Zwischentöne – Die Musiker vom Nonnenhaus

Sonntag Morgen. In drei Stunden ist es soweit. Nur die Käsehäppchen müssen noch gemacht werden, alles andere steht schon zum Transport bereit. K. und H. kommen gleich helfen. Ohne ihre und PM’s Unterstützung hätten wir es unmöglich geschafft. H. und K. haben bei Dorle übernachtet, die Katze war ein Problem, als K. die Katze entdeckte, wäre sie am liebsten wieder umgekehrt. Erst als wir im Meze abendessen waren, hob sich die Stimmung wieder. Gleich, um 10 Uhr, ist Sektempfang im Atelier, um 11 Uhr beginnt die Präsentation von T’s Film. Wie dumm, wie ärgerlich: Eine nichtöffentliche Veranstaltung wg. der GEMA-Rechte. Als

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Angela Merkel, Barbara Talheim und ich

Samstag, B.N. Nach ein paar kalten Tagen – in jeder Hinsicht – scheint heute am frühen Morgen die Sonne, die Luft ist warm wie ein Wannenbad, durch die offene Terrassentür riecht es nach gemähtem Rasen, oben schlafen H. und K., PM’s Freunde aus Berliner Zeiten, PM ist schon in der Klinik „für’n Stündchen“, aus dem erfahrungsgemäß eher drei Stündchen werden, wir hatten das, was man einen schönen Abend nennt, meine Spargelcremesuppe kam gut an und dazu gab es feine Sachen aus dem Feinkostladen. K. erzählt, dass Angela Merkel kürzlich im KaDeWe Bettwäsche bei ihr gekauft habe! Blauweiße mit geometrischen Mustern

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Hey, lass dir was einfallen! – Yanis Varoufakis macht’s vor

Dienstag. Yanis Varoufakis zeigt uns gerade was: Wie man mit den Medien umgeht. Gespräche zeichnet er einfach mal auf, damit die Presse ihm hinterher nicht ein X für ein U vormacht. Aus schlechter Erfahrung ist er klug, oder besser: kreativ geworden. Hey, lass dir was einfallen!, ist seine Botschaft. Er warnt vor den Medien und den europäischen Politikern und ihrem Verhältnis zur Wahrheit: „Die Medien verbreiteten Unwahrheiten über das Treffen in Riga, darüber, was ich gesagt haben soll.“ Er wehrt sich gegen die geschlossene Mauer der Desinformation gegenüber der Bevölkerung durch ‚angesehene Journalisten‘ und ‚ehrwürdige Nachrichtenmedien‘. Auf seiner Internetseite informiert und kommentiert

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1,0

Sonntag. T. hat sein Masterexamen mit 1.0 bestanden. Mein Sohn! (Er mit seinen Zweifeln an sich und an seiner Kreativität …) Besser gehts nicht, habe ich ihm gesagt. Er kann viel und er weiß viel. Und manchmal weiß er das auch.

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Blickkontakt

Freitag. An der Kreuzung steht eine Frau mit total pinkfarbenen Haaren. Ihre Leggings sind türkis, und sie trägt einen bunten, bodenlangen Strickmantel. Ein Haarreif – ist er golden? – mit fingernagelgroßen Strasssteinen leuchtet wie eine Krone in der Sonne auf ihrem Haupt. Es ist noch früh am Morgen, als ich an ihr vorbeiradle, eine Arbeitstasche über der Schulter, eine weitere auf dem Gepäckträger. Sie sieht mich über die Schulter hinweg an. Sie trägt nichts bei sich. Sie bewegt sich nicht. Sie kneift ein Auge zu, während sie den Rauch ihrer Zigarette ausbläst. An ihrem Finger blinkt ein XXL-Ring. Hinter ihrem

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Sonnenallee

Samstag, B.N. Einen neuen Drink kreiert: Mezzomix (2/3) mit einem Doppelschuss Becherovka Original (1/3) auf Eis, Zitrone und Minze. Nicht direkt epochal, aber schmackhaft: Frisch, (nicht zu) süß und anregend. Ich taufe ihn „Sonnenallee“, weil er – eher zufällig – bei unserer Nostalgie-Häppchenparty mit PM’s Kindern und dem Film Sonnenallee entstanden ist.

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Im Himmel

Wirf deine Angst in die Luft (Rose Ausländer) Donnerstag. Ein Morgen wie flüssiges Gold. Draußen spielt das kalte Sonnenlicht mit der Wasseroberfläche des Pools. Hat den Liegestuhl noch nicht erreicht und lässt den lila Flieder beinahe weiß aussehen. Eine Fliege fällt unablässig herunter bei ihrem instinktgesteuerten Versuch, die Scheibe hinaufzukrabbeln, als gäbe es da oben was umsonst, dumpfes stumpfes Fliegenleben. Auf dem Küchenblock steht PM’s leere Tasse. Längst ist er bei seinen Patienten, doch zuvor hat er meine beiden Tassen mit meiner Spezialmischung aus Schokopulver, Honig und Nescafé gefüllt. Im Radio betreibt ein Theologe Gedankenwichserei über den Himmel und kommt

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Die Gärtnerin von Versailles

Sonntag. Den Abend gestern mit meinem Freund, Nachbarn und Kollegen W. verbracht. Zuerst die Karten im Kino Museum abgeholt, dann noch schnell ins Piccolo Sole d’Oro auf ein Glas sehr guten Weißwein. Langsam runtergekommen – „aah, schön hier, aaah, herrlich!“ – von der konzentrierten Arbeit tagsüber. Die Beine lang gemacht, ein bisschen Leute geguckt, auf dem Rückweg ins Kino die milde Luft genossen, die Beleuchtung im Zwielicht, und überall roch es so gut nach Essen und nach Parfum. Viele Menschen unterwegs. Mädchen in Dirndlkleidern, Jungs in Seppelhosen, das gesellschaftliche Rad scheint sich schwer zurückzudrehen (wie kann man so bescheuert rumlaufen!). Ein

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Guter Versuch

Freitag. Gestern Abend im LTT „Palmer – Zur Liebe verdammt fürs Schwabenland“ gesehen. Irres, völlig durchgeknalltes Stück über den Vater unseres Bürgermeisters Boris Palmer. Dargestellt wird er von gleich vier fastmenschengroßen Handpuppen. Hundert Minuten lang brüllen und toben alle Viere durcheinander und jedes zweite Wort ist Nazi! oder Arschloch! – eben wie der alte Palmer so war. Der könnte auch von fünf oder neun oder hundert Puppen dargestellt werden, weil er fünf- oder neun- oder hundertmal mehr Energie und Brüllvermögen gehabt hat als der Durchschnittsbürger. Die Figur des alten Palmer wird vom ersten Satz an von seiner jüdischen Abstammung her

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