Yad Vashem

Yad Vashem ist ein Muss. Als Deutsche(r) kannst du dich da nur beschissen fühlen. Wenn du einigermaßen gut informiert bist, überraschen dich weniger die Bilder und Texte, sondern vielmehr die konsequente Opferperspektive der Ausstellung. Die Täter sind Nebenfiguren und werden als solche lediglich benannt. Vor der original Schindlerliste zu stehen, ist ein besonderer Moment. Spätestens da begreifst du, dass der Staat Israel die einzige mögliche Antwort auf den Holocaust ist. Zum Glück, wirklich, habe ich Imre Kertesz‘ „Roman eines Schicksallosen“ im Reisegepäck und in den Tagen zuvor gelesen. Die sehr nachhaltigen Eindrücke des Romans ergänzen und intensivieren die bedrückenden Eindrücke

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Politikunterricht

Dienstag, Tel Aviv. Am Sonntag stehen Yad Vashem und der Shrine of The Book an. Wir sagen es dem Taxifahrer, und er will wissen, warum. Erst nachdem wir ihn aufgeklärt haben, dass wir die Jerusalemer Altstadt schon kennen, ist er einverstanden. Trotzdem fragt er uns die Sehenswürdigkeiten eine nach der andern ab. Er ist Jerusalemer, und was seine Stadt angeht, da versteht er keinen Spaß. Er erzählt uns, dass jeder und jede Israeli drei, bzw. zwei Jahre lang zum Militär müssen und danach jedes Jahr wieder für einen Monat. Bei mir sind das 41 Jahre, sagt er und taxiert uns

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Enjoy The Day

Montag, Tel Aviv. Die nächsten drei Tage verbringen wir in Tel Aviv und am Strand. Hier wird ausschließlich Französisch gesprochen, was daran liegt, dass viele jüdische Familien aus Frankreich im August ihren Urlaub traditionell im Hotel Dan verbringen. Sie scheinen sich alle untereinander zu kennen und machen viel Krach. Sie überfluten Tel Aviv „wie eine Krankheit, die vorübergeht“, bringt es ein Taxifahrer auf den Nenner. Er führt es darauf zurück, dass aufgrund des zunehmenden Antisemitismus‘ französische Juden sich im eigenen Land nicht mehr sicher fühlen und sie wenigstens einen Monat im Jahr unbeschwert leben möchten. (Jedes Jahr übersiedeln 10.000 französische Juden

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Negev, En Gedi, Totes Meer

Samstag, Tel Aviv. Das Mietauto haben wir ja noch bis Mittwoch Abend. Nach dem Tag gestern in Jerusalem können wir uns nicht vorstellen, gleich nochmal hinzufahren, schon gar nicht mit dem Auto (obwohl wir noch einiges nicht gesehen haben). Und so fahren wir ans Tote Meer. Nach En Gedi möchte ich, wo Saul David verfolgte und David sich in einer Höhle versteckt hielt. Ich stelle mir eine sehr kleine, alte und verfallene, irgendwie staubige Stadt zwischen Wüste und Salzmeer vor. Das Bild vor meinem inneren Auge ist recht konkret. Doch En Gedi ist praktisch nichts! Wir kommen an eine Raststation,

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Jerusalem also

Freitag, Tel Aviv. Jerusalem also. Also die Hinfahrt. Die Parkplatzsuche. Die Altstadt. Der Tempelberg. Und dann die Klagemauer. Was da in dir vorgeht, wenn du vor der Klagemauer stehst, diesem Restbestand des ersten Tempels, die alten Ritzen gespickt mit Dankes- und Bittzettelchen, von Frauen gesäumt (ich war natürlich auf der Frauenseite), die ihre Stirn und ihre Handflächen an das Gemäuer pressen und die Augen schließen, das kann u. will ich hier nicht darstellen Nur so viel: Es lässt dich, niemanden, kalt. Es berührt dich, mehr als du vermutet hast. Es weckt Erinnerungen, Sehnsüchte. Es lässt dich nicht ungeschoren davonkommen. Etwas

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Und dann: Jerusalem

Jerusalem, heute, hat mich getroffen, tief bewegt, geschafft, ermattet. Zu viele Eindrücke! Am Anfang und leider auch nochmal am Ende stand jeweils eine ziemlich ätzende Fahrt mit dem Mietauto durch zwei Städte – Tel Aviv und Jerusalem – , in denen jede Sekunde der Verkehrsinfarkt droht. Einzige Therapie (gilt nur für Einheimische): Aggro-Volldrauf-Hupkonzerte! PM maximal genervt… So kann das gehen, wenn sehr alte Träume endlich wahr werden. Morgen mehr.

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Jaffa und Meer

Dienstag, Tel Aviv. Nach Sonnenuntergang, nachdem der Feuerball hinter Dunstwolken verschwunden ist, tobt am Strand das Leben. Familien karren sich selbst und Körbe mit Essen und transportable Grills heran, komplett bekleidete Araberinnen steigen ins Wasser und haben ihren Spaß, das Ufer ist gesäumt von Badenden und Hunden, andere holen sich die schon aufgestapelten Plastikstühle herunter und schieben sie zu einem großen Kreis zusammen, um miteinander zu trinken und zu spielen. Wir halten bis 1.30 Uhr heute früh durch, trinken in der Masada-Bar noch einen Arak Mojito, bzw. israelisches Bier und stellen Überlegungen an, wann auf dem Boulevard wohl Ruhe einkehrt. Wir

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The Eagle Has Landed: Tel Aviv

Montag. Tel Aviv ist laut, bunt und leidenschaftlich. Im Hotel Dan gibts ein koscheres Frühstücksbüffet, das wirklich keine Wünsche offenlässt. Allein 4 verschiedene Käsesahnetorten! Nachts, am Strand, trainieren israelische Jungs und Mädels in einer Art Open-Air-Fitnessstudio. Alles geht geregelt und diszipliniert zu, von der Taxifahrt am Flughafen bis zur Strandhandtuch-Ausgabe am Hotelausgang. Toda heißt Danke!

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Telefontermin Literaturagentin

Freitag, B.N. Aufschlussreiches Gespräch mit einer Literaturagentin. Das Sachbuchprojekt mögen sie also, sie und ihre Chefin. Den Roman finden sie und ihre Chefin aber zu gewagt. Wollen sie lieber ein weiteres nichtssagendes, nichts erzählendes Werk aus irgendeinem Schreibseminar auf den Markt werfen, damit der Wendepunkt sich auch wirklich exakt in der Mitte ereignet und auch sonst sämtliche Regelchen eingehalten sind, die so viele Bücher so ermüdend, so gleichgesichtig machen? Ich sage ihr das alles. Ich sage ihr auch, dass ich selber eine Schreibwerkstatt leite und dass ich das alles kenne und dass es nur wenige Seiten braucht, um herauszulesen, ob der

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Fakten und Praktisches

Mittwoch. Zehn Tage Israel, eine Woche Kiel und viele schöne Tage in Bad N. – packtechnisch eine Herausforderung, bes. an meinen Koffer. Wie wird es sein in Tel Aviv, in Jerusalem, in Yad Vashem, vielleicht am Toten Meer? Ich blättere in den Unterlagen vom israelischen Ministry of Tourism („Fakten und Praktisches über Israel“) und kann es mir noch nicht vorstellen. Hab mir ja auch das Vorausdenken abgewöhnt.

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