Bitte nicht stören

Dienstag. In Asien dürfe man eine Person, die ihre Beine auf den Schreibtisch gelegt hat, nicht stören. Diese Person sei mit etwas Wichtigem beschäftigt: Sie denke nach! Mal abgesehen vom wahrscheinlich gegen Null tendierenden Wahrheitsgehalt dieser vorgeblich asiatischen Weisheit finde ich die Vorstellung sehr prickelnd: Im Amt lege ich die Beine auf den Tisch, und alle Leute schleichen auf Zehenspitzen um mich herum. Weil ich denke…  Wow!

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Sonntagsblues

Sonntag. Seit gestern wieder in Tübingen: 1. Heimat, nach einer Woche in der 2. Heimat. Umstellungssymptome. PM ist mitgekommen, so haben wir die Autofahrt noch zusammen, statt stressiger Zugfahrt alleine. Steve und Karina sind nicht zuhause, ist ja auch mal ganz schön (das bewundere ich sowieso, wie PM als Nicht-WG-Sozialisierter mit meiner Wohnsituation zurechtkommt). Wir tragen die ganzen Kisten aus dem Haus m. Eltern, die bisher in PMs Keller gestanden haben, aus dem Auto zu mir hoch. Da stehen sie jetzt und verstopfen den Flur. Was drin ist? Keine Ahnung mehr. Einige schöne Dinge, viel Unnützes, eher aus Gründen des

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Totally Black

Samstag frühmorgens, B.N. Wenn dich die Bilder nicht loslassen und dir den Schlaf nicht gönnen und dein Geist sich verselbständigt und jedes beliebige Bild in der Gesamtheit seines nur vorstellbaren negativen Potentials entfaltet und dann lustvoll ausmalt, totally black, dann hilft wirklich nur eins, aufstehen und arbeiten. Kühlschrank aufräumen, neues Kapitel schreiben, das verklebte Öl- und Essigregal putzen, Unterricht vorbereiten, Nägel maniküren, Weihnachtsgeschenke einpacken, Sachen reparieren. Ziemlich egal. Punctum saliens: Den Geist einfangen, produktiv werden. Den Preußischen Wertekatalog wirksam werden lassen. Langes Telefongespräch mit T., er will sich selbständig machen. Gestern den Tag über in Köln bei  L. und B.

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Up and down

Freitag, B.N. Berlin klappt nicht. Termin gecancelt, bzw. verschoben. Viel Zeit verloren. Sehr blöd! Dafür zwei neue Interviewzusagen, über die ich mich wirklich freue. Auch beide in Berlin, irgendwann … Gutes Gefühl, wenn solche Personen von meinem Projekt überzeugt sind und bereit mitzumachen.

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Fegefeuer

Dienstag, B.N. Die Jugendlichen, die in Ahrweiler Kneipen Halloween feiern, stellen ihre Flaschen draußen auf der Bank ab, bevor sie geordnet die Kirche stürmen. Zum Kerzenanzünden! Wir sitzen in Bell’s Wintergarten an dem Tisch direkt beim Kamin, lassen uns aufwärmen, lassen uns Salat und Garnelen (PM), bzw. Flammkuchen (ich) und einen schokoladigen Überraschungsnachtisch (beide) schmecken und bewundern die neuen Sitzmöbel in dem großen Gastraum, die schon blitzeblank geputzte Riesenküche, den ehemaligen Braukeller und den begehbaren Kühlraum („aber nur gucken!“) – fällt jetzt die Tür zu wie im Tatort? Mit dem morgigen Allerseelenfest muss man in dieser schwerkatholischen Gegend doch mal darauf

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Unsere Freunde

Montag, B.N. Lese ich gerade: 2015 stiegen die weltweiten Waffen-Exporte um 14%. Die fünf bei weitem größten Waffenexporteure sind USA, CHINA, RUSSLAND, FRANKREICH und DEUTSCHLAND (der 51. Bundesstaat der USA?) Die drei bei weitem größten Waffenimpoteure sind die TÜRKEI, SAUDI-ARABIEN und die VEREINIGTEN ARABISCHEN EMIRATE (VAE)! Auf unsere Freunde ist eben Verlass …

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Zeit ist

Zeit ist Geld Zeit ist Wachstum Zeit ist relativ Zeit ist ein Strahl Zeit ist geil Zeit ist Provokation Zeit ist Druck Zeit ist real Zeit ist Freiheit Zeit ist Spiel Zeit ist los Zeit ist Raumzeit Zeit ist flüchtig Zeit ist ein Wimpernschlag Zeit ist t Zeit ist eine Dimension Zeit ist eine Zone Zeit ist Lichtgeschwindigkeit Zeit ist Gegenwart Zeit ist Liebe Zeit ist Zukunft Zeit ist jung Zeit ist alt Ur Alt

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Raumfaktor Deutschland

Ist Deutschland für die US-geführte Kriegsstrategie nur noch als Aufmarschland der NATO gegen Russland von Interesse, also eigentlich mehr oder weniger als Raumfaktor? Davor habe ich Angst. Laut Spiegel steht mal wieder eine Modernisierung des US-Atomarsenals an, das seit Jahrzehnten u.a. in Deutschland stationiert ist. Genauer: auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in der Eifel. Im Kriegsfall werden die Bomben von den Tornado-Jets des Luftwaffen-Geschwaders abgeworfen, das in Büchel beheimatet ist. Die deutschen Kampfflugzeuge bereiten sich auf die neuen amerikanischen Sprengköpfe vor. Warum? Warum lagern da überhaupt Atombomben? Warum in Deutschland? ‚Kooperation‘ nennt sich das, dabei sind wir nur der Fußabtreter für

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Morgensmittagsabends

Freitag. Morgens sitzt er vorm Rewe-Laden mit seiner dunklen Hornbrille, die beinahe stylisch aussieht, keine Gitarre im Arm, keine Sammeldose auf dem Boden, manchmal eine Bierflasche in der Hand. Freut eu-heuch des Lebens, er hat einen schönen Tenor, sitzt auf der Steinmauer und singt laut und richtig und guckt den Fahrrädern hinterher, die im Pulk an ihm vorbeiflitzen zur Arbeit, zur Schule, zur Uni. Ihm kann das egal sein. Mittags kommt er die Platanenallee rauf. Völker hört die Signale, er läuft im Takt, guckt sich die bunten Bäume vor blauem Himmel an, er kennt den ganzen Text auswendig. Und abends?

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