Was würdest du machen, wenn ich jetzt auf einmal einen religiösen Wahn kriegen würde?, fragt mich PM im Mailänder Dom, gerade als wir Kerzen für unsere Lieben anzünden. Ich denke an die Zeltmissionen, zu denen ich als Jugendliche mit der CVJM-Gruppe hingepilgert bin, weil ich auf Ulrich Parzany stand, weil der immer so offen über Sex geredet hat, wenn sich aus dem Publikum einer traute, ihn was zu fragen, und ich frage mich gerade, was der heute macht und ob der noch lebt, und denke an die Männer und Frauen im fortgeschrittenen Alter, also über zwanzig, die sich
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