Ein Buch

Dienstag. Das Buch ist raus. Der dritte Band mit Texten aus meiner Schreibwerkstatt. Ein schönes Gefühl: Wenn sie es in den Händen halten und das Cover betrachten und dann „ihre“ Seite aufschlagen und den Titel ihres Textes und darunter ihren Namen entdecken. Und durch jede Zeile schimmern die Spuren der ersten, zweiten, sechsten, siebten Version, hart erkämpft, verteidigt und endlich losgelassen … Fördervereinfinanziert. Das heißt, andere glauben an die Texte und geben ihr Geld dafür her. Zwei Jahre Arbeit. Zwei Jahre, die sich gelohnt haben.

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Die Mitscherlichs zu Kultur und Gewalt

Montag. IMMER NOCH HOCHAKTUELL: „Kriege und Bürgerkriege flammen über die Erde verstreut auf und schwelen fort, Millionen Menschen leben in Hunger und ohne Recht, in Folterkammern werden aus einer nie versagenden Phantasie neue Techniken des Quälens und Erniedrigens bereitgehalten. Das alles sind Demonstrationen von Herrschaftsformen, die menschliche Kultur repräsentieren, und zugleich ihre Folgen. … Das Bestürzende: … Im Bewusstsein der Zerstörer wird für eine gute Sache vernichtet: für den besseren Glauben, für die rassisch überlegene, von Gott auserwählte Nation etc. Die Amphiktyonien, jene kultisch-politischen Verbände, die im frühen Griechenland sich eidlich verpflichteten, das Heiligtum zu schützen und ritterlich zu kämpfen,

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Abenteuer Deutsche Bahn

Sonntag. Oberleitungen beschädigt, Gleise blockiert – was n-tv just in dieser Minute über den Liveticker schickt, hab ich heute live erlebt: In Remagen fällt der Zug aus, wie es heißt, gab es eine Entgleisung irgendwo in NRW. Schnell weiter nach Siegburg, Stempel vom Reisezentrum, der nächste kommt mit 90 min Verspätung, doch keiner darf einsteigen wegen Überfüllung. Ich tu es trotzdem – an diesem Sonntag liefert die Bahn das volle Katastrophenprogramm. In Frankfurt geht dann gar nichts mehr. Stillstand. Irgendwann die Durchsage: Zu viele Fahrgäste an Bord, bitte aussteigen und mit dem Regio weiterfahren! Hm. Die Bahnpolizei rückt an. Und quetscht

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Adorno und Friedrich werden keine Freunde mehr

Donnerstag. Friedrich aus Bremen ist zu Besuch und arbeitet alle seine Tübinger Freund*innen nach einem zuvor erstellten Terminplan ab. Ich bin die um 11.30 Uhr. Treffpunkt: Padeffke. Friedrich will Windbeutel haben. Oder ein Sahne-Eclair. Gibts beides nicht, hitzebedingt (34 Grad). Er überlegt ziemlich lange, was er dann nehmen soll. Entscheidet sich für Käutertee, bittet mich, ihn nachher daran zu erinnern, dass er vier Vanillezungen mitnimmt. Die sind nämlich fast genauso gut, sage ich ihm. Oder sechs? Nein, sechs sind zuviel, vier! Friedrich: „Also, eins weiß ich. Ich hab ja nur wenig veröffentlicht. Aber. So ’n Scheiß, wie Adorno geschrieben hat, habe

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Jonathan Meese dekonstruiert

Jonathan Meese beim Pekingente-Essen mit Harald Falckenberg: „Ent-identifiziert euch!“ „Ein Künstler befreit die Welt und wird hoffentlich nicht Gralskönig. Das wollen diese gralsfanatischen Kulturschleimer natürlich, dass er der nächste König wird, aber die Kunst verbietet das.“ „Wenn man den Meese einlädt, in Bayreuth das Bühnenbild, die Kostüme zu machen und eine Wahnfried-Ausstellung zu machen, dann will man doch den totalen Umsturz.“ „Diese Heiligsprechung von Wagner muss aufhören, die wird ihm nicht gerecht, der ist kein Gott.“ „Alle Politiker sollen abdanken, alle. Brauchen wir nicht mehr.“ „Wer in der Monarchie leben will oder im Kommunismus oder in einer Ultrademokratie, soll sich

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Spuk auf Facebook

Dienstag. Mantel wiedergefunden (Mexikoladen)! Irgend so ein Blödmeier hat mit meinen Daten einen neuen Facebook-Account erstellt. Bekomme jetzt laufend Nachrichten, ob ich das bin oder wie. Der Ar… fragt meine FB-Freund*innen nach ihren Telefonnummern und scheinbar hat er auch schon einige gekriegt. Ein FB-Freund hat mir seine Hilfe angeboten, um die Seite löschen zu lassen. Das finde ich total nett, wir kennen uns persönlich nicht mal. Auf so einen Müll habe ich keinen Bock. Was ist der Gag dahinter? Vasteh ick nich!

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Sartre is Watching You

Montag. Kollegenstreit über Griechenlandkrise / Grexit, Kopierer kaputt, zu spät zur Physio wg Schnitt in der Hand (vom Herumfummeln im Innenleben des Kopierers), Physiotherapeut erstmal ewig nach Pflaster gesucht, nach Hause, Handwerker reingelassen & versucht sein Gelaber & Geschleime zu ignorieren, anschließend in die Stadt & To-do-Liste abgearbeitet, dabei Mantel / Lieblingstrench verloren oder irgendwo liegengelassen, Geschenk für L. gesucht & gefunden (Mexikoladen), dem seit Petrosawodsk vergrippten & verkaterten T. Saft und Kuchen vorbeigebracht, den neuen Genossenschaftsladen besichtigt & mit Horst – Genossenschaftsmitglied der ersten Stunde – gequatscht, (warum bin ich da kein Mitglied?), Finanzamt, Postamt, Apotheke, Rezept vergessen, aber

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Melancholia

Freitag, B.N. … auf der Terrasse unter den Ästen der japanischen Kirsche und dem sommerlichen Dämmerhimmel eingeschlafen bei Vogelgezwitscher und Einaudis Devenire. Vorher gab es Fisch und frischen Erdbeeren. Anstrengender Tag …

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Es geht weiter

Mittwoch. 18.46 Uhr: … es war ein gutes Gespräch / Interview. Und damit ist ein weiterer Schritt geschafft … Gabriele Wohmann ist tot. Das ist wirklich traurig. Ich mag ihre detailversessene Gnadenlosigkeit besonders in den Kurzgeschichten. Dabei immer streng lakonisch – wenn jemand Lakonie beherrscht, dann sie.

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