Sonntag Vormittag, Erfurt. Am Abend dann lerne ich UA kennen. Soviel vorweg: PMs Freunde sind auch meine Freunde. Dieser UA hat einen Tisch bestellt. Beim größten Italiener, den ich je gesehen habe, eine tadellose Riesenkneipe, den Erfurter Sizilianern sei Dank. UA und PM haben sich seit 25 Jahren nicht gesehen. Macht aber nichts, sie schließen da an, wo sie damals aufgehört haben, und das geht nur bei ziemlich besten Freunden. UA erzählt von Justizskandalen aus seiner unmittelbaren Praxis, dass dir schwindelig wird. Ich hoffe, dass er sie eines Tages aufschreibt und veröffentlicht. Nicht zum ersten Mal wurde mein Glaube in
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Schöne Tage in Erfurt
Sonntag früh, Erfurt. Aufwachen und Fenster auf: Penatenblauer Himmel, unter mir der Anger. Was bis gestern nur ein Name war, sind jetzt diese wahnsinns Häuserfassaden und in der Morgensonne funkelnde Schaufenster und sachte dahingleitende Straßenbahnen. Eine frühe Seniorentruppe läuft hinter ihrem Stadtführer in albernem historischem Kostüm her, während ein paar Restbesoffene in den Ladeneingängen abhängen und in den hellen Tag blinzeln. Erfurt. Für mich seit Freitag Abend die schönste Stadt der Welt. Mit meinem Rollköfferchen laufe ich fast eine Stunde rum, bevor ich mich entschließen kann im Hotel einzuchecken. PM ist noch nicht da, und ich baue Geschenke, Kerzen und
WeiterlesenSchreiben und Kritik
Dienstag. Hab PM das gestern fertig gewordene Kapitel geschickt. Er überfliegt nicht nur, er stellt Fragen. Überdenkt die Struktur, fällt Urteile. Seine Kritik ist immer produktiv, seine Anerkennung wie eine tolles Musikstück. Pink Floyd: Ich hab dann so einen Impuls sofort aufzuspringen und weiterzuarbeiten, auch oder gerade wenn es mitten in der Nacht ist. PM ist mein erster Leser. Ein Vielleser und in Sachen Stil höchst differenziert. (Eine Neuerscheinung zusammen lesen: auch so ein Ding.) Er arbeitet seinerseits gerade einen Artikel über eine neue OP-Methode aus. Er weiß, was es heißt zu veröffentlichen. Er weiß, was es heißt zu schreiben.
WeiterlesenMax Mannheimer
Sonntag. Max Mannheimer ist gestorben. Einer der wirklich allerletzten Holocaust-Überlebenden kann nun nicht mehr die Verbindung zwischen uns und unserer Nazi-Vergangenheit herstellen. Was macht das mit uns? Wie halten wir das Vergessen auf, wenn die Zeugen fehlen? Die eintätowierte Zahl 99 728 auf seinem linken Unterarm sei eine Telefonnummer, hat er seiner Enkelin erklärt. Die Familie habe er mit seiner Geschichte nicht so sehr belasten wollen. Max Mannheimer, der mehrere KZs überlebt hat, war nicht nur Kaufmann, Buchautor und Maler. Seit 1990 war er der Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und seit 1995 Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees. Wie wichtig die Arbeit
WeiterlesenWissen und Zeit
Samstag. Aus Information wird erst dann Wissen, wenn du ausreichend Zeit hast, die Information kontextmäßig im Gehirn so zu vernetzen, dass sich daraus Erkenntnis entwickeln kann. (Harald Lesch über Schule)
WeiterlesenFragen sind sexy
Freitag. Einfach irgendwo klingeln, reingehen, sich umgucken, wie die Person so eingerichtet ist, Fragen stellen: Seit wann lebst du hier? Wo geht dieses Fenster raus? Warst du schon mal oben auf dem Dach? Was ist in dem Schrank drin? Was machst du den Tag über? Womit beschäftigst du dich abends? Was regt dich am meisten auf? Was ist dein Lieblingsduft? An was glaubst du? Was hoffst du? Was hat dich heute zum Lachen gebracht? Wäre doch ein cooles Buchprojekt … Die meisten Menschen mögen es, gefragt zu werden. Fragen sind wie Seele streicheln. Seit fünf Tagen krank wegen übler Zahnbehandlung.
WeiterlesenHeimat V
Wahrscheinlich habe ich hier im Holzparkett, direkt unter meinem Schreibtischstuhl, robustere Wurzeln geschlagen, als ich zu wissen meine. Tübingen. Die Stadt, in der ich lebe, liebe und arbeite. Süddeutsche Unikleinstadt, deren Einwohner einen gewöhnungsbedürftigen Dialekt sprechen … der Anderssprachige, durch ein einziges Wort Gezeichnete ausgrenzt? Gibt sich nach außen locker und gemütlich, ist im inner circle aber eher ungastlich. Meine tieferen Wurzeln sind, logisch, im Ruhrgebiet. Kamen, Dortmund, Essen, sind die Orte meiner Vergangenheit. Fahre ich in die alte Heimat, wird mir warmumsherz und ich fühle mich eins mit den Menschen, ihrer Sprache, den schwarzen Industrieanlagen und den schwarzroten Backsteinsiedlungen. Das ist Altes, Unauslöschliches. Aber
Weiterlesenzu früh gefreut
Donnerstag. Zu früh gefreut. Backe dick wie ein Apfel. Schmerzen. Kein Schlaf, nur Eisbeutel. Hausarrest, die ganze Woche …
WeiterlesenAttacke auf Hilfskonvoi
Mittwoch. Wer steckt hinter dem Bombenanschlag auf den UN-Hilfskonvoi nach Syrien/Aleppo? Etwa das russische Militär? Heilige Sch…, man blickt nicht mehr durch. Es gibt sie nicht, die Guten und die Bösen, es gibt nur Eigeninteressen, nationale, aber durchaus auch persönliche, das musst du dir immer wieder klar machen als höchst unvollständig informierte Netzleserin. Diese Geschichte jetzt mit dem Konvoi lässt einen so unvermittelt an den „versehntlichen“ Bombenangriff auf Assads Truppen durch US-Streitkräfte vor ein paar Tagen denken, dass ein Zusammenhang zwingend erscheint. So wie es die USA auch interpretieren. No doubt!, für sie stecken Putin oder Assad dahinter. Doch weiß
WeiterlesenJetzt isch over!
Zahn-OP isch over, halleluja!, und ich lebe noch. Als alte Zahnarztphobikerin fällt es mir schwer das zu sagen, aber: Es war alles nur halb so schlimm. Ich vermute mal, die Leute mit den Schauergeschichten – und davon gibt es reichlich! – haben noch nicht den richtigen Arzt gefunden. Meiner ist Kieferchirurg (er ist sogar Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg), und von den zwei Behandlungsstunden ist nichts in meiner Erinnerung, Sedierung sei Dank! Danach bin ich zu Fuß nach Hause und hab unterwegs in der Apotheke und bei Rewe noch Besorgungen gemacht. Nur ziemlich viel langsamer als sonst, so step by step.
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