Sonntag. Das Stück Party mit totem Neger (Zimmertheater Tübingen) hält leider nicht, was der reißerische Titel verspricht. Das Schlimmste, was im Theater, noch dazu auf einer Premiere, passieren kann: Der Zuschauer langweilt sich. Und hat den Gedanken: Genau so ein Stück habe ich schon drei oder vier Mal gesehen. Oder denkt: Ach ja, Kapitalismuskritik. Oder: Bei so viel Geschrei und Fotze-Ficken-Geschwurbel nichts als heiße Luft. Schade um die wirklich guten Schauspieler. Anschließend, beim Nachspülen im Ludwigs, haben wir das Stück schon komplett vergessen.
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An Eides Statt
Nie wieder einen, der mich klein macht und hält, der ignorant, arrogant, womöglich – igitt! – intrigant ist, der nicht loyal sein kann, der Intelligenz und Kreativität als Angriff auf seine eigenen Allmachtsfantasien begreift – mit solchen Typen bin ich für alle Ewigkeit durch!, spricht Susanne von meinem Balkon herunter in das Feuer der Abendsonne, und ich hol den Limoncello de Menton aus dem Schrank und, kling klong, bestätigen wir uns das jetzt mal gegenseitig, damit die Sache – the sun as our witness – direkt eidmäßig rüberkommt. Und hier noch etwas Passendes von Marion Brasch: Eine Enttäuschung ist immer auch eine
WeiterlesenMathematische Lösung
Die Summe der Arschlöcher ist überall gleich. (PM’s Antwort auf die Frage, ob im Osten der Republik die freundlicheren Menschen leben)
WeiterlesenReisen und arbeiten
Mittwoch. Und nebenbei haben sich in Erfurt wunderbare Kontakte für mein aktuelles Buchprojekt ergeben. Sodass ich im November noch einmal hinfahren werde. Ich freue mich auf alles Weitere …
WeiterlesenErfurter Einrichtungen
Montag. Gestern war Tag der Bildung: Die Erfurter Synagoge. Das Augustinerkloster. Das Anger-Museum. Da sind wir unter uns. Wir und die Museumswärter, mit denen PM intensiven Kontakt aufnimmt und die ihn nicht enttäuschen. Abends Kino: Snowden von Oliver Stone. Der Film sollte internationales Pflichtprogramm für ALLE sein. Anschließend was zu essen gesucht nach 22 Uhr und fündig geworden im Goldenen Schwan (Thüringer Puffbohnen …)
WeiterlesenZiemlich beste Freunde
Sonntag Vormittag, Erfurt. Am Abend dann lerne ich UA kennen. Soviel vorweg: PMs Freunde sind auch meine Freunde. Dieser UA hat einen Tisch bestellt. Beim größten Italiener, den ich je gesehen habe, eine tadellose Riesenkneipe, den Erfurter Sizilianern sei Dank. UA und PM haben sich seit 25 Jahren nicht gesehen. Macht aber nichts, sie schließen da an, wo sie damals aufgehört haben, und das geht nur bei ziemlich besten Freunden. UA erzählt von Justizskandalen aus seiner unmittelbaren Praxis, dass dir schwindelig wird. Ich hoffe, dass er sie eines Tages aufschreibt und veröffentlicht. Nicht zum ersten Mal wurde mein Glaube in
WeiterlesenSchöne Tage in Erfurt
Sonntag früh, Erfurt. Aufwachen und Fenster auf: Penatenblauer Himmel, unter mir der Anger. Was bis gestern nur ein Name war, sind jetzt diese wahnsinns Häuserfassaden und in der Morgensonne funkelnde Schaufenster und sachte dahingleitende Straßenbahnen. Eine frühe Seniorentruppe läuft hinter ihrem Stadtführer in albernem historischem Kostüm her, während ein paar Restbesoffene in den Ladeneingängen abhängen und in den hellen Tag blinzeln. Erfurt. Für mich seit Freitag Abend die schönste Stadt der Welt. Mit meinem Rollköfferchen laufe ich fast eine Stunde rum, bevor ich mich entschließen kann im Hotel einzuchecken. PM ist noch nicht da, und ich baue Geschenke, Kerzen und
WeiterlesenSchreiben und Kritik
Dienstag. Hab PM das gestern fertig gewordene Kapitel geschickt. Er überfliegt nicht nur, er stellt Fragen. Überdenkt die Struktur, fällt Urteile. Seine Kritik ist immer produktiv, seine Anerkennung wie eine tolles Musikstück. Pink Floyd: Ich hab dann so einen Impuls sofort aufzuspringen und weiterzuarbeiten, auch oder gerade wenn es mitten in der Nacht ist. PM ist mein erster Leser. Ein Vielleser und in Sachen Stil höchst differenziert. (Eine Neuerscheinung zusammen lesen: auch so ein Ding.) Er arbeitet seinerseits gerade einen Artikel über eine neue OP-Methode aus. Er weiß, was es heißt zu veröffentlichen. Er weiß, was es heißt zu schreiben.
WeiterlesenMax Mannheimer
Sonntag. Max Mannheimer ist gestorben. Einer der wirklich allerletzten Holocaust-Überlebenden kann nun nicht mehr die Verbindung zwischen uns und unserer Nazi-Vergangenheit herstellen. Was macht das mit uns? Wie halten wir das Vergessen auf, wenn die Zeugen fehlen? Die eintätowierte Zahl 99 728 auf seinem linken Unterarm sei eine Telefonnummer, hat er seiner Enkelin erklärt. Die Familie habe er mit seiner Geschichte nicht so sehr belasten wollen. Max Mannheimer, der mehrere KZs überlebt hat, war nicht nur Kaufmann, Buchautor und Maler. Seit 1990 war er der Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und seit 1995 Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees. Wie wichtig die Arbeit
WeiterlesenWissen und Zeit
Samstag. Aus Information wird erst dann Wissen, wenn du ausreichend Zeit hast, die Information kontextmäßig im Gehirn so zu vernetzen, dass sich daraus Erkenntnis entwickeln kann. (Harald Lesch über Schule)
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