hard work

Mittwoch. Die Glasscheibe, immer dazwischen, zwischen dir und den Anderen, zwischen dir und der Restwelt, die dich das Andere nie so richtig erreichen lässt, verschwindet nicht allmählich verblassend, sondern wie in einer Bodenfuge, wie die Seitenscheibe im Auto, die auf Tastendruck runtergeht, und du merkst, nach drei Jahren hard work merkst du es plötzlich: Das Leben geht dich wieder an. Vielleicht ist es genau die Trennscheibe, die dich zum Schreiben bringt. Trennung zu überwinden. Wahrscheinlich war sie schon immer da, irgendwie, nur weniger krass. Könntest du ohne sie schreiben? Anders? Wann fährt sie wieder hoch? Klar, sie wird. Im besten

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Alle Jahre wieder

 … und  die Weltpolitik kann mich mal, habe eben meinen Baum fertig geschmückt, wie alle Jahre wieder die ganzen über die Zeit angesammelten Schätze herausgekramt vom Erzgebirge und von diversen fernen Ländern und bestimmt manches auch made in China, Weihnachten ist bei mir Kitsch as Kitsch can oder was andere dafür halten, und sogar Lametta hängt von den Zweigen, jedes Fädchen einzeln angebracht, ja logo das aus Stanniol!, muss ja schwer fallen, was bei Kunststofflametta leider nicht gewährleistet ist, das glitzert und funkelt schon jetzt im Lampenlicht, wie dann erst, wenn alle Kerzlein angezündet sind, und unter dem Baum steht

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Unbequeme Fragen

Alle bekannten Attentäter der Anschläge vom 13. November in Paris wurden in Frankreich oder in Belgien geboren. Aus Rache für das Attentat wird jetzt aber in Syrien gebombt. Wieso? Weil die IS-Psychopathen sich dort verstecken, oder weil das eigentliche Ziel Assad ist? Unwichtig zu erfahren, dass die Waffen der Pariser Terroristen von der Firma „Century International Arms“ in Delray Beach, Florida, stammen? Verrückt! Genauso verrückt wie die Tatsache, dass wegen der NATO-Solidarität der Deutschen mit den Franzosen gerade 1200 dt. Soldaten nach Syrien, bzw. in die Türkei verschifft worden sind. Und die Türkei – warum weiß die nichts Besseres zu

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Im Supermarkt

Sonntag. Wenn wir in die Kelter gehen, bestellt PM gerne mal eine ganze Flasche Sekt. Die Gläser seien so schnell leer, erläutert er und spielt ein bisschen den Bestürzten. Sein Trinkgeld fällt dann genauso großzügig aus. Der zweistündige Einkauf vorher im Supermarkt hat sich gewaschen: Zwei Wagen voll für zwei Weihnachtsfeiern, eine bei mir und eine bei PM. Während wir durch die Gänge schieben, aufsteigende Panik: es könnte nicht reichen, der Einkaufszettel sei nicht vollständig, und vielleicht doch noch eine Eispackung mehr und bloß keine leeren Schüsseln auf dem Tisch … Manche Regale waren LEERGEKAUFT. So gab es kein Lübecker

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Weihnachten ist, wenn man viel isst

Freitag. Mit W. eine deckenhohe Nordmanntanne geholt. Sie steht schon im Zimmer, breitet ihre Äste in alle Richtungen aus, kratzt mit den Spitzen am lichterkettenbehangenen Ölportrait der beautyful Lady in Black, meiner Großmutter Vieregge, und duftet nach – Badedas. W. ist an Weihnachten wieder dabei, und er bestimmt maßgeblich das Essen mit: Kartoffelsalat und Würstchen dieses Jahr nicht mit mir!, sagt er und wackelt bedrohlich mit dem Zeigefinger. Er wird also ein Zitronenhuhn bei sich zuhause kochen und mitbringen. Da aber auch mindestens zwei Vegetarier dabei sind, wird es Raclette geben, für die Nichtvegetarier eingelegte Filetscheiben zum Grillen und für PM

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o. B.

Donnerstag. Jetzt: wo alles vorbei ist – die schlimmen Sitzungen in muffigen Anwaltbüros, Gerichtssälen, im Notariat, die nicht vermeidbaren Begegnungen mit dem Protagonisten meines alten Lebens, die Angst um meinen Wohn- und Lebensraum: Zustand von Schwäche, Zerbrechlichkeit – ich vermag die Worte kaum zu schreiben – ein verhasstes Gefühl, das ich nicht zulassen will. Drei Jahre die volle Konzentration auf Starksein, Wachsein, Sich-nicht-einmachen-lassen, Kopf hoch und Krone richten, egal, wie oft sie runterfällt und wie schief sie auch sitzt. Jetzt: tuts hier weh und da stimmts auch nicht, allerlei Untersuchungen, den Tatsachen ins Auge sehen, na klar, immer doch und

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Ins Schwarze

Samstag. Wie mag das Lebens- und Weltgefühl eines mittelalterlichen Menschen ausgesehen haben? Er wird im Wesentlichen sein Tagwerk verrichtet und ein Leben in Gleichförmigkeit geführt haben, ein Tag wie der andere, geprägt von Armut oder sogar Kampf um das Überleben, mit Wut über die Ohnmacht den Entscheidungsträgern gegenüber, mit Schmerzen, die nicht zu heilen waren, mit der Gleichgültigkeit, die aus dem immer gegenwärtigen Tod heraus entstand durch Krankheit oder Schwangerschaft oder Geburt des nächsten ungewollten Kindes, mit spärlicher Sinnstiftung durch die Kirche, mit Kirchenfesten und Dorfhochzeiten, die Helligkeit und Abwechslung brachten, wenigstens für kurze Zeit, um dann wieder zurückzufallen in

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180 Grad

… und wenn ich in Remagen aussteige, steht da schon PM, ein blitzender Blick, dann dreht er sich auf den Fersen um exakt 180 Grad, immer macht er das und es sieht maßlos elegant aus, ein langer Schritt in die falsche Richtung – Zeitdehnung? – um sich sofort wieder umzudrehen, und ich laufe direkt in seinen Blick hinein. Der mit den Lachfältchen, endlich.

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